Letzter, Castor

Letzter Castor aus UK - Wie es in Brokdorf weitergeht

14.06.2026 - 17:14:36 | dpa.de

Der letzte Transport mit sieben BehÀltern radioaktiver AbfÀlle aus der britischen Aufarbeitungsanlage Sellafield trifft in den nÀchsten Tagen in Schleswig-Holstein ein.

Im Zwischenlager Brokdorf im Kreis Steinburg laden Mitarbeiter die BehĂ€lter vom Fahrzeug, wie ein Sprecher der zustĂ€ndigen bundeseigenen BGZ Gesellschaft fĂŒr Zwischenlagerung der dpa erklĂ€rte. Anschließend bringen sie die BehĂ€lter an ihren Stellplatz im Lagerbereich. Doch wie lĂ€uft dieser Prozess genau ab?

Nach der Ankunft der BehĂ€lter wird den Angaben nach zunĂ€chst am Transportfahrzeug wie auch an den BehĂ€ltern eine Kontaminationsmessung vorgenommen. Im nĂ€chsten Schritt wird der ĂŒber 100 Tonnen schwere BehĂ€lter mittels eines Krans gehoben, aufgerichtet und in den Wartungsbereich des Zwischenlagers gebracht. WĂ€hrend dort zusĂ€tzliche DichtheitsprĂŒfungen vorgenommen werden, wird oberhalb des sogenannten PrimĂ€rdeckels ein zweiter Deckel montiert.

Der Hohlraum zwischen beiden Deckeln wird mit Helium gefĂŒllt, erklĂ€rte der BGZ-Sprecher. Das Helium ermögliche eine stĂ€ndige Kontrolle: Sinkt der Druck, weist das auf eine nachlassende Dichtungsfunktion hin. Zur zusĂ€tzlichen Abschirmung wird eine Schutzplatte obendrauf gesetzt. Nach weiteren Kontrollen und Messungen werden die BehĂ€lter schließlich auf den finalen Stellplatz im Lagerbereich gebracht und an das Überwachungssystem angeschlossen.

Überreste von Brennelementen aus Deutschland

Das Zwischenlager bietet dem Sprecher zufolge 100 StellplĂ€tze fĂŒr BehĂ€lter. Derzeit lagern dort 76 Castor-BehĂ€lter mit Brennelementen aus dem Kernkraftwerk Brokdorf. Mit der Aufnahme der sieben BehĂ€lter aus Sellafield endet der Einlagerungsbetrieb am Standort. Die dann insgesamt 83 BehĂ€lter bleiben dort, bis sie in ein Endlager abgegeben werden.

Bei dem aus Sellafield eintreffenden AtommĂŒll handelt es sich um Überreste von Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken, die in England aufgearbeitet wurden. Deutschland hat sich völkerrechtlich zur RĂŒcknahme dieses MĂŒlls verpflichtet. Die RĂŒckfĂŒhrung von AtommĂŒll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague war bereits 2024 abgeschlossen worden.

Nicht der erste Transport aus der Wiederaufarbeitung

Bis 2005 wurden laut der BGZ Gesellschaft fĂŒr Zwischenlagerung Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert. Die dabei angefallenen, in Deutschland verursachten hochradioaktiven AbfĂ€lle wurden grĂ¶ĂŸtenteils bereits nach Deutschland zurĂŒcktransportiert.

Bereits im November 2020 brachte man sechs BehĂ€lter aus der britischen Wiederaufarbeitung ins Zwischenlager Biblis in Hessen. Im November 2024 kehrten den Angaben zufolge vier Castor-BehĂ€lter aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich ins Zwischenlager Philippsburg in Baden-WĂŒrttemberg zurĂŒck. Im April 2025 transportierte man sieben BehĂ€lter aus Sellafield ins Zwischenlager Isar nach Bayern.

Insgesamt gibt es 16 Zwischenlager in Deutschland. Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender AtommĂŒll sicher gelagert werden soll, gibt es bisher nicht. Bis Mitte des Jahrhunderts soll ein Standort fĂŒr das Endlager hochradioaktiver AbfĂ€lle bestimmt werden, heißt es von der BGZ Gesellschaft fĂŒr Zwischenlagerung.

BĂŒndnis kĂŒndigte Protestaktionen gegen Transport an

Das Schiff mit den verbleibenden Castor-BehĂ€ltern aus dem britischen Sellafield stach am Mittwochabend in See, wie ein Sprecher der Gesellschaft fĂŒr Nuklear-Service (GNS) mitteilte. In welchem Hafen das Schiff anlegt und auf welcher Route die BehĂ€lter den Weg ins Zwischenlager Brokdorf finden, ist nicht bekannt.

Das BĂŒndnis "Castor-Stoppen" kĂŒndigte fĂŒr kommenden Mittwoch (17. Juni) eine Mahnwache am S-Bahnhof Hamburg-Barmbek an. Auch an anderen Orten entlang einer möglichen Transportstrecke und am Kernkraftwerk BrunsbĂŒttel seien Protestaktionen geplant. "Solange fĂŒr den bisher entstandenen AtommĂŒll keinerlei tragfĂ€higes Konzept zur dauerhaften Lagerung existiert, mĂŒssen Atomtransporte unterbleiben", erklĂ€rte eine Sprecherin des BĂŒndnisses.

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