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Varta greift zum Strohhalm - AktionÀre sollen leer ausgehen

22.07.2024 - 10:01:58

Der stark angeschlagene Batteriekonzern Varta DE000A0TGJ55 will beim Kampf um das Überleben die Alt-AktionĂ€re aus dem Unternehmen drĂ€ngen.

Zudem sollen GlĂ€ubiger auf einen Großteil ihres Gelds und ihrer AnsprĂŒche verzichten - unter diesen formiert sich bereits Widerstand gegen die PlĂ€ne des Unternehmens. Varta kĂŒndigte am Sonntagabend in Ellwangen an, kurzfristig beim zustĂ€ndigen Amtsgericht Stuttgart ein Restrukturierungsvorhaben nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) anzuzeigen. Damit solle eine mögliche Insolvenz von Varta nachhaltig abgewendet werden. Die Aktie verlor am Montag bis zu rund 80 Prozent an Wert.

"Die neuesten Entwicklungen verschlechtern die Situation fĂŒr AktionĂ€re nochmals deutlich", kommentierte Analyst Michael Punzet von der DZ Bank. "Die angestrebte finanzielle Neuaufstellung der Varta AG geht deutlich zulasten der bestehenden AktionĂ€re und GlĂ€ubiger." Der Experte senkte den fairen Wert der Aktien von 8 Euro auf 0 Euro.

Varta ist schon lĂ€nger schwer angeschlagen. Das einst brummende GeschĂ€ft mit wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Knopfzellen unter anderem fĂŒr damals boomende kabellose Kopfhörer musste wegen zurĂŒckhaltender Verbraucher und Konkurrenz aus Asien schwere DĂ€mpfer einstecken. Das GeschĂ€ft mit Wallboxen zum Speichern von Strom unter anderem fĂŒr das Aufladen von Elektroautos kam zudem nicht recht in Schwung. Der Aktienkurs ist schon lĂ€nger auf Talfahrt.

So wurde Varta 2017 fĂŒr 17,50 Euro an die Börse gebracht und war lange Zeit gefragt. Anfang 2021 war der Kurs bis auf 181,30 Euro gestiegen. Seither geht es aber nach unten. Am Montag kosteten die Papiere zuletzt nur noch 3,65 Euro. Der Börsenwert des Unternehmens lag damit bei noch rund 155 Millionen Euro. Etwas mehr als die HĂ€lfte der Aktien sind im Eigentum von Montana Tech Components, die wiederum dem Aufsichtsratschef Michael Tojner gehört.

WĂ€hrend die Mitteilung vom Sonntag die Sicherung von ArbeitsplĂ€tzen und den Schutz von GlĂ€ubigerinteressen hervorhob, enthielt sie fĂŒr die bisherigen AktionĂ€re eine bittere Nachricht: Beide der Gesellschaft vorliegenden RestrukturierungsvorschlĂ€ge sehen eine vereinfachte Herabsetzung des Grundkapitals der Gesellschaft auf null Euro verbunden mit einer anschließenden Kapitalerhöhung mit Bezugsrechtsausschluss und unter Ausgabe neuer Aktien vor.

Da die bestehenden Anteilseigner dem entschĂ€digungslosen Verlust ihres gesamten Aktienpakets und dem vollstĂ€ndigen HerausdrĂ€ngen aus dem Unternehmen nach EinschĂ€tzung von Varta kaum mit der erforderlichen Mehrheit von 75 Prozent des anwesenden Grundkapitals zustimmen dĂŒrften, soll das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) zum Tragen kommen.

Dieses sieht vor, dass einzelne AktionĂ€re oder GlĂ€ubiger keine Rechte mehr haben, um ein operativ lebensfĂ€higes Unternehmen nicht im Bestand zu gefĂ€hrden. Dabei soll auch ein Schuldenschnitt vorgenommen werden, dem die GlĂ€ubiger laut Mitteilung aber nur zustimmen wĂŒrden, wenn das Eigenkapital auf null herabgesetzt wird.

Varta habe einen finanziellen Bedarf im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Zur Deckung sei auch die Beteiligung von FinanzglĂ€ubigern und Investoren vorgesehen. Hierzu liefen aktuell Verhandlungen unter anderem mit dem bisherigen MehrheitseigentĂŒmer Michael Tojner, der auch Aufsichtratschef ist, und dem Sportwagenbauer Porsche AG DE000PAG9113, der zum Volkswagen-Konzern DE0007664039 gehört. Dieser hatte erst zu Monatsanfang mitgeteilt, Varta das GeschĂ€ft fĂŒr Elektroautobatterien abkaufen zu wollen.

Große GlĂ€ubiger sehen den heute skizzierten Plan nach Informationen aus Finanzkreisen skeptisch, da sie von der geplanten Kapitalerhöhung ausgeschlossen wĂŒrden. Die Möglichkeit, nach dem Kapitalschnitt frisches Geld zu geben und damit weiter am Unternehmen beteiligt zu sein, bliebe dem bisherigen MehrheitsaktionĂ€r und Porsche vorbehalten. Diese widerspreche einer fairen Gleichbehandlung.

Das ist nach EinschĂ€tzung großer GlĂ€ubiger allerdings eine Voraussetzung, damit das StaRUG-Verfahren ĂŒberhaupt Chancen auf Erfolg habe. Den Kreise-Informationen zufolge wurden die von den großen GlĂ€ubigern gemachten VorschlĂ€ge, die bereits seit einiger Zeit vorliegen, bisher nicht ausreichend gewĂŒrdigt. Und dies, obwohl Varta-Chef Michael Ostermann in einem GesprĂ€ch mit der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag beteuerte, beide VorschlĂ€ge zum Wohle von Varta prĂŒfen zu wollen.

Bei den Verbindlichkeiten, die Varta großen institutionellen Kreditgebern wie Banken und Hedge-Fonds schuldet, geht es dem Vernehmen nach um einen Konsortialkredit und Schuldscheine in der Summe von knapp einer halben Milliarde Euro. GlĂ€ubigervertreter setzen daher darauf, enger in die geplanten Rettungsschritte eingebunden zu werden.

@ dpa.de | DE0007664039 FINANZIERUNG/INVESTITIONEN