Russland-Experte erwartet keinen raschen Angriff gegen Nato
17.05.2026 - 07:54:45 | dpa.de"Es wÀre unklug, jenen Experten Beachtung zu schenken, die zu Dramatisierungen neigen, ohne das Potenzial Russlands wirklich zu kennen", sagt der Experte im GesprÀch mit der Deutschen Presse-Agentur in Moskau.
In seinem Buch "Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit ĂŒber Putins MilitĂ€rmacht" (Herder) warnt er vor einem fĂŒr den Westen "fatalen RĂŒstungswettlauf". Er plĂ€diert fĂŒr eine Abschreckung mit AugenmaĂ sowie fĂŒr Dialog der EU mit Russland. Der Experte beklagt, dass zahlreiche deutsche Experten in MilitĂ€r- und Sicherheitsfragen der russischen Propaganda von der "zweitstĂ€rksten Armee" der Welt erlegen seien.
Das deutsche Bild beruhe nicht selten auf Fehlwahrnehmungen oder Mythen. "Dies fĂŒhrt zu einer ĂberschĂ€tzung der russischen FĂ€higkeiten und birgt die Gefahr, in eine fatale RĂŒstungsspirale zu geraten, die der Nato keine Vorteile in der Auseinandersetzung mit Russland bringt." Kremlchef Wladimir Putin versuche zwar, mit Waffenschauen und Raketentests, den Eindruck einer vermeintlichen StĂ€rke russischer RĂŒstungsindustrie zu erzeugen. "Doch nichts ist weiter von der RealitĂ€t entfernt", betont Uhl in seinem Buch.
Nato hatte im Kalten Krieg mit "Weniger ist mehr"-Strategie Erfolg
Schon im Kalten Krieg habe sich das einfache AnhĂ€ufen von Panzern und Flugzeugen nicht ausgezahlt. Vielmehr habe die Nato damals mit ihrer "Weniger ist mehr"-Strategie, mit Fortschritt und Technologie gepunktet, sagt Uhl, der 20 Jahre lang in Russland lebte und dort am inzwischen fĂŒr "unerwĂŒnscht" erklĂ€rten Deutschen Historischen Institut in Moskau tĂ€tig war.
"Europa und die USA haben gerade deshalb den Kalten Krieg gewonnen, weil sie ihre LÀnder eben nicht in MilitÀrlager verwandelten", erklÀrt der Experte, der am Max Weber Netzwerk Osteuropa arbeitet. "TatsÀchlich ist es dem Westen bereits einmal gelungen, die Sowjetunion beziehungsweise Russland ohne einen Schuss zu Fall zu bringen." Auch heute sei offensichtlich, dass die "Nato ein schlafender BÀr ist, an dem Russland allenfalls sanft knabbern kann".
Aussagen von Sicherheitsexperten, dass Russland schon 2029 oder sogar 2028 ein Nato-Land ĂŒberfallen könne, hĂ€lt Uhl daher fĂŒr nicht realistisch. Zur Abschreckung Russlands empfiehlt er etwa weitreichende PrĂ€zisionswaffen wie Raketen und Weiterentwicklungen des Taurus-Marschflugkörpers. Sie könnten dann im Fall der FĂ€lle "zielgenau russische MilitĂ€rbasen, FlugplĂ€tze, Depots und Kommandobunker vernichten".
Kremlchef Putin hatte VorwĂŒrfe, er plane nach seiner Invasion in der Ukraine als nĂ€chstes den Angriff auf ein Nato-Land, mehrfach als "Unsinn" bezeichnet.
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