ROUNDUPWertpapiere, Tagesgeld

Offensive der Sparkassen

17.03.2026 - 13:28:22 | dpa.de

Deutschlands Sparkassen wollen im Stil von Neo-Brokern mehr Kunden zu Wertpapieranlegern machen und so zugleich Gelder fĂŒr Investitionen in Europa mobilisieren.

"Das politische Interesse in Europa sollte sich stĂ€rker darauf richten, europĂ€isches Kapital fĂŒr europĂ€ische Investments zu gewinnen. Da wĂŒnschen wir uns mehr den Fokus auf ganz normale Privatanleger", sagte der PrĂ€sident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Ulrich Reuter, in Frankfurt.

"Wir regen an, gemeinsam neue Modelle fĂŒr eine Mobilisierung privaten Kapitals fĂŒr europĂ€ische Infrastrukturen zu entwickeln. Und dem mindestens genau so viel Aufmerksamkeit wie einer europĂ€ischen Kapitalmarktunion zu schenken", sagte Reuter.

Tagesgeld: Beliebt, aber oft unrentabel

TatsĂ€chlich schlummern gewaltige Summen auf meist niedrig verzinsten Tagesgeldkonten - auch bei den öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die dafĂŒr nach Analysen von Vergleichsportalen wie Verivox im Schnitt sogar noch weitaus weniger Zinsen zahlen als ĂŒberregionale Kreditinstitute.

Die - in aller Regel unverzinsten - Sichteinlagen bei den 339 Sparkassen erhöhten sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fast 48 Milliarden Euro auf 845,1 Milliarden Euro. "Gerade in unsicheren Zeiten will man liquide bleiben. Faktisch verliert man damit aber Geld", sagte Reuter. Reuter betonte: "Die Kunden sind weder trÀge noch dumm, sie sind einfach vorsichtig."

Zwar investierten die Privatkunden der Sparkassen der Jahresbilanz zufolge auch stĂ€rker in Wertpapiere wie Fonds und ETFs: Der Nettoabsatz, also KĂ€ufe minus VerkĂ€ufe, lag mit 18,4 Milliarden Euro deutlich ĂŒber dem Vorjahresergebnis. Vor allem mit Blick auf das Rekordjahr 2023 sei aber noch Luft nach oben, sagte Reuter.

Wertpapierhandel soll einfacher werden

Mit "S-Neo" ermöglichen die Sparkassen ab Mitte des Jahres den Handel von mehr als 21.000 Wertpapieren direkt in der App. ZunĂ€chst soll das digitale Wertpapierangebot den 19,8 Millionen Nutzerinnen und Nutzern der Sparkassen-App zur VerfĂŒgung stehen, ab Ende 2026 oder Anfang nĂ€chsten Jahres soll es auch fĂŒr Menschen geöffnet werden, die bislang noch keine Sparkassenkunden sind.

"Die Preisentscheidung liegt bei den Instituten selbst. Ich habe aber die Erwartung, dass S-Neo in der Angebotsbreite und bei den Preisen absolut wettbewerbsfÀhig zu anderen Neo-Brokern sein wird", sagte Reuter. "Wir glauben sogar, dass wir im Gesamtpaket besser sein werden als jeder heutige Neo-Broker."

Bilanziert wird im nĂ€chsten Jahr. FĂŒr 2025 ergab sich fĂŒr die Sparkassen nach vorlĂ€ufigen Zahlen ein Vorsteuergewinn von 7,9 (2024: 7,4) Milliarden Euro. Unter dem Strich stehen unverĂ€ndert 2,8 Milliarden Euro Überschuss.

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