Buhrow-Nachfolgerin im WDR: 'Unser Hauptdarsteller ist unser Programm'
01.01.2025 - 14:31:12 | dpa.deIm Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte die 51 Jahre alte Managerin auf die Frage, wie sie sich mit Blick auf ihren prominenten VorgĂ€nger bekannter machen wolle: "Die Frage ist, inwieweit das ĂŒberhaupt notwendig ist. Unser Hauptdarsteller ist unser Programm - und unsere Akteure im Programm."
Vernau, die zuvor Verwaltungsdirektorin im WDR war und als Interims-Intendantin in der RBB-Krise aushalf, ergĂ€nzte: "NatĂŒrlich werde ich den WDR auch als Intendantin reprĂ€sentieren - in dem MaĂe, in dem das fĂŒr den Sender nĂŒtzlich und sinnvoll ist."
StĂŒrmische Zeiten fĂŒr den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Die 51-JĂ€hrige ist kein GewĂ€chs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wie es bei vielen anderen Karrieren in den HĂ€usern ĂŒblich ist. Buhrow holte die Managerin vor Jahren zum WDR als Verwaltungsdirektorin. Sie brachte Erfahrungen als Kanzlerin von UniversitĂ€ten und von der Unternehmensberatung mit. Die 51-JĂ€hrige setzte sich bei der WDR-Intendantenwahl gegen den langjĂ€hrigen WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn durch. Sie verwaltet den WDR, der im Jahr 2023 rund 1,3 Milliarden Euro an Einnahmen durch den Rundfunkbeitrag hatte.
Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit ARD, ZDF und Deutschlandradio schlÀgt in diesen Zeiten rauer Wind entgegen. Die Rufe aus der Politik nach mehr Sparen und effizienterem Arbeiten wurden lauter. Es gibt einen Streit um die Höhe des Rundfunkbeitrags, der inzwischen beim Bundesverfassungsgericht gelandet ist. Und auch im WDR selbst mit seinen rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rumort es derzeit - es laufen Tarifverhandlungen.
Vernau selbst wird nach eigenen Angaben weniger Geld verdienen als ihr VorgĂ€nger. Das Gehalt des Senderchefs an der Spitze des gröĂten ARD-Senders mit zuletzt mehr als 400.000 Euro steht seit Jahren immer wieder im Fokus von Medienberichten, weil es im Vergleich bislang das höchste war. Vernau sagte im Interview: "Der WDR wird mit Sicherheit nicht mehr ganz oben stehen. Und das verstehe ich auch, weil die IntendantengehĂ€lter in der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen." Die Managerin ergĂ€nzte: "Mir wurde bereits im Bewerbungsverfahren signalisiert, dass ich rund 20 Prozent weniger bekomme als mein VorgĂ€nger. Ich habe das akzeptiert."
"Ich habe zumindest noch nie gehört, der WDR sei zu konservativ"
Die neue Senderchefin ging im dpa-GesprĂ€ch auch auf VorwĂŒrfe aus den vergangenen Jahren ein, dass es beim WDR einen angeblichen Linksdrift in den Redaktionen geben könnte. Auf die Frage, ob sie konservative Stimmen im WDR vermisse, sagte Vernau: "Ich habe zumindest noch nie gehört, der WDR sei zu konservativ."
Sie regte an: "Wir mĂŒssen uns immer wieder bei Einladungen von Talk-GĂ€sten, aber auch in unserer Berichterstattung fragen: Haben wir wirklich alle Perspektiven vertreten, die man zu so einem Thema einnehmen kann?" Vernau erwĂ€hnte auch die Wirtschaftsberichterstattung. "Ich bin Ăkonomin und mir fehlt hĂ€ufig die Betrachtung auch aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive. Die ZusammenhĂ€nge hinter bestimmten Konflikten, etwa beim Verlust von ArbeitsplĂ€tzen. Der ist fĂŒr die einzelnen Menschen schlimm, aber dafĂŒr gibt es auch volkswirtschaftliche HintergrĂŒnde. Die genauer zu erlĂ€utern ist etwas, das ich stĂ€rken möchte."
Nach RBB-Krise: "Wir spĂŒren die Nachbeben immer noch"
Vernau wurde bundesweit bekannt, als sie im Herbst 2022 in Berlin aushalf, nachdem der ARD-Sender Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) in eine tiefe Krise um VorwĂŒrfe der Vetternwirtschaft und Verschwendung gestĂŒrzt war. Als Interims-Intendantin rĂ€umte sie im Sender auf und erstellte einen Millionen-Sparplan. Sie setzte auch einem Millionen-Bauprojekt ihrer VorgĂ€ngerin Patricia Schlesinger ein Ende.
Auf die Frage, ob es ihr in der RBB-Krise geholfen habe, dass sie kein Kind des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei, sagte Vernau: "Es ist mir beim RBB sicher einfacher gefallen, die schwierigen Entscheidungen beim Weglassen im Programm zu treffen, weil es nicht meine eigenen Babys waren. Das ist fĂŒr Programmmacher viel schwieriger: etwas wegzulassen, was sie vielleicht auch selber aufgebaut und ĂŒber Jahre begleitet haben." Zudem habe ihr die Erfahrung in der Unternehmensberatung geholfen.
Der RBB-Skandal habe auch fĂŒr den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen groĂen Reputationsschaden verursacht. "Wir spĂŒren die Nachbeben immer noch, weil wir einfach viel stĂ€rker unter Beobachtung sind und infrage gestellt werden. Das hat auch sein Gutes, viele Dinge sind jetzt in Gang gekommen, die sonst, zumindest in der Geschwindigkeit, nicht passiert wĂ€ren."
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