ROUNDUP, Gemeindebund

Gemeindebund bei Sozialkosten fĂŒr neues Finanzierungsmodell

05.01.2026 - 13:23:12

Der Deutsche StĂ€dte- und Gemeindebund hĂ€lt eine grundlegend neue Lastenverteilung bei einigen Sozialleistungen fĂŒr nötig, damit die Kommunen ihre Aufgaben trotz leerer Kassen dauerhaft erfĂŒllen können.

Bund, LĂ€nder und Kommunen sollten sich kĂŒnftig zu jeweils einem Drittel an der Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe, der Hilfen zur Pflege und der Eingliederungshilfe fĂŒr Menschen mit Behinderung beteiligen, fordert der PrĂ€sident des kommunalen Spitzenverbands, Ralph Spiegler.

Strom auf Pump

In den zurĂŒckliegenden 20 Jahren seien die kommunalen Ausgaben in diesem Bereich explodiert - von knapp 38 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf schĂ€tzungsweise mehr als 102 Milliarden Euro 2027. Die Finanzlage der Kommunen sei aktuell als "desaströs" zu bezeichnen, sagte Spiegler bei einer Pressekonferenz in Berlin. Teils mĂŒsse selbst der Strom fĂŒr die RathĂ€user ĂŒber Kredite finanziert werden.

Fehlbetrag von mehr als 30 Milliarden Euro

Nach einem Finanzierungsdefizit von 24,3 Milliarden Euro 2024 sei der Fehlbetrag im vergangenen Jahr auf mehr als 30 Milliarden Euro gestiegen. Der Gemeindebund bilanziert: "Die HandlungsfÀhigkeit vor Ort ist akut gefÀhrdet, mit fatalen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland und die lokale Demokratie."

Ein Grund sei, dass die Kommunen "ĂŒberbordend mit Aufgaben belastet" seien, die nicht hinreichend ĂŒber Steuereinnahmen gegenfinanziert seien. Ein weiterer Faktor seien die zuletzt enormen Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst.

Weniger bĂŒrokratische Anforderungen

Dringend notwendig sei zudem eine Reduzierung der bĂŒrokratischen Anforderungen. Neben dem Abbau von Vorschriften mĂŒsse es auch darum gehen, Vorgaben zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Nicht jede EU-Verordnung oder jedes Bundesgesetz brauche zusĂ€tzliche und unterschiedliche AusfĂŒhrungsbestimmungen in den einzelnen LĂ€ndern.

Durch den RĂŒckgang der irregulĂ€ren Migration nach Deutschland habe es fĂŒr die Kommunen zwar eine "Atempause" gegeben. Die Aufgaben seien aber, was die Integration GeflĂŒchteter mit Bleiberecht angeht, immer noch sehr groß. "Schulen, Sprach- und Integrationskurse, Jobcenter und insbesondere AuslĂ€nderbehörden arbeiten an der Belastungsgrenze", heißt es in einer Bilanz des Verbands zum Jahreswechsel.

Der Deutsche StĂ€dte- und Gemeindebund vertritt vor allem kleinere und mittlere StĂ€dte und Gemeinden. Er setzt sich fĂŒr die StĂ€rkung der kommunalen Selbstverwaltung und die finanzielle Ausstattung aller Kommunen ein, unabhĂ€ngig von ihrer GrĂ¶ĂŸe.

Gestiegene Ausgaben fĂŒr Sicherheit

Zu den zuletzt gewachsenen Herausforderungen zĂ€hlt der Verband die durch TerroranschlĂ€ge und Amoktaten gestiegenen Anforderungen an die Sicherheitskonzepte von Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Sicherheitsauflagen sollten "risikobasiert vor Ort durch die kommunale Gefahrenabwehr im Zusammenspiel mit Polizei und Rettungsdiensten entschieden werden". Bund und LĂ€nder sollten den Kommunen helfen, indem sie harmonisierte Muster fĂŒr Sicherheitskonzepte sowie "einheitliche Drohnen- und Zufahrtsschutzstandards" verfĂŒgbar machen.

Neubau von SportstÀtten soll auch möglich sein

Mehr FlexibilitĂ€t wĂŒnscht sich der kommunale Spitzenverband bei den vom Bund geförderten Investitionen in SportstĂ€tten. "Es sollten nicht nur Projekte förderfĂ€hig sein, die bereits geplant sind, sondern auch solche, bei denen ein Neubau oder eine Kernsanierung dringend erforderlich ist", schlĂ€gt er vor.

@ dpa.de