Daimler Truck enttÀuscht mit AuftrÀgen - Aktie fÀllt vom Rekordhoch ab
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 10:50 Uhr | dpa.deWĂ€hrend sich die Aussichten fĂŒr das wichtige NordamerikageschĂ€ft mit der Anerkennung von US-Wertschöpfungsanteilen durch die US-Behörden im Zollstreit deutlich verbessert haben, blieb das Auftragsplus insgesamt gegenĂŒber dem schwachen Vorjahresquartal laut Experten verhalten. Unter dem Strich musste der Dax DE0008469008-Konzern im fortgefĂŒhrten GeschĂ€ft im Quartal Federn lassen, weil die Zölle nach Angaben von Konzernchefin Karin Radström vom Freitag schwerer auf dem GeschĂ€ft lasteten als ein Jahr zuvor. Derweil soll sich die ProfitabilitĂ€t nun wieder deutlich erholen. Die Aktie fiel jedoch weiter von ihrem kĂŒrzlich erreichten Rekordhoch zurĂŒck.
Das Papier verlor zuletzt 4,2 Prozent auf 46,05 Euro. Damit steht im laufenden Jahr noch immer ein Plus von rund einem Viertel zu Buche. Nach steiler Kursrally gegen Ende Juli hatten die Papiere des Lastwagenbauers zum Wochenbeginn mit knapp ĂŒber 50 Euro ihren höchsten Stand seit der Abspaltung von Mercedes-Benz DE0007100000 im Dezember 2021 erreicht. Ein HĂ€ndler sagte, der Auftragseingang dĂŒrfte zunĂ€chst belasten. Analyst Michael Aspinall von der US-Investmentbank Jefferies verwies auf einen RĂŒckgang der AuftrĂ€ge bei der vor allem in Europa und Lateinamerika starken Lkw-Marke Mercedes-Benz Trucks. FĂŒr Nick Housden von der kanadischen Bank RBC waren auch die Bestellungen in Nordamerika enttĂ€uschend.
Insgesamt gingen Bestellungen fĂŒr 74.448 Fahrzeuge ein, das waren 27 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wegen der Zollkapriolen von US-PrĂ€sident Donald Trump hatten Spediteure vor einem Jahr in Nordamerika kaum noch Lkw bestellt. Dort zog der Auftragseingang nun auf mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts an. Nordamerika ist mit den Marken Freightliner und Western Star der lukrativste Markt fĂŒr den Konzern. Bei der Heimatmarke Mercedes-Benz Trucks hingegen gingen die Bestellungen um 11 Prozent zurĂŒck.
Weil es nach der Anerkennung von US-Wertschöpfungsanteilen im Zollstreit durch die US-Behörden im zweiten Halbjahr auch insgesamt wieder besser laufen soll, hatte Daimler Truck schon vor gut zwei Wochen die Konzernprognose erhöht. Diese bestÀtigte Chefin Radström nun. Die positive Dynamik des zweiten Quartals sollte im dritten Jahresviertel noch deutlich zunehmen, hieà es vom Konzern.
In der Nordamerikasparte rechnen die Schwaben im laufenden dritten Quartal mit einer operativen Gewinnmarge von 11 bis 13 Prozent nach 8,4 Prozent im zweiten Quartal. Bei Mercedes-Benz Trucks dĂŒrfte sie zwischen 6 und 7 Prozent liegen nach 6,0 Prozent im Zeitraum von April bis Juni.
Am Vorabend prÀsentierte der Konzern zudem die Entscheidung zum Bau einer neuen US-Fabrik, nachdem die vergleichsweise kleine Fertigung am Stammsitz in Portland (Oregon) mit 317 Mitarbeitenden wegen geringer Effizienz geschlossen wird. Zur Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der Zollentscheidung der US-Behörden und dem Bau der neuen Fabrik wollte Finanzchefin Eva Scherer in einer Analystenkonferenz keine Angaben machen. Chefin Radström sagte in einer Konferenz mit Journalisten, der Konzern baue das Werk nicht, um Zölle zu vermeiden.
Das neue Werk solle das gröĂte des Konzerns in den USA werden, sagte Scherer. Konkret wurde das Unternehmen in Bezug auf ProduktionskapazitĂ€t und Investitionssumme nicht. Start der Fahrzeugproduktion von Spezial- und Fernverkehrs-Lkw im neuen Werk soll 2029 sein, der Bau des Werkes selbst soll noch Ende dieses Jahres beginnen. Ein Standort wird allerdings noch gesucht. Tausende ArbeitsplĂ€tze in dem Werk sind vorgesehen. In den USA hat der Konzern nach dem Aus fĂŒr Portland fĂŒnf Fertigungsstandorte in den Bundesstaaten North und South Carolina. ZusĂ€tzlich produziert Daimler Truck Fahrzeuge in Mexiko.
Der Umsatz im IndustriegeschĂ€ft - also ohne Finanzdienstleistungen gerechnet - war wie bereits bekannt im zweiten Quartal um 6 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro gestiegen, doch die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern in dem Bereich ging um 2,4 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent zurĂŒck. Unter dem Strich musste der Konzern im fortgefĂŒhrten GeschĂ€ft ebenfalls Abstriche machen. Das Konzernergebnis fiel um fast die HĂ€lfte auf 128 Millionen Euro.
Allerdings rechnete sich Daimler Truck wegen der Einbringung des asiatischen GeschĂ€fts auĂerhalb von China in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Toyota JP3633400001-Tochter Hino einen hohen Bewertungsgewinn ein. Inklusive der Gewinne aus nicht fortgefĂŒhrten GeschĂ€ften und nach dem Abzug von Minderheitsanteilen stieg der Nettogewinn daher von 277 Millionen Euro auf 1,46 Milliarden Euro. Der Anteilsverkauf am AsiengeschĂ€ft sorgte auch fĂŒr einen hohen Mittelzufluss in die Kasse der Schwaben.
