Deutscher, Chef

Deutscher wird Chef der EuropÀischen Staatsanwaltschaft

10.03.2026 - 13:31:01 | dpa.de

Der deutsche Top-Jurist Andrés Ritter wird neuer EuropÀischer Generalstaatsanwalt.

Das Europaparlament gab in Straßburg die finale Zustimmung zur Ernennung des 61-JĂ€hrigen. Zuvor hatten bereits die EU-Staaten zugestimmt.

Als europÀischer Generalstaatsanwalt wird Ritter die seit 2021 tÀtige EuropÀische Staatsanwaltschaft (EUStA) leiten. Sie ist eine unabhÀngige Einrichtung der EU, die Straftaten zum Nachteil der finanziellen Interessen der Union untersucht, verfolgt und vor Gericht bringt. Dabei geht es etwa um Mehrwertsteuerbetrug, GeldwÀsche, Korruption und die Veruntreuung von EU-Mitteln.

Betrugsdelikte verursachen MilliardenschÀden

Dem jĂŒngsten EUStA-Jahresbericht zufolge arbeiteten die Ermittler Ende 2025 an einer Rekordzahl von rund 3.600 aktiven FĂ€llen mit einem geschĂ€tzten Gesamtschaden von gut 67 Milliarden Euro. Der Großteil des Schadens ist mit geschĂ€tzten 45 Milliarden Euro nach Angaben der Behörde auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug zurĂŒckzufĂŒhren. 361 der FĂ€lle werden demnach in Deutschland untersucht, mit einem geschĂ€tzten Schaden von knapp 5,8 Milliarden Euro.

Ritter ist bereits seit 2020 stellvertretender Leiter der Behörde in Luxemburg, zuvor war er unter anderem Oberstaatsanwalt in Rostock. Er wird den neuen Posten zum 1. November ĂŒbernehmen. Dann endet das siebenjĂ€hrige Mandat der derzeitigen EU-ChefanklĂ€gerin Laura Kövesi. Die RumĂ€nin war 2019 zur ersten europĂ€ischen GeneralstaatsanwĂ€ltin ernannt worden.

Mehr Profit als bei Drogenhandel

Im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte der in Chile geborene Ritter, es sei fĂŒr ihn "ĂŒberraschend und erschreckend" gewesen, dass das PhĂ€nomen des Zoll- und Mehrwertsteuerbetrugs in der EU so lange ignoriert worden sei. Der Profit gehe ĂŒber den von Drogenhandel hinaus und das Risiko der Aufdeckung und Bestrafung sei viel geringer. "Das ist auch fĂŒr kriminelle Organisationen ein sehr, sehr eintrĂ€gliches Modell", so Ritter.

Sinnvoll könnte es nach Angaben des Top-Juristen sein, die Aufgabenbereiche der EUStA in Zukunft auszuweiten - so zum Beispiel auf Ermittlungen zu Sanktionsumgehungen oder Umweltdelikten wie der illegalen Abfallentsorgung.

Bei Delikten, die international organisiert sind, stoßen laut Ritter rein nationale Behörden oft an Grenzen, weil Lieferketten, GeldflĂŒsse und Beteiligte ĂŒber mehrere LĂ€nder verteilt sind. Die StĂ€rke der EUStA sei, dass sie ZusammenhĂ€nge, Strukturen und HintermĂ€nner grenzĂŒberschreitend erkenne, erlĂ€uterte der EU-Staatsanwalt. Erst durch die TĂ€tigkeit der europĂ€ischen Behörde werde das Ausmaß des Schadens ĂŒberhaupt bekannt. "Wir decken da tatsĂ€chlich eine neue Welt des Verbrechens auf", sagte der deutsche Jurist.

Ermittlungen gegen frĂŒhere EU-Chefdiplomatin

Zuletzt wurde bekannt, dass die EuropĂ€ische Staatsanwaltschaft auch gegen die EuropĂ€ische Kommission ermittelt wegen ImmobilienverkĂ€ufen an den belgischen Staat. In RĂ€umen der BrĂŒsseler Behörde gab es laut informierten Kreisen Durchsuchungen. Ende des vergangenen Jahres macht EUStA Schlagzeilen mit der zwischenzeitlichen Festnahme der ehemaligen EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Zum Stand der Ermittlungen in diesen FĂ€llen wollte sich Ritter nicht Ă€ußern. "Wenn es nach den nationalen Regeln zulĂ€ssig ist, informieren wir darĂŒber, dass wir ein Ermittlungsverfahren fĂŒhren. Über den Stand geben wir aber, um das Verfahren zu schĂŒtzen, nur Auskunft, wenn es die Ermittlungen nicht gefĂ€hrdet", sagte er. GrundsĂ€tzlich arbeite man streng nach dem LegalitĂ€tsgrundsatz: Wenn ein Verdacht da sei, dann mĂŒsse man ermitteln. Das bedeutet aber natĂŒrlich nicht, dass sich ein bestimmter Verdacht am Ende immer bestĂ€tige.

An der transnationalen Staatsanwaltschaft nehmen bislang 24 der 27 EU-Mitgliedsstaaten teil - Irland, DĂ€nemark und Ungarn nicht. Laut Ritter hat Irland aber angekĂŒndigt, sich an der EUStA beteiligen zu wollen, ein konkreter Zeitpunkt stehe noch nicht fest. In Ungarn wird ein Beitritt nur dann erwartet, wenn die rechtspopulistische Regierung von MinisterprĂ€sident Viktor Orban bei der Wahl im April abgewĂ€hlt werden sollte. In DĂ€nemark verhindern derzeit nationalstaatliche Regeln einen Beitritt.

FĂŒr die Ernennung Ritters votierten bei der Abstimmung im EuropĂ€ischen Parlament 435 Abgeordnete, 112 stimmten dagegen, 46 enthielten sich.

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