Esa-Chef will deutlich höheren Raumfahrt-Etat
17.11.2025 - 10:37:17"Man muss dazu sagen, der Betrag, den ich vorschlage als Generaldirektor, ist niemals der Betrag, der danach gezeichnet wird", sagt Aschbacher der Deutschen Presse-Agentur.
Die Esa koordiniert und fördert die Entwicklung der europĂ€ischen Raumfahrt. Ihr gehören 23 Mitgliedsstaaten an, die gemeinsam das Budget fĂŒr die kommenden drei Jahre stellen. Die deutsche Delegation beim Ministerratstreffen am 26. und 27. November wird vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Deutschen Zentrum fĂŒr Luft- und Raumfahrt (DLR) angefĂŒhrt.
Bei der letzten Runde gab es ein Rekord-Budget
Der Esa-Chef erkennt, die Zeiten seien schwierig. "Die Finanzierung der Budgets durch die Staaten fĂŒr verschiedene AktivitĂ€ten ist immer eine Herausforderung, aber die EntscheidungstrĂ€ger mĂŒssen natĂŒrlich sehen, wo sie am besten investieren", sagt Aschbach unter anderem mit Blick auf die Haushaltssituation einiger Esa-Mitgliedsstaaten.
Rund 17 Milliarden Euro umfasste das letzte Drei-Jahres-Budget - und dies sei im Vergleich zum vorherigen Budget ein Plus von 17 Prozent gewesen, fĂŒhrt Aschbacher aus. Auch damals habe die Bevölkerung vor groĂen Herausforderungen gestanden. Man sei gerade aus der Corona-Pandemie herausgekommen, in der Ukraine herrschte Krieg - und viele LĂ€nder hatten teils eine zweistellige Inflationsrate, zĂ€hlt Aschbacher auf. Trotzdem habe die Raumfahrtbehörde ein Budget von 17 Milliarden Euro bekommen - "ein absoluter Rekord".
Zum Vergleich: "Wir haben eine GröĂe der gesamten Weltraumwirtschaft von etwa 600 Milliarden US-Dollar, die nach SchĂ€tzungen bis 2035 auf etwa 1,8 Billionen US-Dollar anwachsen wird", erlĂ€utert der Esa-Chef. Es gebe aktuell ein Wachstum von etwa zehn Prozent pro Jahr.
Europa könnte ins Hintertreffen geraten
Angesprochen auf ein mögliches AbhÀngen der europÀischen Raumfahrt im internationalen Vergleich, sagt Aschbacher: "Ja, die Gefahr ist durchaus gegeben". Die globalen Ausgaben im Weltraum lagen seinen Angaben zufolge im vergangenen Jahr bei 122 Milliarden Euro - davon 61 Prozent bei der USA, 15 Prozent bei China und 10 Prozent bei Europa.
"Das heiĂt, dass die Gefahr droht, dass Europa mehr und mehr marginalisiert wird, gerade in der Weltraumtechnologie und Weltraumwirtschaft", erlĂ€utert Aschbacher. Dies sei ein "Riesenproblem" nicht nur fĂŒr die Weltraumexperten oder Astronauten, sondern fĂŒr die gesamte Gesellschaft, weil Daten aus dem Weltraum im tĂ€glichen Leben verwendet werden. "Aber wenn wir nicht investieren und diese Exzellenz, die wir heute noch haben, umsetzen in industrielle KapazitĂ€ten, dann werden wir aus dem Markt gedrĂ€ngt."
80 Prozent der Daten fĂŒr tĂ€gliche Wettervorhersagen stammen den Angaben nach von Satelliten. Das Gleiche gelte fĂŒr Klimavorhersagen. "ErdatmosphĂ€re, Ozeane, LandoberflĂ€chen, Polargebiete, die hintereinander interagieren und deshalb voneinander abhĂ€ngig sind", fĂŒhrt Aschbacher aus. Man mĂŒsse den Planeten vermessen, um ihn zu verstehen.
Auch NavigationsgerĂ€te und Telekommunikation seien abhĂ€ngig von Technologie im All. "Weltraumtechnologie ist im tĂ€glichen Leben tief integriert. Und wenn man die Satelliten abschalten wĂŒrde, dann wĂŒrde unser Leben nicht so funktionieren, wie wir es gewohnt sind", betont der Esa-Chef.

