Gerry, Weber

Gerry Weber stellt Insolvenzantrag

11.03.2025 - 12:06:47

Der Damen-Modehersteller Gerry Weber muss erneut saniert werden.

Beim Amtsgericht Bielefeld sei ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt worden, heißt es in einer Mitteilung. Ziel des Verfahrens ist es demnach, das Unternehmen fortzufĂŒhren. Zum Sachwalter bestellt wurde Lucas Flöther. Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" darĂŒber berichtet.

Von der Insolvenz betroffen ist die Muttergesellschaft Gerry Weber International GmbH. Diese beschĂ€ftigt nach eigenen Angaben knapp 230 Menschen in Deutschland. Der GeschĂ€ftsbetrieb in den 32 eigenen Shops und 11 Outlets hierzulande soll ohne EinschrĂ€nkungen fortgesetzt werden. Nun wird ein neuer EigentĂŒmer gesucht. Erste GesprĂ€che laufen nach Informationen der dpa bereits.

Den Prozess begleiten soll der Restrukturierungsexperte Christian Gerloff, der in die GeschĂ€ftsfĂŒhrung berufen wurde. Er begrĂŒndete den Schritt unter anderem mit dem schwachen Konsumklima in Deutschland und anderen Teilen Europas. Trotz der tiefen Einschnitte bei Gerry Weber in den vergangenen Jahren sei es nötig, Strategie und Strukturen nochmals anzupassen, so Gerloff.

Mehr als die HÀlfte der GeschÀfte 2023 geschlossen

Gerry Weber International war zuletzt - 2019 und 2023 - bereits zweimal saniert worden. Vor eineinhalb Jahren waren in Deutschland im Zuge dessen 122 der 171 eigenen LĂ€den und Outlets geschlossen und etwa 450 Stellen gestrichen worden.

Gerry Weber war 1973, damals unter dem Namen Hatex KG, in Halle in Westfalen gegrĂŒndet worden. Das Modeunternehmen ist nach eigenen Angaben in mehr als 60 LĂ€ndern aktiv. In allen Gesellschaften des Konzerns im In- und Ausland sind demnach insgesamt rund 1000 Menschen beschĂ€ftigt.

Sparsame Kunden, hohe Kosten

Die Modebranche erlebt herausfordernde Zeiten. Zuletzt meldeten bekannte Unternehmen wie die Kaufhauskette Galeria sowie die ModehĂ€ndler Esprit und Sinn Insolvenz an. Die Firmen kĂ€mpfen damit, dass die Kunden zurĂŒckhaltend konsumieren und die Kosten fĂŒr Energie, Miete und GehĂ€lter stark gestiegen sind. Es sei damit zu rechnen, dass in diesem Jahr noch mehr HĂ€ndler unter Druck gerieten, sagte kĂŒrzlich der PrĂ€sident des Branchenverbandes BTE, Mark Rauschen.

Schwierig ist die Situation vor allem im stationĂ€ren Textil- und Modefachhandel, der wĂ€hrend der Pandemie hohe Verluste erlitt. Anschließend nahm das GeschĂ€ft wieder Fahrt auf, an das vorherige Niveau konnte man aber bislang nicht anknĂŒpfen. Laut einer BTE-Verbandsumfrage unter 150 Firmen erwartet nur ein Drittel der HĂ€ndler in diesem Jahr ein nennenswertes Umsatz-Plus.

@ dpa.de