Orban stoppt ab Juli Gasdurchleitungen in die Ukraine
26.03.2026 - 10:08:22 | dpa.deEine diesbezĂŒgliche Verordnung erschien in der Nacht zum Donnerstag im ungarischen Amtsblatt. Der Ungar will damit nach eigenen Angaben den Druck auf das von Russland angegriffene Nachbarland erhöhen, die durch einen russischen Angriff beschĂ€digte Erdölleitung Druschba schneller wieder in Betrieb zu nehmen.
"Solange die Ukraine uns kein Ăl gibt, solange bekommt sie aus Ungarn kein Gas", hatte Orban am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite angekĂŒndigt. Die Blockade der Gasdurchleitungen in die Ukraine wirft Experten zufolge schwerwiegende juristische und europarechtliche Fragen auf. Der Gashandel liegt nĂ€mlich in den HĂ€nden von privaten Firmen, darunter Unternehmen, die mit dem EnergietrĂ€ger handeln und solchen, die den Transport durch Röhren bewerkstelligen. In Ungarn ist dies der Pipeline-Betreiber FGSZ, eine Tochter des Mineralölkonzerns MOL HU0000068952.
Die HĂ€ndler erwerben bei den Pipeline-Betreibern KapazitĂ€ten fĂŒr die Durchleitung, die diese bei Auktionen vergeben. Orbans Verordnung untersagt es nun dem ungarischen Betreiber FGSZ, ab Juli KapazitĂ€ten fĂŒr die Durchleitung zu den Ăbertrittspunkten in die Ukraine anzubieten. Die KapazitĂ€ten fĂŒr das zweite Quartal (April bis Juni) hat das Unternehmen bereits verkauft. Ein Eingriff in diese VertrĂ€ge hĂ€tte fĂŒr die Regierung enorme Schadenersatzforderungen nach sich gezogen.
Die Ukraine hat im vergangenen Jahr nach Angaben des staatlichen Gasnetzbetreibers rund 44 Prozent seiner Gasimporte ĂŒber Ungarn erhalten. Weitere wichtige TransitlĂ€nder fĂŒr den ukrainischen Gasimport sind Polen und die Slowakei. Orbans Verordnung kann im Prinzip jederzeit zurĂŒckgenommen werden.
Der Ungar steht am 12. April vor einer Parlamentswahl, die er verlieren könnte. In den vergangenen Wochen heizte er Konflikte mit der Ukraine an, um daraus Wahlkampfmunition zu schöpfen. Zuletzt blockierte er in der EU einen fĂŒr die Ukraine lebenswichtigen Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro. Der Rechtspopulist gilt zugleich als wichtigster VerbĂŒndeter Russlands in der EU.
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