Frieden fĂŒr die Ukraine? Selenskyj trifft EuropĂ€er in London
08.12.2025 - 06:35:03An den Beratungen ĂŒber den aktuellen Stand des US-Friedensplans zur Beendigung des russischen Angriffskrieges in der Ukraine werden auch der britische Premierminister Keir Starmer und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron teilnehmen. "Die EuropĂ€er werden notwendigerweise eine tragende SĂ€ule der gerechten und dauerhaften Lösung sein, die wir gemeinsam aufbauen", schrieb Macron vorab auf der Plattform X.
UnterhĂ€ndler der USA und der Ukraine hatten bis Samstag im US-Bundesstaat Florida drei Tage lang ĂŒber eine neue Fassung des Friedensplans verhandelt, dessen ursprĂŒngliche Version vielfach als "russische Wunschliste" kritisiert worden war. Selenskyj schaltete sich nach eigenen Angaben zum Abschluss der GesprĂ€che dazu. Er nannte den Austausch konzentriert und konstruktiv.
Trump "ein wenig enttÀuscht" von Selenskyj
US-PrĂ€sident Donald Trump Ă€uĂerte Zweifel, ob Selenskyj mit einem neuen Vorschlag fĂŒr ein Ende des russischen Angriffskriegs einverstanden ist. Die USA hĂ€tten mit Kremlchef Wladimir Putin gesprochen und mit ukrainischen Vertretern, darunter Selenskyj, sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington. "Und ich muss sagen, dass ich ein wenig enttĂ€uscht bin, dass PrĂ€sident Selenskyj den Vorschlag noch nicht gelesen hat." Das sei zumindest der Stand von vor ein paar Stunden gewesen.
Russland wĂŒrde wohl lieber das ganze Land haben, sagte Trump weiter. Dennoch glaube er, dass Moskau mit dem Vorschlag einverstanden sei. "Aber ich bin mir nicht sicher, ob Selenskyj damit einverstanden ist", sagte Trump. "Seine Leute lieben ihn (den Vorschlag)", schob er nach.
Knackpunkte Territorialfragen und Sicherheit
Wie sich der vor etwa drei Wochen publik gewordene US-Friedensplan mit ursprĂŒnglich 28 Punkten seither gewandelt hat, ist öffentlich nicht bekannt. Entscheidende ungeklĂ€rte Punkte scheinen aber die Territorialfragen und Sicherheitsgarantien der USA fĂŒr die Ukraine zu sein.
Moskau gibt sich in dem Prozess zwar öffentlich gesprĂ€chsbereit. Im Kern aber hĂ€lt PrĂ€sident Putin an seinen harten Forderungen fest. Er besteht unter anderem auf Gebietsabtretungen der Ukraine und dem Verzicht einer Nato-Mitgliedschaft des Nachbarlandes, das sich im Falle eines Friedensschlusses vor neuen Aggressionen Russlands schĂŒtzen will. Auch die USA machen Druck auf Kiew, einem Gebietsverzicht zuzustimmen, weil der Krieg sonst nicht zu stoppen sei. Die Ukraine lehnt dies bislang ab.
Russland hat den Krieg vor knapp vier Jahren begonnen. EinschlieĂlich der Krim halten die Invasoren derzeit etwa ein FĂŒnftel der ukrainischen LandesflĂ€che besetzt. Allerdings ist es Russlands Armee seit 2022 nicht gelungen, das beanspruchte Donbass-Gebiet in der Ostukraine völlig einzunehmen.
Ăberschattet wird das Treffen Selenskyjs mit den europĂ€ischen Partnern auch von der neuen Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung. In dem am Donnerstag veröffentlichten US-Dokument wird Europa nicht mehr als enger VerbĂŒndeter dargestellt, sondern vielmehr von grundsĂ€tzlichen Interessenkonflikten ausgegangen. Statt der transatlantischen Partnerschaft wollten die USA kĂŒnftig ihre Interessen voranstellen, heiĂt es darin. AuĂerdem wird ein dĂŒsteres Bild der angeblichen Lage in Europa gezeichnet, die von verfehlter Migrationspolitik, Zensur, UnterdrĂŒckung der politischen Opposition und dem Verlust nationaler IdentitĂ€ten geprĂ€gt sei.
Meloni sagt weitere UnterstĂŒtzung zu
Vor dem Treffen in London stimmte sich Selenskyj mit einer anderen europĂ€ischen VerbĂŒndeten ab, der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni. "Es ist noch viel Arbeit zu leisten, um sicherzustellen, dass Russland sich wirklich zu einem Ende des Krieges verpflichtet", schrieb Selenskyj danach auf X. Meloni sicherte der Ukraine weitere UnterstĂŒtzung gegen Russland zu und hielt Moskau eine "neue Serie wahlloser Angriffe auf zivile Ziele" im Nachbarland vor. Ziel bleibe ein dauerhafter und gerechter Frieden.
Baerbock: Kein Gebietsverzicht fĂŒr Frieden in der Ukraine
Der Ukraine dĂŒrften nicht Gebietsabtretungen als Teil einer Friedenslösung aufgezwungen werden, sagte die PrĂ€sidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock. "Man Ă€chtet einen Angriffskrieg und belohnt ihn nicht noch. Wer Aggression prĂ€miert, wird statt Frieden weitere Kriege ernten", sagte die frĂŒhere deutsche AuĂenministerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "WĂŒrden wir es akzeptieren, dass ein Mitglied des Sicherheitsrats die wichtigste Regel der Vereinten Nationen bricht", kĂ€me das einem Freifahrtschein gleich, sagte sie mit Blick auf das Gewaltverbot in der UN-Charta.
Das wird heute wichtig
Der Ukraine-Krieg wird auch Thema beim Besuch von AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) in Peking sein. Er will die chinesische FĂŒhrung drĂ€ngen, in den GesprĂ€chen ĂŒber einen Waffenstillstand den Druck auf Moskau zu erhöhen. "Kein anderes Land hat so viel Einfluss auf Russland wie China und kann sein Gewicht so sehr dafĂŒr einzusetzen, dass Russland endlich zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist, die die SouverĂ€nitĂ€t der Ukraine achten", sagte Wadephul vor Abflug. Zwar betont Peking öffentlich, dass China in dem Krieg eine neutrale Rolle einnehme - im Westen wird der Volksrepublik allerdings vorgeworfen, Moskau zu unterstĂŒtzen.

