Boeing fĂ€llt wegen 737-Max-Krise weit hinter Airbus zurĂŒck
09.04.2024 - 19:40:59Im MĂ€rz lieferte der europĂ€ische Hersteller Airbus 63 Verkehrsflugzeuge aus und damit mehr als doppelt so viele wie sein Rivale aus den USA, wie aus Mitteilungen beider Unternehmen vom Dienstag hervorgeht. FĂŒr sein Ziel von 800 Flugzeug-Auslieferungen in diesem Jahr muss sich Airbus-Chef Guillaume Faury zwar noch strecken - nach den ersten drei Monaten des Jahres sind erst 142 StĂŒck geschafft. Boeing kĂ€mpft nach dem Beinahe-UnglĂŒck eines Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max jedoch mit ganz anderen Problemen.
So steht der US-Konzern seit Januar unter verschĂ€rfter Aufsicht der Behörden und darf die Produktion seiner Mittelstreckenjets aus der 737-Max-Reihe vorerst nicht mehr ausweiten. Im ersten Quartal warfen die staatlichen Kontrollen den Konzern stark zurĂŒck. So lieferte Boeing nur 66 Exemplare seines meistgefragten Flugzeugtyps aus und damit rund 60 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Airbus kam mit seinen Konkurrenzmodellen A320neo und A321neo auf 116 StĂŒck.
Boeing ĂŒbergab im ersten Quartal ĂŒber alle Typen hinweg 83 Passagier- und Frachtflugzeuge an seine Abnehmer, davon 29 im MĂ€rz. Abseits der 737 Max entfiel der GroĂteil der Auslieferungen im ersten Jahresviertel mit 13 Jets auf das Langstreckenmodell 787 "Dreamliner". Die Produktion der noch gröĂeren 777-Reihe steht still, weil der Hersteller seine KapazitĂ€ten wegen zahlreicher Probleme an anderen Stellen benötigt.
Unterdessen holte Boeing Bestellungen ĂŒber 131 neue Flugzeuge herein, musste aber auch fĂŒnf Stornierungen hinnehmen. Der Dax-Konzern Airbus erhielt NeuauftrĂ€ge ĂŒber 170 Maschinen - und kam ohne Stornierungen davon.
Boeing steckt seit mehr als fĂŒnf Jahren in der schwersten Krise seiner Geschichte. Nach zwei tödlichen AbstĂŒrzen musste sein Mittelstreckenmodell 737 Max ab MĂ€rz 2019 weltweit mehr als 20 Monate lang weltweit am Boden bleiben, bevor die Behörden es nach technischen Verbesserungen nach und nach wieder fĂŒr den Flugbetrieb freigaben.
Die Nachwirkungen halten Boeing bis heute im Griff, weitere Probleme und QualitĂ€tsmĂ€ngel kamen hinzu. Am 5. Januar 2024 entgingen mehr als 170 Insassen einer 737 Max von Alaska Airlines nur knapp einem UnglĂŒck, als im Steigflug ein tĂŒrgroĂes Teil des Rumpfs herausbrach. Die Experten der Unfalluntersuchungsbehörde NTSB gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass an dem Rumpf-Fragment vier Befestigungsbolzen gefehlt hatten. Die US-Luftfahrtbehörde FAA nimmt die Produktion von Boeing nun genau unter die Lupe.
Inzwischen haben Boeing-Chef Dave Calhoun und Verwaltungsratschef Larry Kellner ihren RĂŒckzug angekĂŒndigt. Der bisherige Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Stan Deal, gab seinen Posten im MĂ€rz mit sofortiger Wirkung an Stephanie Pope ab.
Seine Position als weltgröĂter Flugzeughersteller hatte Boeing schon 2019 an seinen Rivalen Airbus verloren. Nach einem GeschĂ€ftseinbruch in der Corona-Krise bereitet sich der europĂ€ische Konzern inzwischen auf eine Rekordproduktion vor. Bis zum Jahr 2026 soll die Herstellung der Mittelstreckenjets aus der Modellfamilie A320neo von derzeit etwa 50 auf dann 75 Maschinen pro Monat wachsen. Ob das gelingt, hĂ€ngt nicht zuletzt von den Zulieferern ab. EngpĂ€sse in den Lieferketten begrenzen auch fĂŒr Airbus die Möglichkeiten.
Boeing hatte fĂŒr sein Konkurrenzmodell 737 Max fĂŒr den Zeitraum 2025/2026 eigentlich die Marke von monatlich 50 Maschinen ins Auge gefasst. Auf GeheiĂ der FAA darf der Hersteller das Ende 2023 erreichte Niveau von 38 Jets pro Monat wegen der entdeckten QualitĂ€tsmĂ€ngel aber bis auf Weiteres nicht ĂŒberschreiten.

