Börse Frankfurt-News: Negatives Sentiment als positives Zeichen (Wochenausblick)
17.03.2025 - 10:10:36Neben der geplanten GrundgesetzÀnderung am Dienstag stehen auch die Entscheidungen gleich mehrerer Notenbanken im Fokus der Börse.
17. MĂ€rz 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die politische Einigung beim geplanten milliardenschweren Paket fĂŒr Verteidigung und Infrastruktur hat die AktienmĂ€rkte zum Ende der vergangenen Woche beflĂŒgelt. Die Hoffnung auf volle AuftragsbĂŒcher bei zahlreichen deutschen Unternehmen bescherte dem DAX am Freitag ein Plus von 1,9 Prozent. Damit wurden die Verluste der Vortage fast komplett egalisiert. Der Stoxx Europe 600 beendete die Woche mit einem Minus von 1,2 Prozent.
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Am Montagmorgen steht der deutsche Leitindex bei rund 23.000 Punkten auf demselben Stand wie zum Xetra-Schluss der Vorwoche. Die groĂen US-Indizes hatten am Freitag ebenfalls eine Erholungsbewegung gestartet, nachdem ein Regierungsstillstand abgewendet werden konnte und es keine neuen Nachrichten bezĂŒglich der Zollpolitik gab. Unter dem Strich verbuchten der S&P 500 mit minus 2,3 Prozent und der Nasdaq 100 mit minus 2,5 Prozent dennoch zum vierten Mal in Folge einen Wochenverlust. In Asien konnte der japanische Nikkei-225 zum Wochenstart auch dank eines etwas schwĂ€cheren Yen um 1,3 Prozent zulegen. Der den Hang Seng Index in Hongkong stieg um 1 Prozent.
Neben Geld bedarf es auch Reformen
Die fĂŒr die Milliardeninvestitionen notwendige ?"nderung des deutschen Grundgesetztes soll am Dienstag im Bundestag beschlossen werden. Heiner Herkenhoff, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbandes deutscher Banken, bezeichnet die Einigung der fĂŒr eine Zweidrittelmehrheit benötigten Parteien als ein "erstes Signal fĂŒr Wachstum und Sicherheit". Mit Blick auf die zuletzt deutlich gestiegenen Kapitalmarktzinsen mahnt er gleichzeitig aber an, dass ohne tiefgreifende Reformen bei BĂŒrokratie, Regulierung, Planung und Genehmigung die finanziellen Mittel nicht effizient eingesetzt werden können. "Wir mĂŒssen schneller und wettbewerbsfĂ€higer werden, damit das Paket tatsĂ€chlich Wirkung zeigt".
Wie reagiert die US-Notenbank auf Donald Trump?
Zur Wochenmitte stehen dann wieder die Notenbanken im Rampenlicht der Börse. "In Sachen Fed-Sitzung liegt der Fokus darauf, wie die US-Notenbank mit der wankelmĂŒtigen Trump-Politik umgeht, die in Amerika fĂŒr immer mehr Verunsicherung sorgt und sogar erste RezessionsĂ€ngste schĂŒrt", erklĂ€rt Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck. Nach Meinung der LBBW bergen die "weltweiten Verwerfungen, welche Donald Trump mit seiner disruptiven Politik auslöst", das Risiko, die MĂ€rkte lĂ€nger zu belasten. Der S&P 500 ist bereits unter seine 200-Tage-Linie gefallen, was in der Vergangenheit "hĂ€ufig - jedoch nicht immer - ein Signal fĂŒr eine lĂ€ngere und/oder markante nachfolgende Baisse" gewesen ist.
StÀrkere Schwankungen und schlechte Stimmung
AuffĂ€llig beim DAX ist nach Auswertung der Analysten, dass der Index im laufenden Jahr bereits 19-mal um mehr als ein Prozent gegenĂŒber dem jeweiligen Vortag geschwankt ist. Im gesamten Jahr 2024 war der deutsche Blue-Chip-Index nur an 44 Tagen um mehr als 1 Prozent gegenĂŒber dem jeweiligen Vortag gestiegen oder gefallen. Mit der Ruhe an den Börsen ist es demnach also vorbei. Unter dem Strich ist der DAX seit Jahresbeginn dennoch um ĂŒber 15 Prozent gestiegen. Die Strategen der Commerzbank empfehlen Anlegerinnen und Anlegern, die kurzfristige UnterstĂŒtzung bei 22.200 Punkten im Auge zu behalten. Positiv werten sie, dass das Aktiensentiment "so bearish ist wie zuletzt im September 2022".
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche
Montag, 17. MĂ€rz
13:30 Uhr: USA: EinzelhandelsumsĂ€tze. Strategen der Commerzbank erwarten durch die Zahlen einen ersten Hinweis darauf, ob die Lage tatsĂ€chlich so trĂŒbe ist wie die Stimmung. Nach einem RĂŒckgang im Januar wird diesmal ein Anstieg um 0,4 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat erwartet.
Dienstag, 18. MĂ€rz
10.00 Uhr. Deutschland: Abstimmung im Bundestag ĂŒber die Lockerung der gesetzlichen Schuldenbremse
11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Index. Nachdem die von Sentix erhobenen Konjunkturerwartungen der Finanzmarktanalysten zuletzt in die Höhe geschnellt waren, rechnen die Volkswirte der Deka beim ZEW-Index damit, dass "die Euphorie etwas gedĂ€mpfter ausfallen" wird. Als BegrĂŒndung verweisen sie u.a. auf den sich verschĂ€rfenden Zollstreit. Die Prognose-Range aller Volkswirte ist diesmal allerdings ungewöhnlich breit.
14:15 Uhr: USA: Industrieproduktion. Die Daten fĂŒr den abgelaufenen Monat dĂŒrften laut den Commerzbank-Analysten einen Aufschluss darĂŒber geben, ob sich die moderate Stimmungsverbesserung in der US-Industrie auch in den harten Daten zeigt.
Mittwoch, 19. MĂ€rz
Japan: BoJ-Zinsentscheid. Analysten und Volkswirte erwarten, dass die Bank of Japan den Leitzins diesmal unverÀndert bei 0,5?Prozent belassen wird. Gut zwei Drittel der ?-konomen rechnet jedoch im dritten Quartal mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte.
19.00 Uhr. USA: Fed-Zinsentscheid. Nach Ansicht der Commerzbank herrscht weitgehend Einigkeit unter den ?-konomen und auch mit Blick auf die am Geldmarkt gepreisten Erwartungen, dass die Fed die Leitzinsen unverÀndert im Bereich zwischen 4,25 Prozent und 4,5 Prozent belassen wird. Daran soll auch der etwas weniger stark als erwartete Anstieg der US-Verbraucherpreise vergangene Woche nichts geÀndert haben.
Donnerstag, 20. MĂ€rz
GroĂbritannien und Schweiz: Zinsentscheid. Die Bank of England dĂŒrfte nach der dritten Leitzinssenkung im Februar auf 4,50 Prozent nun im MĂ€rz nach Meinung der Deka eine Pause einlegen und voraussichtlich im Mai den nĂ€chsten Schritt nach unten machen. Dagegen erwarten die Experten, dass die Schweizerische Zentralbank aufgrund von Inflationsraten nahe Null ihren Leitzins nochmals auf 0,25 % senken wird.
13.30 Uhr. USA: ErstantrÀge Arbeitslosenhilfe.
Freitag, 21. MĂ€rz
Gegen 13 Uhr: GroĂer Verfallstermin an den wichtigen TerminmĂ€rkten weltweit.
Von Thomas Koch, 17. MÀrz 2025, © Deutsche Börse AG
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

