Warum sich die Bahn bei Extremwetter so schwertut
12.01.2026 - 15:27:53Insbesondere auf der Schiene geriet der Verkehr aus den Fugen. FahrgÀste mussten VerspÀtungen und ZugausfÀlle hinnehmen. Die Bahn stellte den Fernverkehr in der betroffenen Region zeitweise sogar komplett ein. Am Hamburger Hauptbahnhof strandeten Tausende Reisende.
Bahn sieht sich gut aufgestellt
Viele stellen sich deshalb derzeit wieder die Frage: Warum gerĂ€t die Bahn auch bei erwartbaren Extremwetterlagen wie Schnee im Winter immer wieder in BedrĂ€ngnis? Zumal das Unternehmen selbst behauptet, technisch ausreichend fĂŒr solche Situationen gerĂŒstet zu sein. Immerhin 7.800 der 9.230 Weichen in der Region seien beheizt, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Bundesweit sind es einem Bericht des "Spiegel" zufolge 49.000 von 65.000, also gut drei Viertel der Anlagen.
Auch die RĂ€umtechnik habe funktioniert und reiche aus, betonte die Bahn. "Mit Spurloks wurde auch nachts gefahren, um die Strecken freizubekommen und dass die Oberleitung nicht vereist."
Allerdings: Niedersachsen und Schleswig-Holstein seien per se stĂ€rker von solchen Extremwetterlagen betroffen, weil das Land flach sei, teilte die Bahn weiter mit. Und auch beheizte Weichen heizten nicht alle Probleme weg. Sie funktionierten etwa nicht, wenn zu viel Schnee und von ZĂŒgen herabgefallene Eisbrocken die Weichen blockierten.
Dann mĂŒssten sie manuell freigerĂ€umt werden. "Das haben jeden Tag Hunderte Kollegen erledigt; zum Teil mehrmals tĂ€glich nach erneuten Verwehungen und Vereisungen", betonte der Konzern.
Fachleute haben Zweifel
All das reichte aber offenkundig nicht aus, um den Fernverkehr grundsĂ€tzlich aufrechtzuerhalten. Fachleute haben deshalb erhebliche Zweifel daran, dass die Bahn ausreichend fĂŒr solche Wetterlagen gerĂŒstet ist.
Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten habe sie etwa deutlich weniger RĂ€umfahrzeuge und auch nicht genĂŒgend Personal fĂŒr die RĂ€umung von festgefrorenen Weichen, kritisierte der Fahrgastverband Pro Bahn im "Spiegel". Insbesondere vor Ort habe es frĂŒher bei der Bundesbahn mehr BeschĂ€ftigte fĂŒr solche Aufgaben gegeben, teilte Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann auf Anfrage mit.
Strategie des Ministeriums setzt falschen Fokus
Dass die Bahn immer wieder in solchen Wetterlagen den gesamten Fernverkehr einstellt, anstatt regional kurzfristig zu entscheiden, was möglich ist und was nicht, habe auch politische GrĂŒnde, sagt Dirk Flege, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Interessenverbands Allianz pro Schiene. So finde sich in der aktuellen Bahnstrategie von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kein einziger Verweis auf Unwetter. Stattdessen sei allgemein die PĂŒnktlichkeit das zentrale QualitĂ€tskriterium, an dem die Bahn in den nĂ€chsten Jahren gemessen werden soll.
Aus Fleges Sicht ist das der falsche Anreiz. ZugausfĂ€lle gehen nĂ€mlich nicht in die betriebliche PĂŒnktlichkeitsstatistik der Bahn ein, auf die sich die Regierungsziele beziehen. Sein Vorwurf: Die Bahn lĂ€sst die ZĂŒge deshalb lieber ausfallen, als dass sie mit erheblicher VerspĂ€tung im Netz unterwegs sind.
Minister fordert Aufarbeitung
An der Bahnstrategie des Ministers stört ihn auĂerdem die Vorgabe, dass der Konzern ein positives Betriebsergebnis erzielen muss, also Gewinne machen soll. Mit diesem Spardruck halte kein Unternehmen einen ausreichend groĂen Fuhrpark bereit, um fĂŒr seltene Extremereignisse umfassend gewappnet zu sein. Dieser Zwang zur ProfitabilitĂ€t bestehe allerdings schon seit der Bahnreform im Jahr 1994.
Der Minister selbst hatte am Wochenende in der "Rheinischen Post" die Bahn kritisiert, es habe im Rahmen von Wintersturm "Elli" zu viele ZugausfĂ€lle und VerspĂ€tungen gegeben. "Hier wird die Bahn sicherlich analysieren, wo es besonders gut Hand in Hand lief, und da, wo es etwas zu verbessern gibt, AblĂ€ufe weiter optimieren", sagte Schnieder. Gleichzeitig warb er fĂŒr VerstĂ€ndnis, dass in solchen Extremlagen kein planbarer Normalbetrieb möglich sei.
In anderen LĂ€ndern klappt es besser
Doch andere LĂ€nder zeigen, dass das durchaus möglich ist: Auch in skandinavischen LĂ€ndern sowie in Ăsterreich oder der Schweiz soll es hin und wieder schneien. Von einem Verkehrschaos auf der Schiene lesen die FahrgĂ€ste dort aber selten. Diese LĂ€nder hĂ€tten einen deutlich besser ausgestatteten Maschinenpark und genĂŒgend ReservezĂŒge, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, betont Flege.
Die Bahn allerdings betont, die Situation in Deutschland sei mit diesen LĂ€ndern nicht vergleichbar. 3.000 Kilometer Schienennetz seien in diesen Tagen in Norddeutschland betroffen gewesen. Das entspreche dem Gesamtnetz in Ăsterreich. "Wenn es dort ein Winterproblem gibt, dann auf 100 Kilometern, die man freifrĂ€st und anschlieĂend wieder befahren kann."

