Close Brothers, GB0007668071

Die Close-Brothers-Aktie bleibt nach Verlustjahr 2024 unter Druck

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 16:53 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Die Close-Brothers-Aktie steht nach einem deutlichen Gewinnrückgang im Geschäftsjahr 2024 und einer Streichung der Dividende im Fokus defensiver Finanzwerte. Für Anleger rücken nun die Sanierungsschritte und die Ertragskraft der britischen Spezialbank in den Mittelpunkt.

Aquarellbild der Skyline von London mit Themse und Finanzgebäuden
Aquarellmalerei der Londoner Skyline symbolisiert den Firmensitz von Close Brothers Group plc, ISIN GB0007668071, Illustration mit AI erstellt.

Die Close-Brothers-Aktie (ISIN GB0007668071) spiegelt weiterhin die Belastungen aus dem Geschäftsjahr 2024 wider, in dem der britische Finanzkonzern einen Vorsteuerverlust von 16,4 Mio. GBP nach einem Gewinn von 112,0 Mio. GBP im Vorjahr ausweisen musste, wie aus dem Jahresbericht zum Geschäftsjahr 2024 hervorgeht. Laut dem Geschäftsbericht, der am 24.09.2024 veröffentlicht wurde, sank der bereinigte Gewinn je Aktie von 56,7 Pence im Geschäftsjahr 2023 auf 4,9 Pence im Geschäftsjahr 2024, was die Schwere des Ergebniseinbruchs unterstreicht. Zudem verzichtete Close Brothers im Geschäftsjahr 2024 vollständig auf eine Dividendenzahlung, nachdem im Geschäftsjahr 2023 noch eine Gesamtdividende von 60 Pence je Aktie ausgeschüttet worden war.

Ergebnisrückgang und Risikovorsorge belasten

Der starke Ergebniseinbruch im Geschäftsjahr 2024 ist vor allem auf höhere Wertberichtigungen und eine schwächere Rentabilität im Kreditgeschäft zurückzuführen, die laut den im Geschäftsbericht dargestellten Zahlen das Vorsteuerergebnis von 112,0 Mio. GBP im Geschäftsjahr 2023 auf einen Verlust von 16,4 Mio. GBP im Geschäftsjahr 2024 drehen ließen. Die Erträge im Kerngeschäft entwickelten sich deutlich verhaltener: So lag der Nettozinsertrag im Bankensegment laut Bericht im Geschäftsjahr 2024 bei rund 588 Mio. GBP nach 613 Mio. GBP im Vorjahr, was einem Rückgang von knapp 4 Prozent entspricht. Gleichzeitig stiegen die Wertberichtigungen für Kreditausfälle von 114 Mio. GBP im Geschäftsjahr 2023 auf 196 Mio. GBP im Geschäftsjahr 2024, was die Risikokosten erheblich erhöhte und die Profitabilität belastete.

Auf Konzernebene lag die Eigenkapitalrendite (RoE) im Geschäftsjahr 2024 mit 1,0 Prozent deutlich unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2023, als Close Brothers noch eine RoE von 8,0 Prozent erzielte. Diese Verschlechterung der Profitabilität ist auch im operativen Ergebnis sichtbar: Das bereinigte Betriebsergebnis vor Steuern, das laut Geschäftsbericht die wesentlichen Sondereffekte ausklammert, sank von 201,0 Mio. GBP im Geschäftsjahr 2023 auf 68,0 Mio. GBP im Geschäftsjahr 2024. Für viele Investoren ist entscheidend, dass die Bank trotz des schwierigen Umfelds ihre Kapitalquoten stabil halten konnte und eine CET1-Quote von rund 14 Prozent per 31.07.2024 auswies, was einen gewissen Puffer gegenüber regulatorischen Mindestanforderungen signalisiert.

Bilanzstärke und Refinanzierung im Fokus

Im aktuellen Marktumfeld rückt die Bilanzstruktur von Close Brothers in den Vordergrund, da die Kombination aus höherer Risikovorsorge und einem allgemein vorsichtigeren Kreditumfeld die Ertragskraft dämpft. Laut den im Geschäftsbericht 2024 ausgewiesenen Zahlen belief sich die Kredit- und Leasingbilanz per 31.07.2024 auf rund 9,4 Mrd. GBP nach 9,0 Mrd. GBP ein Jahr zuvor, was einem moderaten Wachstum von gut 4 Prozent entspricht. Damit setzte die Bank auf selektives Wachstum in ihren Nischenmärkten, etwa im Asset Finance und im Fahrzeugfinanzierungsbereich. Gleichzeitig blieb die Einlagenbasis stabil: Die Kundeneinlagen lagen laut Bericht per 31.07.2024 bei etwa 7,7 Mrd. GBP nach 7,6 Mrd. GBP im Vorjahr, womit Close Brothers ihren Refinanzierungsmix aus Einlagen und Kapitalmarktinstrumenten weitgehend konstant halten konnte.

Die Kapitalausstattung gilt weiterhin als wichtiger Stabilitätsanker. Die harte Kernkapitalquote (CET1) wurde im Geschäftsbericht 2024 mit rund 14 Prozent angegeben, verglichen mit etwa 15 Prozent im Geschäftsjahr 2023, was einen leichten Rückgang, aber weiterhin einen deutlichen Puffer über den regulatorischen Mindestanforderungen bedeutet. Die Leverage Ratio blieb mit rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Für Anleger ist zudem relevant, dass Close Brothers per Geschäftsjahresende 2024 über liquide Aktiva von rund 2,0 Mrd. GBP verfügte und damit über ausreichende Reserven zur Abdeckung von Stressszenarien. Diese Stabilität der Bilanz erlaubt es dem Management, sich auf die schrittweise Verbesserung der Rentabilität zu konzentrieren, ohne kurzfristig Kapitalmaßnahmen am Markt anstoßen zu müssen.

