Gewerkschaften warnen vor Reform
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 09:03 Uhr | dpa.deWÀhrend ArbeitgeberprÀsident Rainer Dulger auf eine Reform pocht, warnte der stellvertretende DGB-Chef Stefan Körzell: "Wer den Acht-Stunden-Tag angreift, spielt mit dem Feuer." Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei seiner Sommerpressekonferenz Mitte Juli gesagt, er erwarte im Herbst einen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin BÀrbel Bas (SPD) zur Arbeitszeitreform.
Bereits in ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Möglichkeit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit zu schaffen. Dulger sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die SpielrĂ€ume der europĂ€ischen Arbeitszeitrichtlinie werden fast ĂŒberall genutzt, nur bei uns nicht." Er argumentierte: "Wenn eine wöchentliche Höchstarbeitszeit so gefĂ€hrlich wĂ€re, mĂŒssten Arbeitnehmer in Belgien und Italien reihenweise krank im Bett liegen." Ihre Krankheitsquoten seien aber sogar niedriger.
Das deutsche Arbeitszeitgesetz begrenzt die tÀgliche Arbeitszeit auf acht Stunden. Sie kann nur mit Ausgleich innerhalb eines halben Jahres auf bis zu zehn Stunden verlÀngert werden. Die europÀische Arbeitszeitrichtlinie sieht dagegen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vor.
Arbeitgeber: "Arbeitszeitgesetz stammt aus Ăra von Telex"
Dulger sagte, sogar eine Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder wĂŒnsche sich eine Wochenhöchstarbeitszeit. "Das Arbeitszeitgesetz stammt aus der Ăra von Telex und WĂ€hlscheibe."
Körzell sagte der dpa: "Richtig ist, dass die Mehrheit der BeschĂ€ftigten - auch die Gewerkschaftsmitglieder - keine ĂŒberlangen Arbeitszeiten will." Die Arbeitgeber wollten die Höchstarbeitszeit ausweiten - "und damit zurĂŒck zum Herr-im-Hause-Prinzip", so der Gewerkschafter. "GeschĂ€ftsfĂŒhrer sollen wieder allein anordnen können, wie lange gearbeitet wird."
DGB warnt vor "RĂŒckfall ins 19. Jahrhundert"
Körzell warnte vor einem "RĂŒckfall ins 19. Jahrhundert". Mit einer modernen Arbeitsgesellschaft habe das nichts zu tun. "Im schlimmsten Fall könnten BeschĂ€ftigte in nicht tarifgebundenen Unternehmen dazu verdonnert werden, bis zu 13 Stunden tĂ€glich zu arbeiten - dabei sind viele Belegschaften schon heute ausgelaugt."
Ein Unternehmen, das keine AuftrÀge habe, bekomme auch nicht dadurch mehr, dass seine BeschÀftigten lÀnger arbeiten könnten. TarifvertrÀge böten zudem schon viel FlexibilitÀt, etwa zu Schichtarbeit. "Wo kein Tarifvertrag existiert, ist der gesetzlich geregelte Acht-Stunden-Tag oft das entscheidende Schutzinstrument - das muss erhalten bleiben", forderte Körzell. Das Unfallrisiko steige exponentiell, werde lÀnger als acht Stunden gearbeitet.
Reformpaket ohne Arbeitszeitreform
Mitte Juni war ein erster Entwurf zur Ănderung des Arbeitszeitgesetzes aus dem zustĂ€ndigen Arbeitsministerium durchgesickert. Darin blieb der Acht-Stunden-Tag grundsĂ€tzlich unangetastet. Ausnahmeregelungen sollten aber erweitert werden. WirtschaftsverbĂ€nde Ă€uĂerten Kritik. Aus Kreisen des Arbeitsministeriums wurde darauf verwiesen, dass der bekanntgewordene Entwurf noch in einem frĂŒhen Stadium und unabgestimmt sei.
Anfang Juli hatten sich Union und SPD in einem Koalitionsausschuss auf ein Reformpaket geeinigt, um die Wirtschaft flottzubekommen. Die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit war dabei aufgeschoben und ein Konfliktpunkt damit im Kanzleramt vorerst aus dem Spiel genommen worden.
