DIW-Chef: 'Stadtbild'-Aussage von Merz schadet Wirtschaft
22.10.2025 - 09:07:57"Seine jĂŒngsten ĂuĂerungen verschĂ€rfen die gesellschaftliche Polarisierung und richten einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden an", sagte der Top-Ăkonom dem "Handelsblatt". "Die Botschaft des Bundeskanzlers schwĂ€cht die Willkommenskultur Deutschlands und wird den FachkrĂ€ftemangel in Deutschland in den kommenden Jahren verschĂ€rfen."
Merz hatte die Themen Stadtbild, Migration und Abschiebepolitik in eine Verbindung gebracht und am Montag betont, er habe hierbei nichts zurĂŒckzunehmen. Fratzscher sagte: "Der Bundeskanzler scheint ein Problem darin zu sehen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und dass das Stadtbild daher natĂŒrlich von Menschen mit Migrationsgeschichte geprĂ€gt ist."
IW fordert sachlichere Debatte
Merz hatte vergangene Woche gesagt, dass die Bundesregierung frĂŒhere VersĂ€umnisse in der Migrationspolitik korrigiere und Fortschritte mache. "Aber wir haben natĂŒrlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr groĂem Umfang auch RĂŒckfĂŒhrungen zu ermöglichen und durchzufĂŒhren." An dem Satz gab es viel Kritik - auch vom Koalitionspartner SPD und teils aus den eigenen Reihen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mahnte angesichts der hitzigen Diskussion zu mehr Differenzierung. "Man kann nicht oft genug darauf hinweisen: In der Migrationsdebatte wird zu wenig getrennt zwischen der FachkrĂ€ftezuwanderung einerseits und Menschen, die aus humanitĂ€ren oder sonstigen GrĂŒnden nach Deutschland kommen", sagte der Leiter des IW-HauptstadtbĂŒros, Knut Bergmann, dem "Handelsblatt". Dass Deutschland ökonomisch die Zuwanderung von FachkrĂ€ften benötige, sei unstrittig.

