Deutscher, General

Deutscher General wird Chef von Nato-MilitÀrausschuss

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 08:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschlands ranghöchster Soldat wird neuer Vorsitzender des Nato-MilitÀrausschusses.

Generalinspekteur Carsten Breuer wurde bei einer Sitzung des Gremiums in Kopenhagen zum Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone gewÀhlt, wie die Nato mitteilte.

Breuer setzte sich gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch, die im Fall ihrer Wahl die erste Frau an der Spitze des MilitÀrausschusses geworden wÀre. Er soll im Juli 2027 die Nachfolge des derzeitigen Amtsinhabers antreten.

Breuer dankte "fĂŒr das in mich gesetzte Vertrauen". "Die UnterstĂŒtzung der Generalstabschefs unserer Nato-VerbĂŒndeten bedeutet mir viel. Im BĂŒndnis liegen große Aufgaben vor uns - fĂŒr unsere Sicherheit und den Frieden in Europa und darĂŒber hinaus", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Als Vorsitzender des MilitĂ€rausschusses werde es ihm ab Mitte nĂ€chsten Jahres darum gehen, die Perspektiven aller Mitgliedstaaten zusammenzufĂŒhren und substanzielle militĂ€rische RatschlĂ€ge in das BĂŒndnis einzubringen. "Mit großem Respekt vor der Aufgabe freue ich mich sehr auf dieses anspruchsvolle und wichtige Amt und darauf, gemeinsam mit unseren VerbĂŒndeten Verantwortung fĂŒr Frieden und Freiheit in unserem BĂŒndnis zu ĂŒbernehmen", sagte Breuer.

Breuer dann militÀrischer Berater des GeneralsekretÀrs

Der Vorsitzende des MilitĂ€rausschusses gilt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten StreitkrĂ€fte in Europa (Saceur) als einer der einflussreichsten MilitĂ€rs der Nato. Er ist der wichtigste militĂ€rische Berater des GeneralsekretĂ€rs und zugleich das Bindeglied, ĂŒber das die gemeinsamen Empfehlungen der Generalstabschefs aller Nato-Mitgliedstaaten den politischen Entscheidungsgremien vorgelegt werden. Zudem werden ĂŒber ihn Weisungen und Richtlinien des MilitĂ€rausschusses an die strategischen Befehlshaber der Nato sowie an den Generaldirektor des Internationalen MilitĂ€rstabs weitergeleitet.

Der bislang letzte Deutsche auf dem Posten war General Harald Kujat. Er war ebenfalls zuvor Generalinspekteur der Bundeswehr gewesen und amtierte von Juli 2002 bis Juni 2005 als Vorsitzender des MilitÀrausschusses.

Die Wahl von General Breuer gilt im BĂŒndnis auch als Zeichen der WertschĂ€tzung dafĂŒr, dass die Bundesrepublik zuletzt erheblich zur Steigerung der europĂ€ischen VerteidigungsfĂ€higkeiten beitrug. Bei den Verteidigungsausgaben liegt Deutschland nach Nato-Zahlen derzeit mit rund 125 Milliarden Euro klar auf Platz eins in Europa, in der militĂ€rischen Kommandostruktur des BĂŒndnisses besetzt es seit diesem Jahr mehr Spitzenposten als die USA.

Das alles soll es den Vereinigten Staaten ermöglichen, frei werdende Mittel und StreitkrĂ€fte fĂŒr einen massiven Ausbau ihrer Abschreckung im Indopazifik zu nutzen. Die USA sehen mittlerweile nicht mehr Russland, sondern China als Hauptherausforderung fĂŒr ihre eigenen Sicherheitsinteressen.

Breuer fĂŒhrte den Kurswechsel nach der "Zeitenwende"

Breuer ist seit MĂ€rz 2023 Generalinspekteur und damit militĂ€risch verantwortlich fĂŒr die Umorganisation und StĂ€rkung der Bundeswehr, die nach der "Zeitenwende" angestoßen wurde - ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur war Breuer Befehlshaber des Territorialen FĂŒhrungskommandos der Bundeswehr, das er selbst aufgebaut hatte. Bekanntheit erlangte er zuvor auch als Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt.

Breuer trat 1984 in die Bundeswehr ein. Als er seinen Dienst in einem Flugabwehrregiment begann, herrschte in Europa die Konfrontation zwischen Ost und West, der Kalte Krieg.

Breuer war in jungen Jahren Truppenfachlehrer der spĂ€ter aufgelösten Heeresflugabwehr. FĂŒr die Landes- und BĂŒndnisverteidigung wird diese derzeit wieder aufgebaut, damit LandstreitkrĂ€fte im Kampf selbst Bedrohungen aus der Luft im Nahbereich abwehren können.

In militĂ€rischen Laufbahnen fĂŒr Topposten wechseln sich Aufgaben als Kommandeur und politische Verwendungen wie im Verteidigungsministerium ab. In den Jahren 2015 und 2016 war Breuer Projektbeauftragter fĂŒr das Weißbuch zur Zukunft der Bundeswehr.

Wer wird General an der Spitze der Bundeswehr?

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) steht nach der Wahl Breuers in den kommenden Monaten vor der Entscheidung, wen er stattdessen an die militÀrische Spitze der Bundeswehr setzt.

In frĂŒheren Jahren wurde der damalige Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, als möglicher Nachfolger genannt. Er ist seit Juni 2025 Befehlshaber des operativen Nato-Hauptquartiers im niederlĂ€ndischen Brunssum, verantwortlich fĂŒr weitere Teile der Nato-Ostflanke. Deutschland steht mit dem General erstmals in der Verantwortung.

Als ein möglicher Kandidat fĂŒr den Posten des Generalinspekteurs im kommenden Jahr gilt Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des Heeres. Er treibt die Modernisierung der deutschen LandstreitkrĂ€fte voran und war zuvor Chefkoordinator der militĂ€rischen Ukraine-Hilfe Deutschlands.

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