GefĂ€lschte FuĂballtrikots - wovor Experten warnen
05.06.2026 - 06:06:35 | dpa.deDie Nachfrage nach Fanartikeln steige rund um groĂe Sportereignisse, sagte Julia Hentsch, Leiterin Rechts- und Verbraucherpolitik im Markenverband. "Damit steigt erfahrungsgemÀà auch das Angebot an FĂ€lschungen signifikant an." Ein Ăberblick ĂŒber das Thema:
Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden durch gefÀlschte Produkte?
GefÀlschte Trikots werden nirgends erfasst. Die Entwicklung ist deshalb schwer zu beziffern. Der Markt spiele sich im Verborgenen ab, sagt Hentsch.
Laut einer 2024 veröffentlichen SchĂ€tzung des Amts der EuropĂ€ischen Union fĂŒr geistiges Eigentum (EUIPO) verursachen gefĂ€lschte Sportartikel in der EuropĂ€ischen Union jĂ€hrlich rund 850 Millionen Euro Schaden. Das entspricht etwa elf Prozent des Branchenumsatzes. Deutschland zĂ€hlt der Auswertung zufolge zu den besonders betroffenen LĂ€ndern. Nach Angabe des EUIPO fallen durch ProduktfĂ€lschungen in den Bereichen Bekleidung, Kosmetik und Spielwaren in der EU demnach jedes Jahr etwa 200.000 ArbeitsplĂ€tze weg, 40.000 davon in Deutschland.
Der Zoll stellte 2025 etwa 4,6 Millionen ProduktfĂ€lschungen mit einem geschĂ€tzten Wert von knapp 450 Millionen Euro sicher. Eine AufschlĂŒsselung nach Trikots gibt es nicht. "Es bedrĂŒckt mich, wenn ich höre, dass Menschen FĂ€lschungen kaufen. Da ist mir zu viel Geiz-ist-geil-MentalitĂ€t", sagt Intersport-Chef Alexander von Preen. Man mĂŒsse wertschĂ€tzen, was HĂ€ndler und Hersteller auf den Markt bringen.
Wie viele Menschen kaufen gefÀlschte Trikots - und warum?
Fast jeder FĂŒnfte (19 Prozent) in Deutschland hat - etwa im Internet oder auf MĂ€rkten oder in GeschĂ€ften in Urlaubsorten im Ausland - schon einmal oder mehrfach ein FuĂballtrikot gekauft, bei dem es sich vermutlich nicht um ein Originalprodukt handelte. Das zeigt eine am 19. Mai durchgefĂŒhrte reprĂ€sentative YouGov-Umfrage mit etwa 4.000 Menschen ab 18 Jahren. Am höchsten ist der Anteil bei Personen zwischen 18 und 24 Jahren (31 Prozent).
Es gebe einen Markt fĂŒr gefĂ€lschte Trikots, sagt eine Sprecherin des Deutschen Patent- und Markenamts. Verbraucher trĂŒgen mit dem bewussten oder unbewussten Kauf selbst dazu bei. Laut Expertin Hentsch sehen viele vor allem den Preisvorteil. WĂ€hrend Trikots in Urlaubsorten vielfach fĂŒr 15 oder 20 Euro zu haben sind, kostet ein Originalprodukt rund 100 Euro. Laut einer 2023 veröffentlichten EUIPO-Analyse halten rund ein Drittel der EuropĂ€er den Kauf von FĂ€lschungen fĂŒr akzeptabel, wenn das Original zu teuer ist.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten seien Nachahmerprodukte willkommen, "weil sie das Budget schonen", sagt Intersport-Chef von Preen. Je stÀrker die Begehrlichkeit zu bestimmten Produkten sei, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass es FÀlschungen gebe. Richtige Fans seien jedoch darauf aus, ein Original von entsprechender QualitÀt zu haben. Der Abverkauf der WM-Trikots laufe "sehr gut", so von Preen.
Woran kann man gefÀlschte Trikots erkennen?
"Auf touristischen WochenmĂ€rkten ein echtes Adidas DE000A1EWWW0-Trikot zu bekommen, liegt im Promille-Bereich", sagt Hentsch. Originalhersteller vertrieben ihre Produkte ĂŒber autorisierte Anbieter - nicht ĂŒber fliegende HĂ€ndler auf MĂ€rkten oder dubiose Internetseiten. Verbraucher sollten bei vermeintlichen SchnĂ€ppchen vorsichtig sein, rĂ€t sie. "Wer sicher sein möchte, ein Original zu kaufen, sollte auf vertrauenswĂŒrdige Verkaufsstellen achten."
