Smotrich kippt Hebron-Abkommen - Abbas warnt vor Eskalation
16.06.2026 - 14:32:56 | dpa.de"Ich habe das Hebron-Abkommen aufgehoben", schrieb Smotrich in einem Post auf der Plattform X.
Dies bedeute, dass zahlreiche Befugnisse, die in der geteilten Stadt Hebron im Westjordanland und an den dortigen heiligen StĂ€tten - darunter auch die PatriarchengrĂ€ber - nicht lĂ€nger bei der palĂ€stinensischen Stadtverwaltung von Hebron lĂ€gen, "sondern wieder vollstĂ€ndig in die Verantwortung des Staates Israel zurĂŒckkehren", schrieb Smotrich. Dies sei eine "historische Korrektur". Man setze die "Revolution" zur Legalisierung der israelischen Siedlungen und der "Vertiefung der israelischen SouverĂ€nitĂ€t" im Westjordanland fort.
Abbas warnt vor "schwerwiegenden Folgen"
PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas warnte nach Angaben der palĂ€stinensischen Nachrichtenagentur Wafa vor "schwerwiegenden Folgen" der Entscheidung. Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, unverzĂŒglich einzugreifen und die israelischen Behörden dazu zu bewegen, die "Ă€uĂerst gefĂ€hrliche" Entscheidung rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Der Schritt untergrabe die BemĂŒhungen um eine friedliche Beilegung des Konflikts zwischen Israel und den PalĂ€stinensern im Rahmen einer Zweistaatenlösung.
Die islamistische Terrororganisation Hamas nannte Smotrichs Entscheidung eine "beispiellose politische und militĂ€rische Eskalation", die darauf abziele, die Besatzung des Westjordanlands zu vertiefen. Die Organisation rief die PalĂ€stinenser in einer Stellungnahme auf, "alle Formen des Widerstands" im Kampf gegen die MaĂnahmen zu verstĂ€rken.
Die israelische Organisation Peace Now kritisierte die Entscheidung als "gefÀhrlichen und verantwortungslosen Schritt eines gescheiterten Politikers". Im regionalen Krieg sei die Regierung "an allen Fronten gescheitert" und nun versuche "der Brandstifter Smotrich, das besetzte Westjordanland in Flammen zu setzen".
Abkommen regelte Teilung der Stadt
Das Hebron-Abkommen war 1997 unter der VorgĂ€nger-Regierung von Benjamin Netanjahu vereinbart worden, der damals ebenfalls MinisterprĂ€sident war. Es sah unter anderem die Teilung der Stadt vor. Danach kontrollierte Israel weiterhin ein FĂŒnftel der Stadt, um mehrere hundert zumeist radikale jĂŒdische Siedler zu schĂŒtzen. Insgesamt leben in der Stadt nach SchĂ€tzungen rund 200.000 PalĂ€stinenser.
Die PatriarchengrĂ€ber in Hebron sollen sich der Ăberlieferung nach an jener Stelle befinden, wo Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob und Lea begraben worden sind. Der Ort ist Juden, Christen und Muslimen heilig. Die religiöse StĂ€tte ist geteilt in eine Synagoge und eine Moschee. Die Synagoge untersteht israelischer Verwaltung.
Befugnisse gehen an israelische Behörden
Das israelische Nachrichtenportal "ynet" schrieb, fast drei Jahrzehnte lang hĂ€tten bestimmte Planungs- und BaumaĂnahmen im jĂŒdischen Teil Hebrons sowie an den nahegelegenen heiligen StĂ€tten der Zustimmung der Stadtverwaltung von Hebron oder einer besonderen politischen Genehmigung bedurft. Smotrichs neue Entscheidung ĂŒbertrage diese Befugnisse auf israelische Planungsbehörden.
Nach Angaben von Regierungsvertretern bedeutet der Schritt auĂerdem, dass die Stadtverwaltung von Hebron bestimmte kommunale Dienstleistungen fĂŒr das jĂŒdische Viertel nicht lĂ€nger erbringen werde, darunter die MĂŒllabfuhr oder die Erteilung von Baugenehmigungen. Stattdessen sollen dort kĂŒnftig israelische Behörden und das MilitĂ€r die volle Verantwortung ĂŒbernehmen.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen PalĂ€stinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.
