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Deutscher Immobilienmarkt: Mietpreise steigen, Kaufpreise erholen sich

28.04.2026 - 17:20:01 | boerse-global.de

Die Schere zwischen Miet- und Kaufpreisen weitet sich aus. WĂ€hrend Neuvertragsmieten stark anziehen, zeigen Immobilienpreise erste Erholungstendenzen. Energieeffizienz wird zum entscheidenden Preisfaktor.

Deutscher Immobilienmarkt: Mietpreise steigen, Kaufpreise erholen sich - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Deutscher Immobilienmarkt: Mietpreise steigen, Kaufpreise erholen sich - Foto: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend Neuvertragsmieten in Ballungszentren weiter anziehen, zeigen sich bei Immobilienpreisen erste Erholungstendenzen. Energieeffizienz wird zum entscheidenden Faktor.

Mietexplosion im Umland

Die Neuvertragsmieten sind bundesweit um 3,5 Prozent gestiegen. Besonders heftig trifft es DĂŒsseldorf mit einem Plus von 5,9 Prozent, gefolgt von Köln (5,7 Prozent) und Hamburg (5,1 Prozent). Einzig Berlin fĂ€llt aus dem Rahmen: Hier sanken die Mieten um 0,8 Prozent.

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Noch deutlicher fĂ€llt der Anstieg im Umland der sieben grĂ¶ĂŸten StĂ€dte aus: plus 4,2 Prozent. Der Grund? Viele ziehen aus den teuren Zentren ins Umland. In Kleve an der niederlĂ€ndischen Grenze stiegen die Angebotsmieten innerhalb von vier Jahren um fast 20 Prozent – bundesweit Spitze unter den MittelstĂ€dten.

Kaufpreise ziehen wieder an

Nach einer Phase der Stagnation erholen sich auch die Kaufpreise. Das Statistische Bundesamt verzeichnete fĂŒr das dritte Quartal 2025 ein Plus von 3,3 Prozent. FĂŒr 2026 prognostiziert der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) einen moderaten Anstieg um 3,1 Prozent.

Entscheidend ist die Energieeffizienz. Laut Ökonomen wie Pekka Sagner vom Institut der deutschen Wirtschaft schlĂ€gt sich der energetische Zustand einer Immobilie mittlerweile dauerhaft in den Marktpreisen nieder.

Bauzinsen bleiben hoch

Trotz leichter Erholung: Die Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Bauzinsen fĂŒr zehnjĂ€hrige Kredite liegen bei knapp 4 Prozent – eine erhebliche Belastung nach den Tiefzinsphasen frĂŒherer Jahre. Die Bundesbank warnt zudem, dass Kreditinstitute ihre Vergaberichtlinien verschĂ€rft haben.

Geopolitische Faktoren wie der Iran-Konflikt bringen zusĂ€tzliche Unsicherheit. Zwar fĂ€llt der Energiepreisschock weniger gravierend aus als 2022, dennoch treiben die Risiken Inflation und Zinsen. In Hessen stagnieren die Baugenehmigungen bei rund 1.130 Wohnungen – ein leichtes Plus zum Vorjahr, aber 40 Prozent unter dem Niveau von 2021.

Großinvestition in Berlin

Ein Lichtblick: Die EuropĂ€ische Investitionsbank (EIB) und das Berliner Wohnungsunternehmen HOWOGE vereinbarten einen unbesicherten Kreditrahmen ĂŒber 500 Millionen Euro. Das Geld soll bis 2029 den Neubau von rund 3.200 Wohneinheiten ermöglichen. Es ist die grĂ¶ĂŸte EIB-Einzelfinanzierung fĂŒr den Wohnungsbau in Deutschland seit einem Jahrzehnt. Mindestens die HĂ€lfte der Wohnungen soll gefördert sein.

Neue Projekte bundesweit

Trotz schwieriger Gesamtlage entstehen neue Projekte mit Fokus auf Nachhaltigkeit. In Berlin-Westend starteten die Arbeiten fĂŒr „arrive westend“ – 305 Mietwohnungen in sechs GebĂ€udeteilen, Fertigstellung 2028. In Paderborn entsteht ein Klimaquartier mit NahwĂ€rmenetz auf Holzhackschnitzel-Basis. In MĂŒnchen wird am „Sendlinger Loch“ gebaut, wo nach Umplanung 186 Mietwohnungen entstehen.

Ein neues Wohnquartier am Stöckachplatz in Stuttgart wird morgen eingeweiht. Auf dem GelÀnde einer ehemaligen Schule entstanden 28 Wohnungen, eine KindertagesstÀtte und ein Supermarkt.

Kommunen am Limit

Diesen Erfolgen stehen massive Defizite gegenĂŒber. In Wermelskirchen konnten 2025 keine Fördermittel fĂŒr öffentlichen Wohnungsbau bewilligt werden – das Budget reichte nicht. AntrĂ€ge in Höhe von 43 Millionen Euro standen lediglich 15 Millionen Euro gegenĂŒber. In Friesland und Wilhelmshaven bleiben Baugebiete politisch blockiert oder EntwicklungsflĂ€chen fehlen.

SchattenmÀrkte entstehen

Die Knappheit fĂŒhrt zu irregulĂ€ren Praktiken. Bestandsmieter verlangen bei Untervermietungen ĂŒberhöhte Abschlagszahlungen fĂŒr Möbel oder unzulĂ€ssige ZuschlĂ€ge. Diese informellen Preissteigerungen entziehen sich der Statistik.

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Die Zahl möblierter Angebote auf Portalen hat sich verdreifacht, wĂ€hrend klassische Inserate fĂŒr unbefristete MietverhĂ€ltnisse zurĂŒckgehen. In MĂŒnchen erreichen Quadratmeterpreise bei NeuvertrĂ€gen Spitzenwerte von ĂŒber 23,50 Euro.

Europa warnt vor sozialer InstabilitÀt

In BrĂŒssel diskutiert das EU-Parlament ĂŒber Investitionsprogramme. Bauziele werden in vielen Mitgliedstaaten regelmĂ€ĂŸig verfehlt. Die Wartezeiten fĂŒr Sozialwohnungen betragen in einigen Regionen bis zu zehn Jahre.

Ausblick: Erholung auf Sicht

Der BVR erwartet fĂŒr 2026 eine Wertsteigerung von etwa 3 Prozent. Immobilien könnten im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie Gold wieder attraktiver werden.

Die Bauwirtschaft blickt gespannt auf 2027 und 2028. Dann sollen zahlreiche Großprojekte fertiggestellt werden. Ob das reicht, bleibt fraglich. Entscheidend wird sein, ob Förderprogramme wie das EIB-HOWOGE-Abkommen Schule machen.

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