Frankfurt-News, Leiser

Börse Frankfurt-News: Leiser Exodus aus der Eurozone (Marktstimmung)

17.07.2024 - 16:18:09 | dpa.de

Deutsche Aktien treten auf der Stelle, was nach Goldbergs Ansicht auch so bleiben könnte.

FĂŒr die BĂ€ren gebe es keine Gewinne und den Bullen stehe das Allzeithoch im Weg.

17. Juli 2024. Erneut hat der DAX einen Anlauf nach oben unternommen und konnte seit unserer vergangenen Stimmungserhebung zwischenzeitlich ein Plus von 2,8 Prozent verbuchen. Das war in der vergangenen Woche. Danach ging es wieder sukzessive zurĂŒck, und von dem Gewinn fĂŒr die Bullen blieb mit 1,2 Prozent zum Erhebungszeitpunkt weniger als die HĂ€lfte ĂŒbrig. Dass sich am Ende das aus den vergangenen Wochen vertraute Muster wieder abzeichnete, wonach der DAX zwar ein gutes StĂŒck zulegen, aber am Ende stets deutliche RĂŒcksetzer hinnehmen muss, mag möglicherweise auch internationalen Investoren zuzuschreiben sein.

Denn die gestern publizierte Fondsmanager-Umfrage der Bank of America förderte zutage, dass Aktien global zwar immer noch ĂŒbergewichtet werden. Aber das gilt nur noch begrenzt fĂŒr Werte der Eurozone. Hier ereignete sich fast schon so etwas wie ein Exodus. Denn nur noch netto 10 Prozent der Fondsmanager gaben per 11. Juli an, in Aktien der Eurozone ĂŒbergewichtet zu sein - vor Monatsfrist waren es noch 30 Prozent der Vermögensverwalter. Anders ausgedrĂŒckt handelt es sich um den stĂ€rksten RĂŒckgang seit zwei Jahren und mag auch eine ErklĂ€rung dafĂŒr sein, warum US-Aktien wĂ€hrend dieses Zeitraums besser performten als Papiere der Eurozone, gemessen am Euro Stoxx 50.

Tendenz zur Starre

Unterdessen hat sich die Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont verbessert. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 6 Punkte auf einen neuen Stand von -3 gestiegen. Im gleichen Zuge hat sich das BĂ€renlager um 5 Prozentpunkte verringert. Da der DAX seit unserer vergangenen Erhebung nicht viel gĂŒnstiger notiert hat, ist davon auszugehen, dass einige Akteure ihre Engagements nicht mit Gewinn abgeschlossen haben. DafĂŒr spricht auch, dass lediglich ein FĂŒnftel der frĂŒheren BĂ€ren direkt auf die Bullen-Seite gegangen ist, das Gros hat sich zu Seitenlinie begeben.

Bei den Privatanlegern hat sich indes - zumindest vordergrĂŒndig - nur wenig getan. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Panel fĂ€llt zwar um 2 Punkte auf einen neuen Stand von +6, wobei die wenigen neuen Optimisten von vormals neutral eingestellten Akteuren gestellt werden. Bemerkenswert bleibt jedoch, dass gerade die ĂŒber Social Media befragten Privatanleger gegenĂŒber der Vorwoche deutlich weniger bullish eingestellt sind als die ĂŒbrigen Börsianer aus diesem Panel, deren Sentiment sich im Gegensatz dazu fast Ă€hnlich stark verbessert hat. Auch wenn das Endergebnis nur eine geringe VerĂ€nderung aufweist, hat sich die starke Stimmungskluft zwischen diesen beiden Untergruppen deutlich verringert.

Auszug ohne Wirkung

Die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren hat sich mit der heutigen Befragung gegenĂŒber der Vorwoche ebenfalls verkleinert. Auch wenn sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index in der absoluten Betrachtung noch knapp in negativem Terrain befindet, zeigt sich zumindest in der relativen Sicht auf sechs Monate ein leichter Optimismus. Allerdings reichen diese AusprĂ€gungen nicht, um grĂ¶ĂŸere Schieflagen auszumachen und möglicherweise einen grĂ¶ĂŸeren Trend auszulösen. Vieles spricht also dafĂŒr, dass die im Prinzip seit ĂŒber zwei Monaten bestehende breite SeitwĂ€rtsbewegung des DAX fortgesetzt wird. Mit der weicheren Untergrenze knapp unter 18.000 DAX-ZĂ€hlern, wĂ€hrend das schwerer erreichbare obere Limit etwa in Höhe des Allzeithochs bei 18.840/18.890 ZĂ€hlern zu finden sein dĂŒrfte.

Somit dĂŒrfte der DAX bestenfalls durch langfristige KapitalflĂŒsse aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Bemerkenswert ist allerdings, dass die bisherige Abkehr internationaler Fondsmanager von Aktien der Eurozone (vgl. oben) dem DAX bislang noch nicht deutlicher geschadet hat.

Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen

DAX (VerÀnderung zu vergangener Erhebung): 18.500 (+220 zur Vorwoche) Börse Frankfurt Sentiment-Index institutionell Anlegende: -3 Punkte (+6 zur Vorwoche)

Sentiment-Index privater Anleger*innen

DAX (VerÀnderung zu vergangener Erhebung): 18.500 (+220 zur Vorwoche) Börse Frankfurt Sentiment-Index privat Anlegende: +6 Punkte  (-2 Punkte zur Vorwoche)

Von Joachim Goldberg

17. Juli, 2024, © Goldberg & Goldberg fĂŒr boerse-frankfurt.de

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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