Ema empfiehlt erstmals Zulassung einer Genscheren-Therapie
15.12.2023 - 16:36:44"Casgevy" sei fĂŒr die Behandlung der Sichelzellkrankheit und der Beta-ThalassĂ€mie bei Patienten ab zwölf Jahren geeignet, teilte die Ema am Freitag in Amsterdam mit.
Den vererbbaren Bluterkrankungen liegen genetische Fehler zugrunde, die Bildung oder Funktionsweise von HÀmoglobin beeintrÀchtigen. HÀmoglobin ist ein eisenhaltiger Proteinkomplex, der in roten Blutkörperchen vorkommt und dazu dient, Sauerstoff zu transportieren.
Mit der bedingten Zulassung soll das Medikament wegen seines hohen Nutzens fĂŒr Patienten schnell verfĂŒgbar werden. Die Ema fuĂt die Empfehlung von "Casgevy" auf zwei Studien und eine Langzeit-Follow-up-Studie. Bis 2026 muss der Hersteller Ergebnisse weiterer Studien liefern, um Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments zu belegen. Einer EU-weiten Marktzulassung muss nun noch die EU-Kommission zustimmen. GroĂbritannien hatte "Casgevy" bereits Mitte November dieses Jahres zugelassen.
Die sogenannte Genschere Crispr/Cas kann gezielt auf einzelne Gene ausgerichtet werden. Die Entwicklerinnen der Methode, Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna, hatten dafĂŒr 2020 den Nobelpreis erhalten. "Casgevy" dient dazu, Gene in Knochenmark-Stammzellen der Patienten so zu verĂ€ndern, dass sie wieder funktionierendes HĂ€moglobin produzieren. DafĂŒr werden Stammzellen dem Knochenmark entnommen, im Labor bearbeitet und dann wieder in den Patienten eingesetzt.
Die Sichelzellkrankheit kann zu schweren SchmerzanfĂ€llen, ernsthaften und lebensgefĂ€hrlichen Infektionen und AnĂ€mie, einem auch als Blutarmut bezeichneten Mangel an Sauerstoff im Blut fĂŒhren. Patienten mit Beta-ThalassĂ€mie leiden ebenfalls an AnĂ€mie und benötigen hĂ€ufig Bluttransfusionen in AbstĂ€nden von drei bis fĂŒnf Wochen. Bislang galt eine Knochenmarktransplantation als einzige dauerhafte Behandlungsoption.

