Finanzierung/Investitionen, Produktion/Absatz

Ford gibt verlustreicher Deutschlandtochter Finanzspritze

10.03.2025 - 14:20:56 | dpa.de

Der Autobauer Ford US3453708600 Deutschland bekommt eine krĂ€ftige Finanzspritze von seinem Mutterkonzern, verlĂ€sst dafĂŒr aber eine Art Schutzschirm der Amerikaner.

Eine Kapitaleinlage von bis zu 4,4 Milliarden Euro soll dazu fĂŒhren, dass die Schulden deutlich reduziert werden, wie die Ford-Werke GmbH in Köln mitteilte. Zuletzt beliefen sich die Schulden von Ford Deutschland auf 5,8 Milliarden Euro. Neben der Finanzspritze zur Schuldentilgung stellt der Mutterkonzern mehrere Hundert Millionen Euro bereit, um das GeschĂ€ft in den nĂ€chsten vier Jahren anzukurbeln.

Eine sogenannte PatronatserklĂ€rung aus dem Jahr 2006, mit welcher der US-Mutterkonzern fĂŒr die Schulden der deutschen Tochter einstand, verliert damit aber seine GĂŒltigkeit. Dadurch wird Ford Deutschland etwas auf finanzielle SelbststĂ€ndigkeit getrimmt.

"Die PatronatserklĂ€rung war etwas Ungewöhnliches, die keine andere Ford-Tochterfirma hatte", sagt Ford-Deutschlandchef Marcus Wassenberg. "Der Wegfall der PatronatserklĂ€rung ist ein Schritt zurĂŒck zur NormalitĂ€t und keineswegs Ausdruck von mangelndem Ford-Engagement in Europa - ganz im Gegenteil: Die mehreren Hundert Millionen Euro fĂŒr den neuen Businessplan zeigen, dass die US-Zentrale weiterhin an den Erfolg in Deutschland und Europa glaubt."

Rote Zahlen als Dauerzustand

Ford Deutschland ist schon lange in den roten Zahlen, die Produktion des Kleinwagen-Klassikers Fiesta hat der Autobauer 2023 eingestellt. Mit einer Investition von knapp zwei Milliarden Euro wurde das Kölner Werk auf Elektrokurs gebracht, der Verkauf von zwei neuen Elektromodellen blieb bislang hinter den Erwartungen zurĂŒck. Ende 2024 verkĂŒndete das Management ein Sparprogramm mit dem Abbau von 2900 Stellen am Standort Köln binnen drei Jahren. In Deutschland hat Ford Firmenangaben zufolge noch rund 15.000 BeschĂ€ftigte, knapp 12.000 davon in Köln.

Ford-Vizechef John Lawler sagt, dass die Konzernmutter ihre deutsche Tochtergesellschaft bei der Transformation des GeschĂ€fts fördere und die WettbewerbsfĂ€higkeit mit einer neuen Produktpalette stĂ€rke. "Um langfristig in Europa erfolgreich zu sein, mĂŒssen wir auch weiterhin unsere Strukturen vereinfachen, Kosten senken und die Effizienz steigern."

Sorgenfalten beim Betriebsrat

Fords Betriebsrat reagierte verhalten auf die Finanznachricht. "Aufgrund der Maßnahme gibt es nun eine große Unruhe in der Belegschaft", sagte der Betriebsratschef von Ford Deutschland, Benjamin Gruschka, der dpa. Dass die PatronatserklĂ€rung wegfalle, erhöhe den Druck. "Wir mĂŒssen jetzt gut wirtschaften oder es besteht die Möglichkeit einer Insolvenz." Die ZukunftsplĂ€ne der Mutter seien "eine große schwarze Blackbox", zumal unklar sei, was nach diesen vier Jahren geschehen könnte.

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