LÀnder stellen sich gegen Reiches Energie-ReformplÀne
22.05.2026 - 17:35:04 | dpa.deBei der Energieministerkonferenz auf Norderney hĂ€tten sich die LĂ€nder einstimmig zur Energiewende und zum weiteren Ausbau der Erneuerbaren bekannt, sagte Niedersachsens Energieminister und Gastgeber der Konferenz, Christian Meyer (GrĂŒne). "Wir wollen den Kurs halten und das ist parteiĂŒbergreifend der groĂe Konsens."
Die Bundesregierung um Bundeswirtschaftsministerin Reiche plant eine Reihe von Reformen bei der Energiewende, die bei den LĂ€ndern teils auf deutliche Ablehnung stoĂen. So möchte die Ministerin mit einem sogenannten Netzpaket den Zubau von Wind- und Solaranlagen besser mit dem Netzausbau abstimmen, um so Kosten zu senken.
Streit um Tempo beim Erneuerbaren-Ausbau
Wenn bislang eine Ăberlastung der Stromnetze droht, mĂŒssen etwa die Leistungen von Windkraft- und Solaranlagen gedrosselt oder ganz abgeschaltet werden. Diese Eingriffe werden Redispatch genannt. Werden solche Anlagen abgeregelt, stehen den Betreibern EntschĂ€digungen zu. Umgekehrt werden Kraftwerksbetreiber fĂŒr den zusĂ€tzlichen Einsatz ihrer Anlagen bezahlt - das kostet jedes Jahr Milliarden.
Reiche plant dafĂŒr einen sogenannten Redispatchvorbehalt. Betreiber neuer Ăkostrom-Anlagen in ĂŒberlasteten Netzgebieten sollen laut Gesetzentwurf kĂŒnftig keine EntschĂ€digung mehr erhalten, wenn ihre Anlagen wegen drohender NetzĂŒberlastung abgeschaltet werden mĂŒssen.
Die BundeslĂ€nder fĂŒrchten, dass der Plan den Ausbau der Erneuerbaren ausbremsen wird. "Einstimmig haben wir gesagt, dieser Vorschlag ist fĂŒr uns nicht zielfĂŒhrend", sagte Energieminister Meyer. "Wir wollen eine erfolgreiche Energiewende. Und wenn dort viel ĂŒberschĂŒssige Energie ist, dann muss man dafĂŒr sorgen, den Netzausbau zu beschleunigen."
Auch Schleswig-Holsteins Energieminister Tobias Goldschmidt warnte vor einer "Netzbremse". Die LĂ€nder wĂŒrden das vom Bund vorgeschlagene Instrument geschlossen ablehnen. "16 LĂ€nder haben sich dagegen gestellt."
UnterstĂŒtzung fĂŒr diese Position kam aus der GrĂŒnen-Fraktion im Bundestag. GrĂŒnen-Energiepolitiker Michael Kellner begrĂŒĂte die Entscheidung der LĂ€nder. "Gemeinsam lehnen sie die Sabotage der Energiewende durch Katherina Reiche ab. Das ist ein wichtiges Signal der parteiĂŒbergreifenden Einigkeit."
Reiche fehlt bei Konferenz
Eigentlich hĂ€tten die Energieminister auch gern direkt mit Reiche ĂŒber ihre Kritikpunkte gesprochen. Die Ministerin hatte ihre Teilnahme allerdings krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt und wurde zeitweise von einem digital zugeschalteten StaatssekretĂ€r vertreten.
Bei einigen LĂ€nderministern sorgte das fĂŒr Unmut. "Es ist nicht klug, wenn der Bund an solchen Konferenzen nicht prominent teilnimmt", mahnte Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD). Viele Fragen der Energiewende mĂŒssten Bund und LĂ€nder gemeinsam lösen.
Solaranlagen auf DĂ€chern
Auch Reiches PlĂ€ne fĂŒr kleinere Solaranlagen stoĂen bei den LĂ€ndern auf Kritik. Die Ministerin will die Förderung neuer Anlagen mit weniger als 25 Kilowatt Leistung ab 2027 auslaufen lassen. Die Energieminister betonten dagegen, Solaranlagen auf DĂ€chern seien ein zentraler Baustein der Energiewende.
Meyer sagte, auch in diesem Punkt habe unter den LĂ€ndern Einigkeit geherrscht: "Wir wollen eine Förderung weiterhin fĂŒr kleine Dachsolaranlagen." Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Goldschmidt wandte sich zudem gegen Ăberlegungen des Bundes, den Schwerpunkt stĂ€rker auf groĂe FreiflĂ€chenanlagen zu legen.
Strategische Gasreserve
Auch die Versorgungssicherheit spielte bei der Konferenz eine wichtige Rolle. Die Energieministerinnen und -minister sprachen sich fĂŒr den Aufbau einer strategischen Gasreserve fĂŒr KrisenfĂ€lle aus. Sachsen-Anhalts Energieminister Willingmann verwies auf die Erfahrungen der Energiekrise 2022 und warnte davor, erneut in Versorgungsschwierigkeiten zu geraten. Es gehe dabei nicht um dauerhaft maximal gefĂŒllte Speicher, sondern um abgesicherte Reserven fĂŒr KrisenfĂ€lle.
Ob eine solche strategische Gasreserve tatsĂ€chlich kommt, ist noch offen. Hintergrund ist das Auslaufen der aktuellen Regelungen zu MindestfĂŒllstĂ€nden der Gasspeicher im kommenden Jahr. Die Regierungskoalition hat sich vorgenommen, dafĂŒr neue Instrumente zu entwickeln.
Senkung der Stromsteuer
Zudem appellierten die LĂ€nderenergieminister an die Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag zugesagte Senkung der Stromsteuer zĂŒgig umzusetzen. Bislang wurde die Stromsteuer nur fĂŒr die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie fĂŒr die Land- und Forstwirtschaft gesenkt - nicht aber fĂŒr private Haushalte und alle Unternehmen. Die LĂ€nder forderten die Bundesregierung auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen.
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