In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen
15.01.2026 - 13:10:10Besserung in den nĂ€chsten Jahren ist der Studie zufolge nicht in Sicht, wie Pestel-Chefökonom Matthias GĂŒnther in Berlin sagte. FĂŒr die nĂ€here Zukunft erwartet das Institut den Bau von lediglich rund 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr, etwa halb so viele wie der angenommene jĂ€hrliche Bedarf. Der Wohnungsmangel ist der Analyse zufolge zur Wirtschaftsbremse geworden.
Junge und Alte leiden gleichermaĂen
"Die Lösung der sozialen Frage dieser Zeit, wie es die Politik gerne formuliert, ist auch die notwendige Voraussetzung fĂŒr eine wirtschaftliche Belebung des Landes", sagte GĂŒnther. Auftraggeber der Studie war das BĂŒndnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds, der IG Bau, der Gesellschaft fĂŒr Mauerwerks- und Wohnungsbau und anderer Organisationen. Am stĂ€rksten unter der Entwicklung leiden wegen ihrer begrenzten Einkommen demnach die junge Generation bis 25, Ă€ltere Menschen und Behinderte.
"Wir mĂŒssen junge Menschen heute komplett zu den benachteiligten Gruppen zĂ€hlen", sagte GĂŒnther. Und viele Ă€ltere GroĂstadtbewohner könnten sich nach dem Ende des Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten. "Die mĂŒssen dort wegziehen, weil sie das Wohnen dort nicht mehr bezahlen können." In den nĂ€chsten Jahren werde das Problem nicht kleiner, sondern eher gröĂer, prophezeite der Ăkonom.
Im Westen ist das Problem gröĂer als im Osten
Wenig ĂŒberraschend liegen beim Wohnungsmangel in absoluten Zahlen die beiden gröĂten und bevölkerungsreichsten BundeslĂ€nder an der Spitze: In Nordrhein-Westfalen fehlten Ende 2024 demnach 376.000 Wohnungen, in Bayern 233.000. Den Gesamtbedarf bis 2030 schĂ€tzt das Pestel-Institut auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen.
Doch ganz generell ist das Problem laut Pestel im Westen gröĂer als im Osten: "Ostdeutschland sieht vom Wohnungsangebot her in dem Bereich deutlich besser aus, als die meisten westdeutschen LĂ€nder", sagte GĂŒnther. Als Grund nannte der Wissenschaftler die starke kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft in den neuen LĂ€ndern.
BĂŒndnis: Wohnungsbau muss Chefsache in Bund und LĂ€ndern werden
Das BĂŒndnis Soziales Wohnen forderte einen Bund-LĂ€nder-Pakt fĂŒr den Wohnungsbau, insbesondere den Bau von mehr Sozialwohnungen. Der Staat mĂŒsse immer höhere Leistungen fĂŒr die UnterstĂŒtzung bei den Wohnkosten aufbringen, sagte Mieterbunds-PrĂ€sidentin Melanie Weber-Moritz. "Und das kombiniert mit den ZwangsumzĂŒgen ist fĂŒr uns eine Situation, die nicht mehr tragbar ist. (...) Wir brauchen mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen in den kommenden Jahren."
Hauptproblem "nicht die Migration, sondern die Wohnungsnot"
Ganze Bevölkerungsgruppen wĂŒrden mittlerweile von der Wohnung ausgeschlossen und diskriminiert, kritisierte Janina Bessenich, die BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie. "Es ist tatsĂ€chlich nicht die Migration das Hauptproblem in unserer Gesellschaft, sondern die Wohnungsnot."
Die Berechnungen basieren auf Daten der Statistischen Ămter. Zwar steht in Deutschland geschĂ€tzt auch eine siebenstellige Zahl von Wohnungen leer. Doch deren Wiedervermietung wĂŒrde nach EinschĂ€tzung des Pestel-Instituts das Wohnungsproblem insbesondere im Westen nicht lösen, da der Leerstand in jenen lĂ€ndlichen Regionen am höchsten ist, in denen auch der Bedarf geringer ist.

