Frankfurt Schluss: Iran-Abkommen bringt Anleger in Kauflaune
15.06.2026 - 18:19:58 | dpa.deGut für die Stimmung war auch der erfolgreiche Rekord-Börsengang des Weltraum- und KI-Konzerns SpaceX US84615Q1031.
Allerdings konnte der Schwung dem Dax DE0008469008 nicht dauerhaft über die Marke von 25.000 Punkten verhelfen, das Börsenbarometer schloss nahe seines Tagestiefs. Letztlich gewann der Leitindex 1,05 Prozent auf 24.894,01 Punkte. Zu seinem Rekordhoch von 25.507 Punkten blieb er damit noch auf Abstand. Für den MDax DE0008467416 der mittelgroßen Werte ging es zum Wochenstart um 1,56 Prozent auf 32.582,63 Zähler aufwärts.
Auf europäischer Ebene stieg der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 um 0,7 Prozent. Der Londoner FTSE 100 GB0001383545 verlor 0,4 Prozent und der Züricher SMI CH0009980894 stieg um 0,1 Prozent. In New York legte der Dow Jones Industrial US2605661048 zum europäischen Börsenschluss um 0,7 Prozent zu.
Nach wochenlangem Hin und Her konnten sich die Kriegsparteien auf eine Absichtserklärung einigen, die eine Verlängerung der Waffenruhe und eine Wiedereröffnung der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Straße von Hormus für vorerst 60 Tage vorsieht. Die Einigung soll den Grundstein für weitere Verhandlungen legen, die etwa Teherans Atomprogramm zum Thema haben.
Dies sorgte für nachgebende Ölpreise und dämpfte Konjunktur- und Inflationssorgen. Vor den Zinsentscheidungen wichtiger Notenbanken, darunter jener der US-Fed am Mittwoch, könnte dies perspektivisch den Handlungsdruck etwas mildern, hieß es. "Trotz dieser zweifelsohne guten Nachrichten bleiben einige Unwägbarkeiten und offene Fragen", kommentierte Finanzanalyst Yannik Mosbach vom Bankhaus Metzler die Lage.
Im Frankfurter Aktienhandel gaben Anleger zyklischen Werten wieder den Vorzug vor solchen mit defensivem Charakter. Gefragt waren etwa Aktien aus den Branchen Tourismus und Luftfahrt: Titel von Tui DE000TUAG505, Lufthansa DE0008232125 oder Airbus NL0000235190 schnellten im Größenbereich von 2,5 bis 4,5 Prozent hoch.
Dagegen sorgte der mögliche Frieden im Iran bei Öl- und Energiewerten für einen Dämpfer, wie das Minus von 2,2 Prozent beim Dax-Mitglied RWE DE0007037129 zeigte. Als Hersteller von Ölalternativen waren die Titel des Biosprit-Herstellers Verbio DE000A0JL9W6 in den vergangenen Monaten ein Profiteur des Iran-Kriegs gewesen. Sie setzten nun ihren jüngsten Abwärtstrend mit einem Rückgang von 4,0 Prozent fort.
Auch das Interesse an Rüstungswerten wurde von der Aussicht auf Frieden im Iran gebremst. Die Papiere von Rheinmetall DE0007030009 fielen als Dax-Schlusslicht um 4,6 Prozent. Nach einem Medienbericht sorgt sich der Konzern nach dem Aus für ein deutsch-französisches Kampfflugzeug nun auch um das gemeinsame Panzerprojekt MGCS. Im MDax waren mit Renk DE000RENK730 und Hensoldt DE000HAG0005 ebenfalls zwei Rüstungswerte unter den schwächsten Aktien.
Im Bankensektor scherten die Titel der Commerzbank DE000CBK1001 mit einem Abschlag von 1,7 Prozent nach unten aus. Im Abwehrkampf gegen eine Übernahme durch den Konkurrenten Unicredit IT0005239360 gehen die gegenseitigen Attacken weiter. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp konterte auf einer Finanztagung in Frankfurt vorherige Drohungen der Italiener, die eine Absetzung des Vorstands ins Spiel gebracht hatten.
Die Aktien von Redcare Pharmacy NL0012044747 reagierten mit einem Kurssprung von mehr als 17 Prozent auf angehobene Jahresziele der Online-Apotheke. Sie stiegen auf den höchsten Stand seit Anfang März und waren Spitzenreiter im MDax. Das Unternehmen erhöhte aufgrund einer bisher guten Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal den Jahresausblick für Umsatzwachstum und Profitabilität./edh/men
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---
