Deutsche Rohstoff Aktie: Wolfram-Coup trifft Kurskorrektur
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 20:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wolfram-Durchbruch in Südkorea, Kursrutsch an der Börse: Bei der Deutsche Rohstoff klaffen operative Nachrichten und Aktienkurs gerade weit auseinander. Die Aktie notiert bei 77,10 Euro und liegt damit 34,55 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Trotzdem bleibt seit Jahresanfang ein Plus von 57,51 Prozent stehen. Für Anleger stellt sich eine klare Frage: Trägt die fundamentale Story den Kurs zurück nach oben, oder zieht die Ölpreis-Schwäche die Aktie weiter runter?
Zwei Nachrichten, ein Kurs unter Druck
Die Beteiligung Almonty Industries hat einen wichtigen Schritt geschafft. Seit dem 1. Juli 2026 läuft die Erzverarbeitung in der südkoreanischen Sangdong-Mine im regulären Betrieb. Der Sprung vom Entwickler zum Produzenten ist damit vollzogen.
Dazu kommt ein deutlich erweiterter Abnahmevertrag. Die Laufzeit: 21 Jahre. Das potenzielle Vertragsvolumen: rund 490 Millionen US-Dollar.
Der Kurs reagiert bislang nicht darauf. Stattdessen belasten Volatilität an den Ölmärkten und eine breitere Korrektur im Rohstoffsektor das Papier. Die Aktie notiert 14,50 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Zwischen operativen Fortschritten und Marktbewertung ist eine Lücke entstanden.
Die entscheidende Frage: Diversifizierung oder Ölpreis-Abhängigkeit?
Die kommenden Monate entscheiden sich an einem Punkt. Schafft es der Markt, die Deutsche Rohstoff über ihr US-Schieferöl-Geschäft hinaus zu bewerten? Als diversifizierten Rohstoff-Player mit einer profitablen Wolfram-Säule?
Das US-Bohrprogramm läuft planmäßig und liefert Cashflows. Ob die Bewertung nachhaltig ist, hängt davon ab, ob die Erträge aus Sangdong die Schwankungen beim Ölpreis WTI ausgleichen können.
Bullisches Szenario: Die Wolfram-Karte sticht
Für eine Erholung sprechen mehrere Faktoren. Der Produktionsstart in Sangdong sichert Almonty und indirekt der Deutsche Rohstoff den Zugang zu einer der bedeutendsten Wolfram-Lagerstätten außerhalb Chinas. Der neue 21-jährige Abnahmevertrag bringt eine Planungssicherheit, die im Sektor selten ist.
Das US-Bohrprogramm 2026 liefert laut Unternehmensangaben bereits starke Ergebnisse. Die Deutsche Rohstoff nutzt diese Stärke aktiv. Ein im April 2026 gestartetes Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 7,5 Millionen Euro läuft weiter und stützt den Kurs von unten. Im Juni 2026 zahlte das Unternehmen zudem eine Dividende von 2,25 Euro je Aktie.
Charttechnisch bleibt der langfristige Trend intakt. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 10,24 Prozent im Plus. Der RSI von 40,0 signalisiert: Weit entfernt von einem überverkauften Zustand ist die Aktie nach dem jüngsten Ausverkauf nicht mehr.
Bärisches Szenario: Der doppelte Belastungsfaktor
Das Risiko liegt in einer Fortsetzung der negativen Dynamik. Vor allem dann, wenn die technische Unterstützung nicht hält.
Analysten haben ihre Ölpreisprognosen für 2026 zuletzt teils gesenkt. Geopolitische Risikoaufschläge lösten sich auf, die Nachfrage aus China schwächelte. Fällt WTI nachhaltig unter die Marke von 75 US-Dollar, würde das die Margen im US-Geschäft direkt treffen.
Auch die Almonty-Aktie selbst zeigt sich volatil. Sie verlor trotz des Produktionsstarts deutlich an Wert, was über Bewertungseffekte auf die Bilanz der Deutsche Rohstoff durchschlägt.
Charttechnisch hat der Fall unter den 50-Tage-Schnitt bei 90,18 Euro bereits Schaden angerichtet. Bleibt die Aktie darunter, könnten Momentum-Investoren weitere Verkäufe auslösen. Das nächste Ziel auf der Unterseite: der 200-Tage-Durchschnitt bei 69,94 Euro.
Ausblick: Die 70-Euro-Marke als Wasserscheide
Hält die Unterstützung im Bereich des 200-Tage-Durchschnitts bei 69,94 Euro, spricht die fundamentale Entwicklung für eine mittelfristige Erholung. Vor allem die Transformation von Almonty vom Entwickler zum Produzenten liefert dafür Argumente.
Rutscht die Aktie dagegen unter die 70-Euro-Marke, weil sich die Stimmung am Ölmarkt weiter eintrübt, müsste die Wachstumsstory neu bewertet werden. Der nächste konkrete Prüfstein ist der Halbjahresbericht 2026, der im August erscheint.
Dort dürften erstmals detailliertere Daten zur Hochlaufphase der Sangdong-Mine sowie aktualisierte Produktionszahlen aus den US-Projekten vorliegen. Sie werden zeigen, ob das EBITDA-Ziel von 290 bis 310 Millionen Euro für 2026 realistisch bleibt.
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