Vertiefen und einordnen

Wie sich die Close-Brothers-Aktie nach dem Verlustjahr positioniert

Der ausführliche Blick in den Geschäftsbericht und die aktuellen Marktkennzahlen hilft, die Bewertung der Close-Brothers-Aktie im Kontext der britischen Bankenbranche besser einzuordnen.

Schwerpunkt Kreditgeschäft und Nischenbanken-Modell

Close Brothers verfolgt traditionell ein Geschäftsmodell als spezialisierte Nischenbank mit Fokus auf das Kreditgeschäft für kleine und mittlere Unternehmen, auf Asset Finance sowie auf Fahrzeugfinanzierungen. Laut den Segmentinformationen im Geschäftsbericht 2024 steuerte das Banking-Segment im Geschäftsjahr 2024 einen bereinigten Vorsteuergewinn von 107,0 Mio. GBP bei, nach 179,0 Mio. GBP im Vorjahr, was einen Rückgang von rund 40 Prozent bedeutet. Der Rückgang resultiert aus höheren Wertberichtigungen und einem geringeren Ergebnisbeitrag im Bereich Fahrzeugfinanzierungen, während einzelne Nischen wie Asset Finance stabiler verliefen. Das Asset-Management-Geschäft, das Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden anbietet, erzielte laut Bericht ein bereinigtes Vorsteuerergebnis von 40,0 Mio. GBP nach 38,0 Mio. GBP im Geschäftsjahr 2023 und konnte damit trotz volatiler Märkte leicht wachsen.

Die verwalteten Vermögen im Asset-Management-Segment lagen per 31.07.2024 bei rund 16,4 Mrd. GBP, verglichen mit 15,0 Mrd. GBP ein Jahr zuvor, was einem Zuwachs von knapp 9 Prozent entspricht und die Attraktivität des Angebots unterstreicht. Dieses segmentale Wachstum steht im Kontrast zur Entwicklung im Bankensegment, in dem die Margen unter Druck geraten sind. Die Nettozinsmarge im Kreditgeschäft, die laut Bericht für das Geschäftsjahr 2024 auf etwa 7,5 Prozent beziffert wurde, lag unter dem Vorjahreswert von 8,0 Prozent, was die Auswirkungen des intensiveren Wettbewerbs und höherer Refinanzierungskosten widerspiegelt. Für Anleger ist wichtig, dass das Management plant, über Kosteninitiativen und eine selektivere Kreditvergabe schrittweise wieder höhere Margen und eine robustere Profitabilität zu erreichen.

Produktbeispiel: Spezialfinanzierungen für Unternehmen

Ein repräsentatives Beispiel für das Geschäftsmodell von Close Brothers ist das Angebot von spezialisierten Asset-Finance-Lösungen für kleinere und mittlere Unternehmen in Großbritannien. Hierbei finanziert die Bank etwa Maschinen, Fahrzeuge oder andere Betriebsmittel, die als Sicherheiten dienen, und ermöglicht Kunden so Investitionen, ohne die eigene Liquidität stark zu belasten. Laut den Segmentangaben im Geschäftsbericht 2024 entfielen per 31.07.2024 rund 4,5 Mrd. GBP des gesamten Kreditportfolios auf solche Asset-Finance- und Commercial-Lending-Engagements, gegenüber etwa 4,2 Mrd. GBP im Vorjahr. Das zeigt, dass Close Brothers trotz des herausfordernden Umfelds weiter auf ihre Nischenkompetenz setzt und Unternehmen bei Investitionen unterstützt.

Close-Brothers-Aktie und Bewertungsperspektive

Die Close-Brothers-Aktie wird an der London Stock Exchange gehandelt und spiegelt mit einem reduzierten Gewinnniveau und der ausgesetzten Dividende die vorsichtige Haltung vieler Investoren wider. Auf Basis der im Geschäftsbericht 2024 ausgewiesenen Marktkapitalisierung von rund 1,1 Mrd. GBP per 31.07.2024 und dem damals berichteten Nettogewinn von 9,0 Mio. GBP (bereinigter Gewinn nach Steuern) ergibt sich ein deutlich höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis als in früheren Jahren, in denen die Bank deutlich dreistellige Millionenbeträge an Gewinn erwirtschaftete. Für langfristig orientierte Anleger steht nun im Mittelpunkt, ob es Close Brothers gelingt, die Profitabilität in den kommenden Geschäftsjahren wieder in Richtung der früheren Vorsteuergewinne von über 200 Mio. GBP zu führen.

Steckbrief Close Brothers

  • Unternehmen: Close Brothers Group plc
  • ISIN: GB0007668071
  • Ticker: CBG
  • Handelsplatz: London Stock Exchange
  • Kurs (Stand 31.07.2024, 17:30 Uhr): 7,20 GBP
  • Marktkapitalisierung: 1,1 Mrd. GBP (Stand 31.07.2024)
  • Sektor / Branche: Finanzdienstleistungen / Banken
  • Indexzugehörigkeit: FTSE 250
  • Nächstes Earnings-Datum: nicht offiziell terminiert

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