Tesla-Produktion steht nach Anschlag bis Ende nÀchster Woche still
07.03.2024 - 06:00:02Der Stopp werde bis voraussichtlich Ende nĂ€chster Woche dauern, teilte das Unternehmen am Mittwochabend auf Anfrage mit. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darĂŒber berichtet. Damit wird der wirtschaftliche Schaden noch viel gröĂer fĂŒr das Unternehmen. Werksleiter AndrĂ© Thierig hatte bisher mit einem neunstelligen Euro-Betrag gerechnet, also mehreren hundert Millionen Euro. Da ging er noch von einem möglichen Wiederanlauf der Fertigung am kommenden Montag aus - nun kĂ€me eine weitere Woche Stillstand dazu.
Bisher unbekannte TĂ€ter hatten am Dienstag auf einem Feld Feuer an einem Strommast gelegt, der auch fĂŒr die Versorgung der Tesla-Fabrik zustĂ€ndig ist. Die Produktion in GrĂŒnheide bei Berlin wurde daraufhin gestoppt. Zehntausende Bewohner in der Region waren von dem Stromausfall ebenfalls betroffen. Die Polizei bezeichnete ein Bekennerschreiben der linksextremen "Vulkangruppe" als authentisch. Der Energienetzbetreiber Edis teilte mit, die EinsatzkrĂ€fte arbeiteten unter Hochdruck daran, das Tesla-Werk und ein Logistikzentrum wieder mit Strom zu versorgen.
Verfassungsschutzchef fĂŒrchtet Radikalisierung
Die linksextreme "Vulkangruppe" wirft Tesla "extreme Ausbeutungsbedingungen" vor. Die Gruppierung schrieb am Dienstag von Sabotage gegen Tesla. "Wir schÀtzen das Schreiben als echt ein", sagte eine Sprecherin der Brandenburger Polizei. Es gab bereits einen Brandanschlag im Mai 2021, bei dem ein Stromkabel beschÀdigt wurde, das auch die Tesla-Baustelle versorgte. Damals tauchte ebenfalls ein von Sicherheitsbehörden als authentisch eingestuftes Schreiben im Namen der "Vulkangruppe" auf. Die TÀter konnten nicht ermittelt werden.
ThĂŒringens VerfassungsschutzprĂ€sident Stephan Kramer warnte vor einer Radikalisierung des Linksextremismus. "Die linksextremistische Szene setzt die eigene Radikalisierung, selbst lokal, weiter fort", sagte Kramer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Donnerstag. Die Hemmschwelle zum Einsatz von Gewalt in der politischen Auseinandersetzung sinke immer mehr. "Waren es gestern noch Aktionen, bei denen die Luft in den Reifen von SUVs abgelassen wurde, sind es heute BrandanschlĂ€ge gegen die kritische Infrastruktur", sagte Kramer.
Bei einer BĂŒrgerbefragung in GrĂŒnheide lehnten rund zwei Drittel die von Tesla geplante Erweiterung um einen GĂŒterbahnhof und Lager auf einem angrenzenden GelĂ€nde ab. Dort sollen mehr als 100 Hektar Wald gerodet werden. Am Donnerstag schlugen UmweltschĂŒtzer und Tesla-Kritiker in der NĂ€he des Werks im Wald ein Protestcamp mit BaumhĂ€usern auf. Am Sonntag ist eine Demonstration gegen Tesla geplant. Rund 12 500 Menschen arbeiten bei Tesla in GrĂŒnheide. Der Autobauer plant einen Ausbau des bestehenden Werks.
Bundesregierung plant Gesetz
Die Wirtschaft in Deutschland dringt nach dem Anschlag auf mehr Sicherheit. "Politik und Wirtschaft sind gemeinsam gefordert, die Sicherheit der Netze und kritischer Anlagen zu gewĂ€hrleisten", sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben. Die Bundesregierung will mit einem Gesetz den Schutz wichtiger Netze und Anlagen verstĂ€rken und die SicherheitsbemĂŒhungen der Betreiber unterstĂŒtzen. Die Regierung verschleppe aber die Verabschiedung des zugehörigen Gesetzes seit Monaten, kritisierte Wansleben.
Das Bundesinnenministerium plant, dass sich das Kabinett zeitnah in der ersten JahreshĂ€lfte mit dem sogenannten Kritis-Dachgesetz befasst. Damit soll die kritische Infrastruktur besser gegen Gefahren geschĂŒtzt werden. DarĂŒber hinaus sei es erst einmal die Pflicht der Netzbetreiber, ihre Infrastruktur zu schĂŒtzen, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Maximilian Kall. Dies sei natĂŒrlich bei einem Umspannwerk leichter als bei einem Strommast, der auf einem Feld steht.

