ROUNDUP, Bas

Bas will Rentenplan nicht zerreden lassen

24.06.2026 - 06:35:03 | dpa.de

Die Bundesregierung will die weitreichenden Empfehlungen der Rentenkommission möglichst eins zu eins umsetzen.

Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas mahnte im ZDF-"heute journal", man dĂŒrfe das Gesamtkonstrukt jetzt "nicht zerreden". "Hier hĂ€ngt wirklich alles mit allem zusammen", sagte die SPD-Vorsitzende. Gewerkschaften und Arbeitgeber sehen Licht und Schatten bei den 33 VorschlĂ€gen der Kommission.

Was monieren die Gewerkschaften?

Die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Yasmin Fahimi, lehnt das Konzept nicht rundweg ab, kritisiert es aber in wesentlichen Punkten. Positiv hob die frĂŒhere SPD-GeneralsekretĂ€rin in einem ZDF-"spezial" das Bekenntnis der Kommission hervor, es mĂŒsse eine lebensstandardsichernde Rente fĂŒr alle geben. Damit sei auch klar, dass es steigende BeitrĂ€ge und mehr ErwerbstĂ€tige brauche, die in die Rentenkassen einzahlen. "Ein paar richtige Tendenzen", aber auch UnschĂ€rfen und Ungerechtigkeiten - so lautete das Fazit von Fahimi.

FĂŒr ungerecht hĂ€lt die DGB-Vorsitzende das geplante Aus der vorzeitigen Rente ohne AbschlĂ€ge - frĂŒher ab 63, heute ab 64,5 Jahren. Es gehe um Menschen, die im Schnitt zehn Jahre mehr eingezahlt hĂ€tten als restliche Rentenbezieher, sagte Fahimi. Die bisherige Regelung sei fair und mĂŒsse beibehalten werden.

Offene Fragen sieht sie auch bei der vorgeschlagenen verpflichtenden "Kapitalrente", die das Rentenniveau stabilisieren soll. DafĂŒr soll der von Arbeitnehmern und Arbeitgebern hĂ€lftig gezahlte Rentenbeitrag um bis zu zwei Prozentpunkte erhöht werden. Aus Sicht der DGB-Chefin sollte dies in die betriebliche Altersvorsorge auf tariflicher Basis eingebunden werden, nicht in die umlagefinanzierte erste SĂ€ule der Altersversorgung.

Was haben die Arbeitgeber zu beklagen?

Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Arbeitgeberverbandes BDA, Steffen Kampeter, attestierte der Bundesregierung im ZDF "politischen Mut", weil sie sich uneingeschrĂ€nkt hinter die VorschlĂ€ge stelle. Das bedeute aber nicht, dass die Wirtschaft "alles super" daran finde.

Kampeter sieht vor allem zwei Punkte kritisch. Die Zwangsverpflichtung fĂŒr die "Kapitalrente" koste Milliarden und konterkariere das Ziel der Regierung, Arbeit in Deutschland tragfĂ€higer zu machen. Sollte man daran festhalten wollen, mĂŒsse es eine Entlastung an derer Stelle in gleicher GrĂ¶ĂŸenordnung geben, forderte er. Auch die geplante Abschaffung der Minijobs kritisierte Kampeter. CSU-Chef Markus Söder hatte sich mit Blick auf das potenziell stark betroffene Gastgewerbe ebenfalls gegen die Abschaffung der Minijobs ausgesprochen, zugleich aber das Vorschlagspaket als Ganzes begrĂŒĂŸt.

Vereinzelte Kritik auch aus der SPD

Juso-Chef Philipp TĂŒrmer findet die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung ungerecht. Wer lĂ€nger einzahle und arbeite, der sollte auch frĂŒher aus der Arbeit rausgehen können, sagte der Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". Generell sieht TĂŒrmer "Licht und Schatten" in den KommissionsvorschlĂ€gen. Gut sei die geplante Erweiterung des Kreises der Renten-Einzahler durch kĂŒnftige SelbststĂ€ndige.

Die Abschaffung des verfrĂŒhten Renteneintritts bei 45 Versicherungsjahren missfĂ€llt auch Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig. Im "Stern" sagte die SPD-Politikerin, die sich im Landtagswahlkampf befindet, die 33 VorschlĂ€ge könnten nicht "1:1 umgesetzt werden". DarĂŒber mĂŒsse diskutiert werden. "Mit den LĂ€ndern, mit den Sozialpartnern - und vor allem mit den Menschen, die es betrifft."

SPD-Chefin Bas rĂ€umte ein, die Abschaffung der vorgezogenen Rente ohne AbschlĂ€ge fĂŒr Menschen mit mindestens 45 Berufsjahren seien ein "schwerer Brocken" fĂŒr die Sozialdemokraten. Sie lobte aber den geplanten Aufbau eines Kapitalstocks. Auch habe die Kommission VorschlĂ€ge prĂ€sentiert fĂŒr jene, die nicht so lange arbeiten können, etwa verbesserte Erwerbsminderungsrenten und eine neue BerufsunfĂ€higkeitsrente.

Wie geht es nun weiter?

"Wir haben das feste Ziel, es umzusetzen", sagte Bas im ZDF. Der Koalitionsausschuss am 1. Juli solle ĂŒber den weiteren Fahrplan beraten. "Wir wollen das natĂŒrlich jetzt auch spĂ€testens bis Ende des Jahres gesetzgeberisch auf den Weg bringen." ZunĂ€chst wĂ€re aber das Bundeskabinett am Zuge.

Am Ende entscheide das Parlament, betonte die Ministerin. An der einen oder anderen Stelle seien noch Änderungen möglich. Bas verwies auf das sogenannte Strucksche Gesetz: Es geht auf den einstigen SPD-Fraktionschef Peter Struck und dessen Aussage zurĂŒck, kein Gesetz verlasse den Bundestag so, wie es eingebracht wird. Zugleich verwies Bas darauf, dass die Koalitionsfraktionen bereits Zustimmung zu dem Paket als Ganzes signalisiert hĂ€tten. "Ganz anders wird es nicht sein", zeigte sich die Ministerin ĂŒberzeugt.

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