Infineon stĂ€rkt GeschĂ€ft fĂŒr Auto-Vernetzung mit MilliardenĂŒbernahme
08.04.2025 - 10:28:05FĂŒr 2,5 Milliarden US-Dollar (2,3 Mrd Eur) ĂŒbernimmt der Konzern das Automotive-Ethernet-GeschĂ€ft von Marvell Technology US5738741041, einem Speicher-, Telekommunikations- und Halbleiterunternehmen. Mit der Akquisition will Infineon seine Position bei softwaredefinierten Fahrzeugen stĂ€rken. Finanziert werden soll die Transaktion durch Barzahlung aus vorhandenen liquiden Mitteln und zusĂ€tzlichem Fremdkapital, wie der Konzern am Montagabend in Neubiberg mitteilte. Am Markt kam die Ăbernahme zumindest inhaltlich gut an.
FĂŒr das Jahr 2025 erwartet die Marvell-Sparte einen Umsatz von 225 bis 250 Millionen Dollar sowie eine Bruttomarge von rund 60 Prozent. Dabei geht Infineon in den kommenden Jahren von einer weiteren Beschleunigung des Wachstums aus. Bis 2030 sollen die Erlöse jĂ€hrlich im Schnitt um rund 25 Prozent steigen. Dabei kann das Unternehmen in den kommenden fĂŒnf Jahren auf eine Design-Win-Pipeline von rund vier Milliarden US-Dollar bauen. Zu den Kunden von Marvells Automotive-Ethernet-GeschĂ€ft gehören den Angaben zufolge mehr als 50 Automobilhersteller, darunter acht der zehn fĂŒhrenden. Weitere Kostensynergien erwartet Infineon durch die BĂŒndelung der Forschungs- und EntwicklungsaktivitĂ€ten sowie im Bereich der Fertigung.
HĂ€ndler sehen in der Ăbernahme einen "strategisch gut passenden Zukauf". Die in den vergangenen Tagen angesichts starker Marktturbulenzen unter Druck stehende Aktie konnte jedoch zunĂ€chst nicht profitieren: Sie verlor am Dienstagvormittag 1,2 Prozent. Es senkten zudem mehrere AnalysehĂ€user im Zusammenhang mit der Unsicherheit ĂŒber die US-Zollpolitik ihre Kursziele fĂŒr die Aktie.
Auch Analysten lobten in einer ersten Reaktion den Zukauf. Das Ethernet-GeschĂ€ft von Marvell werde geschĂ€tzte 2,8 Prozent des Umsatzes im Automotive-Segment von Infineon in diesem Jahr beitragen, schrieb Analyst Sandeep Deshpande von JPMorgan. Auch auf die ProfitabilitĂ€t des Chip-Herstellers dĂŒrfte sich der Deal voraussichtlich positiv auswirken.
Das Automotive-Ethernet-GeschÀft von Marvell Technology sei eine starke strategische ErgÀnzung in dem sich wandelnden Umfeld der softwaredefinierten Fahrzeuge, notierte Malte Schaumann von Warburg Research. WÀhrend der Kaufpreis auf den ersten Blick hoch erscheine, relativierten die guten strategischen Perspektiven, die starke RentabilitÀt und das hohe Wachstum die Bewertung.
Ethernet ist eine SchlĂŒsseltechnologie fĂŒr Kommunikations- und KonnektivitĂ€tslösungen mit geringen Verzögerungen und hoher Bandbreite, die fĂŒr softwaredefinierte Fahrzeuge entscheidend ist. "Der Zukauf ist eine hervorragende strategische ErgĂ€nzung fĂŒr Infineon als weltweit fĂŒhrender Anbieter von Halbleiterlösungen fĂŒr die Autoindustrie", kommentierte Infineon-Konzernchef Jochen Hanebeck die Ăbernahme. Zudem eröffne sie neue Chancen im Bereich der physischen KĂŒnstlichen Intelligenz, wie etwa humanoide Roboter.
Das Portfolio der Marvell-Sparte unterstĂŒtzt den Angaben zufolge DatenĂŒbertragungsraten von 100 Megabit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde sowie die fĂŒr die derzeitigen und zukĂŒnftigen Fahrzeugnetzwerke erforderlichen Sicherheitsfunktionen. Die Marvell-Sparte beschĂ€ftigt mehrere hundert Mitarbeiter.
Die Transaktion muss noch von den Behörden genehmigt werden, inklusive des Ausschusses fĂŒr Auslandsinvestitionen in den USA (CFIUS). Sie soll voraussichtlich noch in diesem Jahr vollzogen werden.

