ROUNDUP, SteuerschÀtzung

SteuerschĂ€tzung: Keine Entlastung fĂŒr Klingbeils Haushalte

23.10.2025 - 11:21:04 | dpa.de

Der Staat kann in den nÀchsten Jahren mit etwas mehr Steuereinnahmen rechnen - die Haushaltssorgen von Finanzminister Lars Klingbeil sind deshalb aber lange nicht aus der Welt.

Denn betrachtet man den Bund allein, kommt nach Prognose der SteuerschÀtzer bis 2029 nur exakt genauso viel rein wie im Mai angenommen - der Vizekanzler kann also nicht mit zusÀtzlichem Geld planen.

"Der Konsolidierungsdruck im Bundeshaushalt bleibt hoch", sagte Klingbeil. "Wir werden mit Blick auf die HaushaltslĂŒcken ab 2027 weiterhin einen strikten Konsolidierungskurs fahren: Alle Ministerien bleiben gefordert, Einsparungen vorzunehmen."

Der SPD-Chef steht vor einer Mammutaufgabe: Er muss seinen Kabinettskollegen klarmachen, dass sie trotz einmaliger SchuldenspielrĂ€ume kein Geld fĂŒr Wunschprojekte haben. Denn in Klingbeils Planung fĂŒr die Jahre 2027 bis 2029 fehlen 172 Milliarden Euro. Es ist die grĂ¶ĂŸte HaushaltslĂŒcke, die es in der Geschichte der Bundesrepublik je gab - grĂ¶ĂŸer als zu Zeiten der Wiedervereinigung, der Finanz- oder der Coronakrise. Und das, obwohl Klingbeil in den nĂ€chsten Jahren in bestimmten Bereichen fast unbegrenzt Kredite aufnehmen darf.

Das sagen die SchÀtzer genau voraus

Die SteuerschĂ€tzer, das sind Experten der Bundesregierung, der fĂŒhrenden Wirtschaftsforschungsinstitute, des Statistischen Bundesamts, der Bundesbank, des SachverstĂ€ndigenrats sowie der LĂ€nder und Kommunen. Sie sagen zweimal im Jahr voraus, wie sich die Steuereinnahmen von Bund, LĂ€ndern und Kommunen entwickeln.

FĂŒr das kommende Jahr erwarten sie fĂŒr den Gesamtstaat 10,6 Milliarden Euro mehr Einnahmen als noch im Mai. Bis einschließlich 2029 sollen 33,6 Milliarden mehr hereinkommen. Vor allem profitieren davon allerdings LĂ€nder und Kommunen. Der Bund kann fĂŒr das kommende Jahr zwar noch mit 4,9 Milliarden Euro Zusatzeinnahmen rechnen. FĂŒr 2028 und 2029 ist dafĂŒr dann aber deutlich weniger vorhergesagt als bisher gedacht. "Der Bund trĂ€gt ganz ĂŒberwiegend die Kosten des Wachstumsboosters, mit dem wir die Wirtschaft ankurbeln. Deshalb profitiert der Bund wenig von zusĂ€tzlichen Steuereinnahmen", erlĂ€uterte Klingbeil.

Warum die Prognose so ausfÀllt

Dass es insgesamt einigermaßen positiv aussieht, liegt vor allem an den Konjunkturerwartungen. Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Wirtschaft nach jahrelanger Flaute erst einmal wieder anzieht und ihre UnterstĂŒtzungsmaßnahmen wirken. Das sind zum Beispiel großzĂŒgigere Abschreibungsregeln fĂŒr Firmen, die in Deutschland investieren. Auch die geplanten Investitionen aus dem schuldenfinanzierten Milliarden-Sondervermögen sollen die Wirtschaft ankurbeln. Eine bessere Konjunktur bedeutet automatisch höhere Steuereinnahmen. Allerdings ist die Langfrist-Erwartung offenbar nicht so positiv.

Was das fĂŒr Klingbeils Haushalt bedeutet

Mit diesen Zahlen muss der Finanzminister seine Etatplanung machen. Der Haushalt fĂŒr das kommende Jahr ist schon mehr oder weniger unter Dach und Fach: Aktuell beraten die AusschĂŒsse des Bundestags, Ende November soll er beschlossen werden.

Übergroße LĂŒcken gibt es nicht. Eventuell könnte der Spielraum noch etwas grĂ¶ĂŸer werden, wenn Klingbeil Ausgabenreste von diesem Jahr ins nĂ€chste rĂŒber retten kann. Denn aus dem nur drei Monate geltenden Haushalt 2025 dĂŒrften einige Milliarden ĂŒbrigbleiben, weil die Ministerien es nicht schaffen, das Geld rechtzeitig auszugeben.

Warum es weiter enormen Spardruck gibt

Das liegt vor allem an den Problemhaushalten 2027 bis 2029. Denn Klingbeil hat zwar neue SchuldenspielrĂ€ume und plant in dieser Wahlperiode neue Kredite von mehr als 860 Milliarden Euro. Aber die neuen Möglichkeiten gelten nur fĂŒr die Verteidigung und zusĂ€tzliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz. Im ĂŒbrigen Kernhaushalt gilt weiter die Schuldenbremse. Das heißt: Die Ausgaben dĂŒrfen die Einnahmen nur wenig ĂŒberschreiten.

In Klingbeils Finanzplanung tun sie das aber deutlich: FĂŒr 2027 stand bisher eine LĂŒcke von 34,2 Milliarden Euro zu Buche. Hier bringt die SteuerschĂ€tzung jetzt eine Mini-Entlastung von einer Milliarde Euro.

FĂŒr den Rest der Legislaturperiode sieht es nach der SteuerschĂ€tzung noch dĂŒsterer aus - die Einnahmen liegen unter den bisherigen Erwartungen. Dazu kommt, dass der schuldenfinanzierte Sondertopf fĂŒr die Bundeswehr aufgebraucht sein dĂŒrfte und Schulden aus der Corona-Zeit zurĂŒckgezahlt werden mĂŒssen.

Welche Ideen die Koalition hat

FĂŒr 2027 wollen die Chefs der Koalitionsparteien - neben Klingbeil also Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) - "um den Jahreswechsel" ein Sparpaket vorlegen. Aktuell werden Ideen gesammelt. Möglich sind KĂŒrzungen von Subventionen und Förderprogrammen, debattiert wird auch eine höhere Erbschaftsteuer, deren Einnahmen allerdings an die LĂ€nder fließen.

Klingbeil sagte in der ARD-Sendung "Caren Miosga": "Wir werden beim Sozialstaat was tun mĂŒssen, bei Pflege, bei Rente bei Gesundheit." Aber es werde nur dann funktionieren, wenn man sich traue, "bei denen, die viel Geld in diesem Land haben, auch da ranzugehen".

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