GefÀlschte Trikots erkenne man meist nicht an einzelnen Merkmalen. "HÀufig lassen sich FÀlschungen an einer sichtbar schlechten Verarbeitung erkennen. Etwa, wenn sich NÀhte lösen oder Drucke unsauber sind. Verbraucher sollten daher sowohl auf die ProduktqualitÀt als auch auf die Verkaufsumgebung achten." Einige Hersteller wie Adidas setzen inzwischen auf Sicherheitsmerkmale wie QR-Codes oder spezielle Etiketten.
Welche Risiken bergen FĂ€lschungen?
"Oft enthalten nicht regulierte oder gefĂ€lschte Produkte gesundheitsgefĂ€hrdende Stoffe in Konzentrationen, die weit ĂŒber den zulĂ€ssigen Grenzwerten liegen", sagt Hentsch. Dazu zĂ€hlten unter anderem Phthalate, Blei, Formaldehyd oder PFAS, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Die Stoffe stĂŒnden im Verdacht, hormonell zu wirken, Allergien auszulösen oder langfristig gesundheitsschĂ€dlich zu sein. FĂ€lschungen entstĂŒnden oft unter schlimmen Bedingungen - mit Kinderarbeit, ohne Arbeitsschutz und QualitĂ€tskontrollen, betont Hentsch.
Welche Strafen drohen VerkÀufern und KÀufern?
"Der Verkauf gefĂ€lschter Markenware verstöĂt gegen das Markengesetz und kann als Markenrechtsverletzung oder Betrug gewertet werden", sagt Hentsch. Es drohen demnach Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu 3 Jahren, in schweren FĂ€llen sogar bis zu 5 Jahren. KĂ€ufer sind Hentsch zufolge meist weniger stark von strafrechtlichen Konsequenzen betroffen, da der private Kauf in Deutschland nicht strafbar sei. Dennoch bestehen Risiken. "Wird beispielsweise ein Fake-Trikot aus dem Nicht-EU-Ausland bestellt, kann der Zoll die Ware beschlagnahmen. Der KĂ€ufer erhĂ€lt die Ware nicht, und das Geld ist meist verloren."
Je nach Reiseland kann laut Hentsch aber auch der private Erwerb gefĂ€lschter Markenware Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen - etwa in Italien. "Wer sicher sein will, dass am Ende nicht die Handschellen klicken, der verzichtet besser auf vermeintliche Trikot-SchnĂ€ppchen auf MĂ€rkten oder bei StraĂenhĂ€ndlern."
Adidas geht nach eigenen Angaben schwerpunktmĂ€Ăig gegen HĂ€ndler und Importeure gefĂ€lschter Produkte sowie gegen sogenannte Fakeshops vor. Man arbeite eng mit Behörden zusammen, um Markenrechtsverletzungen konsequent zu verfolgen, sagte ein Sprecher. Konsumenten wird geraten, Produkte im Fachhandel oder direkt bei Adidas zu erwerben.
Warum ist es so schwierig, gegen den illegalen Handel vorzugehen?
LĂ€nder- und kontinentĂŒbergreifend gegen Produkt- und Markenpiraterie vorzugehen sei Ă€uĂerst komplex, betont das Deutsche Patent- und Markenamt - zumal es sich dabei oft um einen Kampf gegen organisierte KriminalitĂ€t handele. Laut Hentsch schreckten Behörden vor Ort hĂ€ufig davor zurĂŒck, Touristen zu belangen, um den wichtigen Tourismussektor nicht zu gefĂ€hrden.
Im Internet gestaltet sich die Strafverfolgung der Expertin zufolge als zĂ€h. Klarnamen von VerkĂ€ufern seien oft schwer zu ermitteln. Die Anbieter sĂ€Ăen in aller Regel im Ausland. Die Vollstreckung sei langwierig und teuer - mit ungewissen Erfolgsaussichten. Markenverband und Handelsverband Deutschland drĂ€ngen auf stĂ€rkere Kontrollen, eine klare Haftung der Online-Plattformen sowie mehr Personal und bessere Ausstattung fĂŒr Zoll und MarktĂŒberwachung.
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