Weiterhin wenig Frauen an der Spitze von Familienunternehmen
28.04.2026 - 07:09:38 | dpa.deNach einer Studie der gemeinnĂŒtzigen Allbright Stiftung lag der Anteil der weiblichen FĂŒhrungskrĂ€fte in den 100 umsatzstĂ€rksten Familienunternehmen Deutschlands Anfang MĂ€rz dieses Jahres bei lediglich 13 Prozent. Verglichen zum Stichtag vor zwei Jahren ergab sich ein kaum nennenswerter Zuwachs von lediglich 0,4 Prozentpunkten.
DarĂŒber hinaus seien in der Zwischenzeit wieder verstĂ€rkt MĂ€nner rekrutiert worden. Lediglich 17 Prozent der NeuzugĂ€nge fĂŒr die GeschĂ€ftsfĂŒhrungen der Familienunternehmen seien weiblich gewesen.
"Vollbremsung" beim Frauenanteil in GeschĂ€ftsfĂŒhrungen
"Wir beobachten gerade eine Vollbremsung bei der Erhöhung des Frauenanteils in den GeschĂ€ftsfĂŒhrungen der deutschen Unternehmen insgesamt", kommentieren die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin und der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Allbright Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg. "FĂŒr die Familienunternehmen ist das ein besonders groĂes Problem, denn sie stoppen die Entwicklung, bevor sie richtig gestartet ist." Die Unternehmen mĂŒssten jetzt in die besten Köpfe und das Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven in der FĂŒhrung investieren. Nachholbedarf sehen die Autoren der Studie bei der Digitalisierung, bei den GeschĂ€ftsmodellen und bei der Zusammenstellung von FĂŒhrungsteams.
Börsennotierte Unternehmen mit mehr Frauen in der Chefetage
Einen deutlichen Einfluss auf den Frauenanteil in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung spielt der Studie zufolge die Transparenz der Unternehmen und der Einfluss auch externer, nicht zu den Familien gehörender Akteure. So seien 20 der 100 gröĂten Familienunternehmen an der Frankfurter Börse notiert und die Aktien zu einem guten Teil in Familienhand - wie etwa bei BMW DE0005190003, Continental DE0005439004, Henkel DE0006048432 oder Merck. Bei ihnen liege der Frauenanteil in den GeschĂ€ftsfĂŒhrungen bei 19,8 Prozent und entspreche damit etwa dem Durchschnitt aller börsennotierten Unternehmen. Bei nicht-börsennotierten Familienunternehmen insgesamt liege der Frauenanteil in den FĂŒhrungsetagen bei 11,1 Prozent.
Netzwerke und "immergleiche Rekrutierungsschablone"
Insgesamt seien die GeschĂ€ftsfĂŒhrungen der Familienunternehmen "deutlich mĂ€nnlicher, deutscher und stĂ€rker von Ingenieuren geprĂ€gt" als die VorstĂ€nde der 160 im Dax DE0008469008, MDax DE0008467416 und SDax DE0009653386 notierten Unternehmen, heiĂt es in der Studie. Eine Herausforderung fĂŒr die hĂ€ufig in der Region ansĂ€ssigen Firmen sei es, ĂŒberregionale und internationale FĂŒhrungskrĂ€fte anzuziehen.
Auch spielten persönliche und "teils sehr exklusive Netzwerke, in denen kaum Frauen vorkommen, eine wichtige Rolle bei der Auswahl fĂŒr das Top-Management in den Familienunternehmen", so Ankersen und Berg - "ebenso wie eine tradierte, immergleiche Rekrutierungsschablone".
Die Studie zeigte auch auf, dass Frauen in dem Zweijahreszeitraum von 1. MĂ€rz 2024 bis 1. MĂ€rz dieses Jahres deutlich hĂ€ufiger die GeschĂ€ftsfĂŒhrung verlassen haben (32 Prozent der weiblichen GeschĂ€ftsfĂŒhrungsmitglieder) als MĂ€nner (24 Prozent der mĂ€nnlichen GeschĂ€ftsfĂŒhrungsmitglieder). Umgekehrt war das VerhĂ€ltnis bei börsennotierten Unternehmen: Hier gaben 23 Prozent der weiblichen und 38 Prozent der mĂ€nnlichen Vorstandsmitglieder binnen der zwei Jahre ihren Posten ab.
Zahlreiche Familienunternehmen ganz ohne Frauen in der FĂŒhrung
Ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis von Frauen und MĂ€nnern in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung sehen die Autoren bei lediglich sechs Unternehmen, darunter etwa Jungheinrich DE0006219934, Mann + Hummel, Merck oder Voith. 51 Unternehmen dagegen haben demnach keine einzige Frau in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung, darunter Firmen wie Dachser, Haniel oder KĂ€rcher und die Schwarz Gruppe.
Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung setzt sich fĂŒr mehr Frauen und DiversitĂ€t in den FĂŒhrungspositionen der Wirtschaft ein.
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