Selenskyj erhÀlt US-Friedensplan - Kritik in EU
20.11.2025 - 19:01:34Er traf sich in Kiew nach Medienberichten mit einer US-Delegation.
"Im Ergebnis des heutigen Treffens haben wir vereinbart, an den Punkten des Plans so zu arbeiten, dass dies zu einem wĂŒrdigen Ende des Krieges fĂŒhrt", teilte das PrĂ€sidentenbĂŒro bei Telegram mit. Die Ukraine strebe seit Kriegsbeginn Frieden an und werde jeden inhaltlichen Vorschlag unterstĂŒtzen, der einen "realen Frieden" nĂ€her bringt.
Selenskyj will bald mit Trump telefonieren
Seit Jahresbeginn habe Kiew die VorschlĂ€ge von US-PrĂ€sident Donald Trump unterstĂŒtzt. "Wir sind auch jetzt bereit, mit der amerikanischen Seite und unseren Partnern in Europa und der Welt konstruktiv zu arbeiten, damit es im Ergebnis zu Frieden kommt", hieĂ es. Selenskyj hoffe zudem auf ein baldiges GesprĂ€ch mit Trump fĂŒr eine Diskussion der Hauptpunkte. Details des Plans wurden nicht genannt.
Tags zuvor war ĂŒber Medien in den USA und GroĂbritannien bekanntgeworden, dass Washington einen angeblich 28 Punkte umfassenden Plan fĂŒr ein Ende des seit Februar 2022 andauernden russisch-ukrainischen Krieges ausgearbeitet habe. Inhaltlich soll sich dieser vor allem an russischen Positionen orientieren. Eine Ablehnung durch Kiew gilt daher als wahrscheinlich.
EU fordert Beteiligung an Verhandlungen
Die EU forderte nach diesen Berichten eine Beteiligung an Verhandlungen. "Damit irgendein Plan funktioniert, braucht es die Ukraine und die EuropĂ€er an Bord", sagte die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas in BrĂŒssel. Auch BundesauĂenminister Johann Wadephul (CDU) verlangte eine Einbeziehung der EU und der Ukraine. Zuvor hatte US-AuĂenminister Marco Rubio erklĂ€rt, dass an einer "Liste möglicher Ideen" gearbeitet werde. Er bestĂ€tigte dabei nicht, dass es einen fertigen Plan gebe.
Rubio rief beide Kriegsparteien zu ZugestĂ€ndnissen fĂŒr eine Lösung in dem Konflikt auf. "Um einen komplexen und tödlichen Krieg wie den in der Ukraine zu beenden, ist ein umfassender Austausch ernsthafter und realistischer Ideen erforderlich", schrieb Rubio in seinem persönlichen Account bei X.
Ein dauerhafter Frieden verlange von beiden Seiten - also Russland und der Ukraine -, dass sie "schwierigen, aber notwendigen Konzessionen zustimmen", schrieb Rubio in dem Post, den er nicht auf den offiziellen Accounts der Regierung veröffentlichte. "Deshalb erstellen wir derzeit eine Liste mit möglichen Ideen zur Beendigung dieses Krieges, die auf BeitrÀgen beider Konfliktparteien basiert, und werden diese Liste auch weiterentwickeln."
Kritik an russischen Maximalforderungen
An einzelnen Punkten des angeblichen Plans, ĂŒber den in Teilen bislang nur Medien berichtet haben, gab es Kritik. BemĂ€ngelt wird eine Dominanz der bisherigen russischen Maximalforderungen.
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) warnte davor, dass Kremlchef Wladimir Putin "damit Kriegsziele erreichen könnte, die er auf dem Schlachtfeld nicht erreicht hat". "Und das wĂ€re sicherlich ein Ergebnis, das nicht akzeptabel wĂ€re", sagte Frei in der Sendung "FrĂŒhstart" von RTL/ntv.
Laut den Medienberichten soll die Ukraine etwa Gebiete an Russland abtreten - in den Regionen Donezk und Luhansk -, die Moskau bisher nicht komplett militĂ€risch kontrolliert. Das hatte die ukrainische Regierung bislang kategorisch abgelehnt. Auch die EU weist immer wieder darauf hin, dass sie keine gewaltsame Verschiebung von Grenzen akzeptieren werde. Den Berichten zu dem angeblichen Friedensplan nach soll die Ukraine im Gegenzug Sicherheitsgarantien erhalten - zum Schutz vor einer kĂŒnftigen russischen Aggression.
Wadephul: Ukraine muss SouverÀnitÀt wahren
"Wir alle sehen, dass Russland in einem MaĂ aufrĂŒstet, dass man sich berechtigterweise in Europa die Frage stellen muss, zu welchem Zwecke geschieht das", sagte AuĂenminister Wadephul in BrĂŒssel vor dem Treffen der EU-AuĂenministerinnen und -minister. "Es muss klar sein, dass die Ukraine ihre SouverĂ€nitĂ€t wahren kann, in welchem territorialen Umfang auch immer."
Die britische Regierung teilte mit, dass nur die Ukraine selbst ihre Zukunft entscheiden könne. Zugleich teile London das Streben von US-PrĂ€sident Trump, "den barbarischen Krieg" zu beenden, sagte ein Regierungssprecher. In der Zwischenzeit unterstĂŒtze GroĂbritannien die Ukraine auch militĂ€risch.
Ukraine sieht sich unter Druck
Trump hatte Russland und die Ukraine immer wieder zu einem Ende der Kampfhandlungen aufgefordert und beide Kriegsparteien auch kritisiert. Nun steht erneut besonders der ukrainische PrĂ€sident unter Druck - nicht nur wegen des VorrĂŒckens der russischen Truppen im Osten des Landes, sondern auch wegen eines Korruptionsskandals, der bis in die Regierung des in die EU strebenden Landes reicht.
Die US-Vertreter wĂŒrden Druck auf Selenskyj ausĂŒben, dem von den USA und Russland ausgearbeiteten Friedensplan zuzustimmen, berichtete das Nachrichtenportal "RBK-Ukraina" unter Berufung auf eine nicht nĂ€her genannte Quelle. Vorgesehen ist demnach auch, dass die Ukraine auf einen Nato-Beitritt verzichtet, eine Amnestie fĂŒr Kriegsverbrecher und die RĂŒckkehr Russlands in die Weltwirtschaft akzeptiert. Das bisherige Ziel der Ukraine ist dagegen, neben dem militĂ€rischen Druck durch westliche Waffenhilfe Russland auch immer weiter mit Sanktionen unter Druck zu setzen, damit es wirtschaftlich kĂŒnftig nicht mehr in der Lage ist, den Krieg fortzusetzen.
Kreml: Keine russisch-amerikanischen Konsultationen
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte zu den Berichten am Donnerstag wie schon am Tag davor, dass es nichts Neues gebe. Russland bleibt demnach bei seinen bisherigen Forderungen, die Putin auch beim Treffen mit Trump im August in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska dargelegt hat. Es gebe zwar weiter Kontakte zwischen Moskau und Washington, aber aktuell keine russisch-amerikanischen Konsultationen zur Ukraine, sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Russland begrĂŒĂt seit langem, dass Trump sich fĂŒr eine Beendigung des Krieges in der Ukraine einsetzt.

