Continental will wieder zum reinen Reifenhersteller werden
08.04.2025 - 12:47:23Der Vorstand habe in einer Grundsatzentscheidung die VerselbststĂ€ndigung des Unternehmensbereichs Contitech beschlossen, teilte der Konzern mit. Ăber die genaue Ausgestaltung soll erst spĂ€ter entschieden werden. Nach aktuellem Stand sehe Continental einen Verkauf als wahrscheinlichste Option an. Die Conti-Aktie zog am Dienstag deutlich an.
Das Papier lag um den Mittag mit einem Plus von vier Prozent auf 61,12 Euro in der Dax-Spitzengruppe. Europaweit kamen Autohersteller und -zulieferer gemessen am Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts EU0009658681 dagegen kaum vom Fleck. In den vergangenen Wochen hatte die Conti-Aktie arg unter den US-Zöllen von PrĂ€sident Donald Trump gelitten und war von ĂŒber 70 Euro auf bis nur noch wenig mehr als 55 Euro abgerutscht.
Continental plant bereits die Abspaltung seiner Autozuliefersparte, die als eigenstÀndiges Unternehmen via reinem Spin-off an die Börse kommen soll. Wenn die AktionÀre Ende April zustimmen, soll der Börsengang der Sparte unter neuem Namen im September erfolgen.
Ein möglicher Verkauf von Contitech solle erst danach erfolgen, hieĂ es. Vorbehaltlich notwendiger BeschlĂŒsse könnte eine VerselbststĂ€ndigung im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Einen Spin-off, also eine reine Teilung der Konzernteile fĂŒr die Anleger wie im Fall der Autozuliefersparte, schlieĂt das Unternehmen fĂŒr den Contitech-Bereich derzeit aus - mit dem Verkauf der Sparte soll also Geld ins Haus der zukĂŒnftigen Rest-Conti kommen.
Conti schrumpft wieder zum Reifenhersteller
Bei Conti verbleiben soll nach dem Verkauf nur noch das angestammte ReifengeschĂ€ft. Der Zulieferer werde damit wieder ein "fokussiertes globales Reifenunternehmen", hieĂ es in der Mitteilung. FĂŒr den Konzern bedeutet das eine massive Schrumpfkur: Auf das verbleibende ReifengeschĂ€ft entfiel 2024 nur ein Drittel des Konzernumsatzes und 57.000 der insgesamt rund 190.000 Mitarbeiter. Reifenchef Christian Kötz sieht in einer Pressekonferenz am Dienstag Chancen, dass Contis ReifengeschĂ€ft auch ohne ZukĂ€ufe vom viert- zum drittgröĂten Reifenanbieter weltweit aufsteigen könne. Er will sich aber auch nach sinnvollen ZukĂ€ufen umsehen.
Continental hatte bisher bereits geplant, diejenigen Teile von Contitech, die an die Autoindustrie liefern, zu verkaufen. Daran will der Konzern festhalten und danach auch das verbleibende IndustriegeschÀft abgeben. Hierzu will der Konzern Finanzchef Olaf Schick zufolge sowohl mit strategischen Partnern sprechen als auch mit Finanzinvestoren.
Contitech beschĂ€ftigt den Angaben zufolge rund 39.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2024 einen Umsatz in Höhe von rund 6,4 Milliarden Euro. Damit entfiel knapp ein Sechstel des Konzernumsatzes und jeder fĂŒnfte BeschĂ€ftigte auf die Sparte. Die Sparte liefert unter anderem SchlĂ€uche, Antriebsriemen und FörderbĂ€nder fĂŒr die Industrie.
AnfÀnge mit Pferdeschuhen und Fahrradreifen
Conti sei in den vergangenen Jahrzehnten durch ZukĂ€ufe stark gewachsen, sagte Vorstandschef Nikolai Setzer. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt fĂŒr eine tiefgreifende Neuaufstellung. "Wir schaffen drei starke, unabhĂ€ngige Champions, die ihr volles Wachstums- und Wertschaffungspotenzial als selbststĂ€ndige Unternehmen entfalten werden."
Conti hatte 1871 zunĂ€chst mit Pferdeschuhen und Reifen und begonnen, damals noch fĂŒr Kutschen und FahrrĂ€der. SpĂ€ter kamen Autoreifen hinzu. Durch mehrere Ăbernahmen wie 2007 die von VDO wuchs Conti schlieĂlich zum drittgröĂten Autozulieferer der Welt. 2021 hatte Conti bereits die Antriebssparte Vitesco abgespalten.
Gewerkschaften kritisieren PlÀne
Die Gewerkschaften IG Metall und IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE) ĂŒben scharfe Kritik an den PlĂ€nen. "Die Trennung von Contitech in diesen Zeiten weltwirtschaftlicher Unsicherheit ist sozial unverantwortlich, ökonomisch waghalsig und technologisch unsinnig", kritisiert Francesco Grioli, Mitglied des geschĂ€ftsfĂŒhrenden IGBCE-Hauptvorstands.
Grioli forderte eine langfristige BeschĂ€ftigungs- und Standortsicherung sowie eine Investitionsoffensive fĂŒr Contitech. Der bisher vereinbarte KĂŒndigungsverzicht bis Ende 2026 reiche nicht aus. "Ohne eine deutliche Ausweitung dieser Garantien und eine verlĂ€ssliche BeschĂ€ftigungssicherung werden wir dieser Abspaltung nicht zustimmen." Auch IG-Metall-Chefin Christiane Benner forderte fĂŒr die Mitarbeiter "belastbare Zusagen fĂŒr ihre ArbeitsplĂ€tze".
PersonalvorstÀndin verlÀsst Continental
PersonalvorstĂ€ndin Ariane Reinhart verlĂ€sst Continental. Die 55-JĂ€hrige werde ihr Amt Ende Juni niederlegen, teilte das Unternehmen mit. Ihr Amt werde dann Ulrike Hintze (48) ĂŒbernehmen. Reinhart ist seit 2014 PersonalvorstĂ€ndin bei dem Autozulieferer und Reifenhersteller.

