ROUNDUP, Evonik

Evonik baut bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen ab - Kurs unter Druck

18.06.2026 - 11:26:02 | dpa.de

Der Spezialchemiekonzern Evonik DE000EVNK013 weitet den Konzernumbau mit einem weiteren Stellenabbau noch einmal aus.

"Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach", sagte Vorstandschef Christian Kullmann am Donnerstag laut Mitteilung. Zugleich werde der internationale Wettbewerb immer hÀrter.

Die Aktie weitete die Kursverluste aus. Zuletzt fiel das Papier um rund drei Prozent. Seit Jahresanfang steht zwar noch ein Kursplus von knapp 15 Prozent, aber der Anteilsschein hat innerhalb eines Jahres fast 17 Prozent an Wert verloren.

Vorstand und Sozialpartner hĂ€tten sich auf Maßnahmen verstĂ€ndigt, die sĂ€mtliche GeschĂ€fts- und Verwaltungseinheiten weltweit einbeziehen wĂŒrden, teilte der MDax DE0008467416-Konzern in Essen mit. Dazu zĂ€hlt auch ein weiterer Stellenabbau. Von 2027 bis Ende 2029 sollen insgesamt 3.200 Stellen wegfallen, davon 2.150 in Deutschland.

Evonik sieht dafĂŒr erhebliches Potenzial durch gesteigerte Effizienz, Digitalisierung und Outsourcing. Zudem sollen Optionen fĂŒr eine Verlagerung von Verwaltungsteilen ins Ausland geprĂŒft werden. Bis Ende 2026 sollen bereits durch laufende Spar- und Effizienzprogramme rund 2.800 Stellen wegfallen.

"Der Stellenabbau wird auch kĂŒnftig sozialvertrĂ€glich gestaltet", sagte Personalvorstand Thomas Wessel. Die Details dazu sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Per Ende MĂ€rz 2026 beschĂ€ftigte Evonik mit 30.643 Mitarbeiter mehr als 900 weniger als ein Jahr zuvor.

Zudem kĂŒndigte der Chemiekonzern an, das Polyester-GeschĂ€ft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro einzustellen. Das GeschĂ€ftsfeld sei seit Jahren nicht mehr profitabel, hieß es. Der Standort Witten mit 266 BeschĂ€ftigten werde 2027 geschlossen. Am Standort Marl sollen 45 Stellen wegfallen, in der Produktionsanlage im chinesischen Shanghai 35 Stellen.

Evonik-Chef Kullmann baut den Konzern schon seit Jahren um, um ihn robuster aufzustellen und um in zukunftstrĂ€chtigere GeschĂ€ftsfelder zu expandieren. Von MassengeschĂ€ften verabschieden sich die Essener, weitere VerkĂ€ufe stehen noch an. So strebt Evonik die Trennung vom GeschĂ€ft mit Standardchemikalien der Sparte Performance Materials an, zu der neben dem bereits verkauften Superabsorber-Bereich auch der C4-Verbund rund um petrochemische ZusĂ€tze fĂŒr Kautschuk, Kunststoffe und Spezialchemikalien zĂ€hlt.

Um die KomplexitĂ€t zu reduzieren und die Hierarchien flacher zu gestalten, bĂŒndelte Evonik die ChemiegeschĂ€fte in die zwei Sparten Custom Solutions und Advanced Technologies. Der Umbau wirkte sich auch auf den Vorstand aus - und auf das Management. Die beiden tragenden SĂ€ulen von Evonik ĂŒbernahmen im Vorstand vor gut einem Jahr die Amerikanerin Lauren Kjeldsen und die Französin Claudine Mollenkopf.

Das Segment Custom Solutions stellt etwa Produkte fĂŒr die Kosmetik- und Pharmaindustrie her. Der Bereich soll auch in NischenmĂ€rkten aktiv sein und dort Lösungen fĂŒr Kunden entwickeln. Im Segment Advanced Technologies werden unter anderem Hochleistungskunststoffe und Wasserstoffperoxid sowie ErgĂ€nzungsmittel fĂŒr die Tier-Nahrung produziert.

de | boerse | 69571353 |