ROUNDUP, Evonik

Evonik sieht GeschĂ€ftsbelebung - Aber eventuell nur vorĂŒbergehend

08.05.2026 - 08:56:25 | dpa.de

Der Chemiekonzern Evonik DE000EVNK013 blickt trotz einer GeschÀftsbelebung eher vorsichtig auf den weiteren Jahresverlauf.

Aktuell spĂŒrt der Spezialchemiekonzern, wie andere europĂ€ische Unternehmen der Branche auch, zwar indirekten RĂŒckenwind durch den Iran-Krieg, ob diese Belebung von Dauer ist, bleibt aber offen. Das Jahresgewinnziel bestĂ€tigte das Unternehmen bei der Zahlenvorlage am Freitag indes.

Die faktische Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran ließ die Preise fĂŒr Rohöl und Gas - wichtige Grund- und Prozessstoffe der chemischen Industrie - deutlich steigen. Da viele LĂ€nder Asiens Öl und Gas aus der Golfregion beziehen, drohen dort zudem VersorgungsengpĂ€sse. Chemiekonzerne, vor allem außerhalb Asiens, profitierten davon zuletzt und konnten ihre Verkaufspreise teils deutlich erhöhen. Bis diese Preiserhöhungen greifen, dauert es aber etwas.

Infolge des Iran-Krieges habe seit MĂ€rz der Absatz in einigen GeschĂ€ftsbereichen - vermutlich wegen VorratskĂ€ufen - angezogen, hieß es von Evonik nun. Das gelte etwa fĂŒr Hochleistungskunststoffe, Additive fĂŒr Schmierstoffe und fĂŒr sogenannte Crosslinker. Diese Vernetzer erhöhen die StabilitĂ€t und Lebensdauer von Verbundwerkstoffen, aus denen etwa Rotoren fĂŒr Windkraftanlagen gebaut werden.

Und auch die Verkaufspreise fĂŒr das Tierfutter-Eiweiß Methionin, einem wichtigen Produkt von Evonik, entwickelten sich zuletzt gut. Das ĂŒberrascht allerdings nicht, da die HandelseinschrĂ€nkungen in Nahost zu EngpĂ€ssen bei Schwefel in Asien fĂŒhrten - einem Stoff, der zur Herstellung verwendet wird.

Alles in allem dĂŒrften diese fĂŒr Evonik positiven Entwicklungen zumindest vorerst andauern, weshalb sich das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) laut Konzernangaben im zweiten Quartal auf mindestens 550 Millionen Euro erholen dĂŒrfte.

Allerdings könnte das zweite Quartal auch das stĂ€rkste des Jahres werden, "da in der zweiten JahreshĂ€lfte höhere Inflationsraten Konsum und Investitionen beeintrĂ€chtigen könnten. Auch Kosten fĂŒr Energie und Rohstoffe werden voraussichtlich höher ausfallen als ursprĂŒnglich angenommen." Das Jahresgewinnziel bestĂ€tigte das Unternehmen indes.

So peilt Evonik-Chef Christian Kullmann 2026 ein operatives Ergebnis zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro an. FĂŒr Analystin Georgina Fraser von Goldman Sachs ist die Vorsicht des Konzerns angemessen, sie schaffe mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf sogar Luft fĂŒr eine dann womöglich optimistischere EinschĂ€tzung.

Im ersten Quartal sank der Umsatz im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 3,43 Milliarden Euro, wie Evonik weiter mitteilte. Der operative Gewinn fiel um 15 Prozent auf 475 Millionen Euro, ĂŒbertraf damit aber die durchschnittliche AnalystenschĂ€tzung. Der auf die AktionĂ€re entfallende Überschuss knickte um fast die HĂ€lfte auf 125 Millionen Euro ein. Analystin Helena Xu vom Investmenthaus Jefferies sprach in einer ersten Reaktion von starken GeschĂ€ftszahlen und einer guten GeschĂ€ftsdynamik.

An der Börse zeichneten sich am Morgen zunĂ€chst aber eher moderate Gewinne ab. Der Kurs legte auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um 0,9 Prozent auf 17,20 Euro zu. An den Vortagen hatte das Papier ein gutes StĂŒck weit zurĂŒckgesetzt, nachdem es zuvor mit 18,25 Euro ein Hoch seit Mitte 2025 erklommen hatte. RĂŒckenwind bei der Kurserholung hatten die Hoffnungen auf bessere GeschĂ€fte im Zuge des Iran-Kriegs geliefert.

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