ChemikalienhÀndler Brenntag kappt Gewinnziel - Aktie gibt nach
13.08.2024 - 08:46:56Die Gesamtleistung sei in der ersten JahreshĂ€lfte unbefriedigend und liege unter den eigenen Ambitionen, sagte Unternehmenschef Christian Kohlpaintner am Dienstag laut Mitteilung. Die allgemeinen Trends und Erwartungen in der Chemieindustrie stimmten das Management vorsichtiger fĂŒr den Rest des Jahres. Es erwarte eine ungĂŒnstigere Mengenentwicklung und anhaltenden Preisdruck, insbesondere bei den Industriechemikalien.
Auf der Handelsplattform Tradegate rutschten die Aktien um 1,7 Prozent ab im Vergleich zum Xetra-Schluss auf 62,76 Euro. Ein HÀndler sagte, mit einer Senkung des Ausblicks habe man bei dem ChemikalienhÀndler schon gerechnet, doch falle diese nun etwas höher aus als gedacht.
2024 dĂŒrfte der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (operatives Ebita) auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro fallen, wie das Dax DE0008469008-Unternehmen bereits am Montagabend in Essen ĂŒberraschend mitteilte. Bislang hatte der Vorstand das untere Ende der Spanne von 1,23 bis 1,43 Milliarden Euro angepeilt. Mit den neuen Zielen erwartet Brenntag einen RĂŒckgang gegenĂŒber dem Vorjahreswert. Im ersten Halbjahr ging das operative Ergebnis um knapp 18 Prozent auf rund 557 Millionen Euro zurĂŒck.
Brenntag leidet unter einer schwĂ€cheren Nachfrage. Das sorgte schon 2023 fĂŒr einen deutlichen Umsatz- und ErgebnisrĂŒckgang. Im zweiten Quartal 2024 schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um 1,9 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Dienstag in Essen mitteilte. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita) rutschte um gut ein Zehntel auf 297 Millionen Euro ab. Unter dem Strich blieb ein auf die AktionĂ€re entfallender Gewinn von 149,1 Millionen Euro nach 186,9 Millionen Euro vor einem Jahr.
Nun will das Unternehmen noch einmal seinen Sparkurs verschĂ€rfen. "Angesichts unserer Gesamtleistung in der ersten HĂ€lfte des Jahres 2024 werden wir jedoch unsere BemĂŒhungen und Initiativen zur Kostensenkung im weiteren Jahresverlauf beschleunigen und ausweiten", sagte Finanzchefin Kristin Neumann. So wĂŒrden wie angekĂŒndigt Ausgaben verschoben sowie Investitionen in IT und digitale Transformation ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum gestreckt. Dazu zĂ€hle auch, das globale Standortnetzwerk zu optimieren.
Um die Kosten zu senken, hatte der Vorstand im vergangenen Sommer weitere MaĂnahmen eingeleitet. Dazu zĂ€hlten StandortschlieĂungen und der Abbau von ArbeitsplĂ€tzen. Insgesamt will Brenntag bis 2027 auf Jahressicht 300 Millionen Euro einsparen. Die Einmalkosten hatte das Unternehmen auf 250 Millionen Euro beziffert.
Derweil treibt der Konzern die Entflechtung seiner beiden Sparten voran. Die GeschĂ€fte mit Prozesschemikalien (Essentials) sowie mit SpezialitĂ€ten fĂŒr bestimmte Branchen (Specialties) sollen bis 2026 eigenstĂ€ndig aufgestellt werden. Brenntag erwartet so deutliche Effizienzsteigerungen und Einsparungen bei den Verwaltungskosten, den Ausgaben sowie in der Lieferkette.
Insbesondere das SpezialitĂ€tengeschĂ€ft soll sich so besser entwickeln. Der Bereich liegt Kohlpaintner zufolge hinter den Wettbewerbern zurĂŒck, diese LĂŒcke soll geschlossen werden. Danach will das Management verschiedene strategische Optionen prĂŒfen. Ob es zu einer Aufspaltung kommt, ist offen.
Aktivistische Investoren, in deren Visier der ChemikalienhĂ€ndler geraten ist, hatten auf eine Aufspaltung in die beiden Bereiche fĂŒr Spezial- und Basischemikalien gedrĂ€ngt. Dabei machte vor allem der britische Finanzinvestor Primestone auf sich aufmerksam. Primestone sowie der US-Hedgefonds Engine Capital erhoffen sich dadurch eine schnelle Wertsteigerung.
Brenntag handelt international mit Industrie- und Spezialchemikalien sowie Inhaltsstoffen. Das Unternehmen kauft die Stoffe bei Chemiekonzernen in gröĂeren Mengen ein und verkauft sie in kleineren Mengen. In den vergangenen Jahren ist Brenntag durch zahlreiche kleinere Ăbernahmen gewachsen.
KonjunkturabschwĂŒnge treffen das Unternehmen in der Regel weniger stark als Chemiekonzerne, weil Kunden dann weniger Chemikalien benötigen und diese vermehrt beim HĂ€ndler statt beim Produzenten kaufen. Zuletzt beschĂ€ftigte Brenntag knapp 18.000 Mitarbeiter.

