Siemens Energy erhöht Mittelfristziel erneut - Aktie hebt ab
14.11.2025 - 11:55:56Der weltweite Hunger nach Strom treibt die Nachfrage massiv an. Die GeschÀfte mit Gasturbinen laufen dabei ebenso rund wie die Netztechnik. Dabei profitiert das vor wenigen Jahren noch in der Krise steckende Unternehmen auch vom KI-Boom und dem damit verbundenen Aufbau von Rechenzentren. Das Management um Konzernchef Christian Bruch erhöhte daher nun nach einem Umsatz- und Gewinnsprung im vergangenen GeschÀftsjahr seine mittelfristigen Ziele erneut - und zwar deutlich. Zudem zahlt das Unternehmen erstmals seit vier Jahren wieder eine Dividende.
An der Börse sorgte dies bei Investoren fĂŒr Euphorie, nachdem die Aktie am Vortag im Sog einer Verkaufswelle bei US-Tech-Werten an der Wall Street ebenfalls tief im Minus geschlossen hatte. Das Papier gewann am Freitag mehr als 10 Prozent. Im laufenden Jahr hat sich der Kurs damit mehr als verdoppelt. Auf drei Jahre gesehen fĂ€llt die Kursbilanz noch erheblich besser aus.
Analysten zeigten sich angetan: Die neuen Mittelfristziele sĂ€hen gut aus, schrieb etwa Vivek Midha von der US-Bank Citigroup. Sie hĂ€tten die bereits hohen Markterwartungen getoppt. JPMorgan-Analyst Akash Gupta sieht fĂŒr den Konsens fĂŒr das bereinigte operative Ergebnis nun rund 20 Prozent Luft nach oben. Die Ziele fĂŒr 2028 seien "voll aufgeladen", lobte Lucas Ferhani vom Analysehaus Jefferies. Sie versprĂ€chen deutlich dynamischeres Wachstum bei höheren Margen
Konzernchef Bruch geht auch kĂŒnftig von einem starken Marktumfeld aus. "Wir sehen ĂŒberall auf der Welt, dass unser Portfolio in die Anforderung reinpasst, eine resiliente Energieinfrastruktur aufzubauen", sagte er am Freitag wĂ€hrend der Bilanzpressekonferenz, die diesmal nicht in MĂŒnchen, sondern in Berlin stattfand.
Die hohe Nachfrage, die sich in Rekorden bei Umsatz, Auftragseingang und Auftragsbestand widerspiegelt, hilft Siemens Energy dabei an mehreren Stellen: Zum einen kann das Unternehmen fĂŒr seine neuen AuftrĂ€ge gute Preise durchsetzen - etwas, das ihm angesichts der lang laufenden Projekte gerade in den kommenden Jahren helfen wird. Noch wichtiger fĂŒr die hohen Erwartungen an die Zukunft sei aber, dass das steigende Volumen es ermögliche, Fabriken besser auszulasten und die Effizienz zu steigern, so Bruch. Und er sei zuversichtlich, dass die hohe Auslastung auch so bleibe.
Beim derzeit in aller Munde befindlichen GeschÀft mit Rechenzentren im Zuge des KI-Booms warnte Bruch vor zu viel Euphorie. Es sei ein gutes GeschÀft, sagte der Manager. Zwar werde der Strombedarf dort in den kommenden Jahren steigen, jedoch weiterhin nur einen Bruchteil des gesamten Strombedarfs weltweit ausmachen.
Das alles soll sich in den kommenden Jahren in deutliche ZuwĂ€chse bei Umsatz und Gewinn niederschlagen. Der vergleichbare Umsatz soll bis 2027/28 im Schnitt jĂ€hrlich im hohen Zehnprozentbereich steigen, wie das Unternehmen bereits am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte. Bislang hat das Management ein Wachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich auf dem Zettel. Dabei ausgeklammert sind WĂ€hrungs- und Portfolioeffekte. Die bereinigte Ergebnismarge soll dann 14 bis 16 Prozent erreichen. Geplant waren bislang zehn bis zwölf Prozent. Die neue Prognose liegt ĂŒber den bisherigen Erwartungen der Analysten, die im Schnitt von 13,5 Prozent Marge ausgehen.
Siemens Energy kann sich auf volle AuftragsbĂŒcher stĂŒtzen: Im vergangenen GeschĂ€ftsjahr stieg der Auftragseingang um gut 17 Prozent auf 58,9 Milliarden Euro. Im vierten Quartal warben das Gas- sowie das NetztechnikgeschĂ€ft noch einmal deutlich mehr NeugeschĂ€ft ein. Der Auftragsbestand legte daher per Ende September um gut 12 Prozent auf 138 Milliarden Euro zu. Um die BestĂ€nde abzuarbeiten, erhöht Siemens Energy derzeit seine KapazitĂ€ten - auch in Deutschland.
Im neuen GeschÀftsjahr 2025/26 geht Siemens Energy von einem vergleichbaren Umsatzwachstum von elf bis 13 Prozent aus und damit von einem leicht niedrigeren Wachstum als im Vorjahr, als 15,2 Prozent Plus erreicht wurden. Die bereinigte Marge soll von 6,0 Prozent auf 9 bis 11 Prozent zulegen.
Getragen werden soll das Umsatz- und Ergebniswachstum weiterhin vom Gas- und NetztechnikgeschÀft, die beiden Bereiche sollen dabei stÀrker zulegen als der Gesamtkonzern. Gebremst wird die Entwicklung weiterhin vom WindturbinengeschÀft Gamesa, welches nach erneuten Verlusten im vergangenen GeschÀftsjahr 2025/26 bei der bereinigten Marge die Gewinnschwelle erreichen soll.
Bruch erklĂ€rte, sich dort weiter auf eine Wende zum Positiven konzentrieren zu wollen. Der Manager warnte angesichts des zuletzt vor allem in den USA wieder stĂ€rker in den Mittelpunkt rĂŒckenden GeschĂ€fts mit fossilen EnergietrĂ€gern davor, die Windkraft bereits abzuschreiben. Insbesondere im GeschĂ€ft mit Meeresturbinen sieht er weiter groĂes Potenzial.
Unter dem Strich soll deutlich mehr ĂŒbrig bleiben als im Vorjahr: Nach Steuern dĂŒrfte der Gewinn von 1,7 Milliarden auf drei bis vier Milliarden Euro steigen. Damit lĂ€sst Siemens Energy die Krise endgĂŒltig hinter sich. So hatte das Unternehmen in den Jahren davor hohe Verluste verdauen mĂŒssen, insbesondere mit dem WindkraftgeschĂ€ft.
Von der guten Entwicklung dĂŒrfen nun auch wieder die AktionĂ€re profitieren. Der Konzern will fĂŒr das vergangene GeschĂ€ftsjahr wieder eine Dividende zahlen, nachdem er im Juni staatliche Garantien des Bundes vorzeitig abgelöst hatte. Vorgeschlagen werden 0,70 Euro je Aktie. Zuletzt hatte Siemens Energy fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2021 eine Dividende gezahlt: 0,10 Euro je Aktie.

