Rauchverbot und Milliarden - Was die LĂ€nder wollen
26.09.2025 - 16:40:02 | dpa.deEinen Schwerpunkt legt die LĂ€nderkammer auf den Jugendschutz. Auch zahlreiche andere BeschlĂŒsse standen am Ende eines langen Sitzungstags mit einer 90-Punkte-Tagesordnung in Berlin - ein Ăberblick:
Haushalt und Sondervermögen
Nach dem Bundestag lieĂ die LĂ€nderkammer den Bundeshaushalt 2025 passieren. Ausgaben von rund 502,5 Milliarden Euro und neue Kredite von fast 82 Milliarden Euro allein im Kernhaushalt sind vorgesehen. Nach rund neun Monaten mit vorlĂ€ufiger HaushaltsfĂŒhrung haben Regierung und Ministerien nun einen regulĂ€ren Etat. Zudem machten die LĂ€nder den Weg fĂŒr das milliardenschwere Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und Klimaschutz frei. Ăber zwölf Jahre hinweg sollen mit 500 Milliarden Euro zusĂ€tzliche Investitionen gestemmt werden. In der Debatte in der LĂ€nderkammer kam die Skepsis zur Sprache, ob das Geld wirklich nur fĂŒr zukunftstrĂ€chtige Zusatzinvestitionen ausgegeben wird.
Klausel gegen queerfeindlichen Hass
Im Grundgesetz soll nach dem Willen der LĂ€nder der Schutz vor Diskriminierung wegen sexueller IdentitĂ€t verankert werden. Konkret geht es darum, dass Artikel 3 im Grundgesetz im ersten Satz von Absatz 3 um den Zusatz "sexuelle IdentitĂ€t" erweitert wird. Derzeit heiĂt es an der Stelle: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden." Die Initiatoren wollen ein Zeichen gegen "queerfeindlichen Hass" setzen. Eine VerfassungsĂ€nderung brĂ€uchte eine Zweidrittelmehrheit von Bundesrat und Bundestag.
Nationale Minderheiten ins Grundgesetz
Auch ins Grundgesetz aufgenommen werden sollen nationale Minderheiten und Volksgruppen. Die LĂ€nder wollen mit dieser Forderung auf Initiative Schleswig-Holsteins, Brandenburgs und Sachsens mehr Schutz und Anerkennung erreichen. Eine Grundgesetz-ErgĂ€nzung soll zugleich ein auĂenpolitisches Signal sein - insbesondere zugunsten deutschsprachiger Minderheiten in Osteuropa.
Rauchverbot im Auto
Kinder sollen nach dem Willen der BundeslĂ€nder in Deutschland kĂŒnftig vor dem Passivrauchen im Auto geschĂŒtzt werden. Dazu soll das Rauchen im Fahrzeug im Beisein MinderjĂ€hriger verboten werden. Der Bundesrat beschloss, einen entsprechenden Gesetzentwurf beim Bundestag einzubringen. Denn nirgends sei die Passivrauchkonzentration so hoch wie im Auto fĂŒr Mitfahrer.
Ende des "begleiteten" Alkohol-Trinkens
Auch fĂŒr ein Ende des "begleiteten" Alkohol-Trinkens fĂŒr Jugendliche ab 14 Jahren macht sich der Bundesrat stark. Heute dĂŒrfen Jugendliche regulĂ€r ab 16 Jahren Bier, Wein und Sekt kaufen und trinken - in Begleitung einer "sorgeberechtigten Person" ist es aber schon ab 14 Jahren erlaubt. Die bisherige Ausnahmeregelung sehen die LĂ€nder "im klaren Widerspruch zum Ziel eines konsequenten Jugendschutzes".
Schutz vor Cybergrooming
Vor negativen Folgen des Konsums sozialer Medien sollen Heranwachsende in Deutschland ebenso besser geschĂŒtzt werden. In einer EntschlieĂung forderte der Bundesrat von der Bundesregierung mehr Social-Media-Schutz fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Ziel ist es, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schĂŒtzen. Zudem soll nach den Forderungen der LĂ€nder die Medienkompetenz gestĂ€rkt werden. PrĂ€ventive Bildungsangebote sollen auch Cybergrooming, Hass und Hetze sowie Desinformation entgegenwirken. Cybergrooming bezeichnet die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte mit MinderjĂ€hrigen ĂŒber das Internet.
Taschengeldkonto bei Trennung
Wenn Kinder ein Konto fĂŒrs Taschengeld eröffnen wollen, dĂŒrfen sie das in Deutschland tun - mit Zustimmung beider Elternteile. Nun soll eine Kontoeröffnung auch möglich werden, wenn allein der Elternteil zustimmt, bei dem das Kind seinen Lebensmittelpunkt hat. Entsprechende Ănderungen fordern die LĂ€nder fĂŒr Kinder von getrennt lebenden Eltern mit geteiltem Sorgerecht.
Deutschlandticket soll gesichert werden
Um Geld geht es auch beim Nahverkehr - nĂ€mlich um Milliardensummen. Die LĂ€nder pochen auf eine langfristige Sicherung des Deutschlandtickets. In einer Stellungnahme fordern sie, die geplanten Bundesmittel nicht nur fĂŒr 2026, sondern bis mindestens 2030 festzuschreiben. Die Verteilung auf die 16 LĂ€nder mĂŒsse angepasst werden. Zur Umsetzung der jĂŒngsten Einigung der Verkehrsminister von Bund und LĂ€ndern schlagen die LĂ€nder konkrete Formulierungen vor. FĂŒr die Kundinnen und Kunden war zentrales Ergebnis der Verkehrsministerkonferenz eine Anhebung des Deutschlandticket-Preises auf 63 Euro im Monat ab 2026.
Mehr Tierschutz bei Tiertransporten
Der Bundesrat macht sich fĂŒr mehr Tierschutz bei Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten stark. Die Bundesregierung - so die Forderung - soll sich auf europĂ€ischer Ebene fĂŒr klare und rechtsverbindliche Regelungen einsetzen. Hintergrund ist, dass es beim Export von Nutztieren in bestimmte Drittstaaten zu gravierenden TierschutzverstöĂen gekommen sei - und solche FĂ€lle auch kĂŒnftig nicht ausgeschlossen werden können.
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