EZB lÀsst Leitzinsen trotz Inflationsgefahren konstant
19.03.2026 - 14:29:12 | dpa.deDer fĂŒr Sparer und Banken wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Damit tastet die EZB zum sechsten Mal in Folge die Zinsen nicht an. "Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten gefĂŒhrt. Er hat AufwĂ€rtsrisiken fĂŒr die Inflation und AbwĂ€rtsrisiken fĂŒr das Wirtschaftswachstum zur Folge."
Noch vor wenigen Wochen sah sich die EZB in einer komfortablen Lage im Kampf gegen die Teuerung im WĂ€hrungsraum. Denn mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar liegt die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent. Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und dem Ălpreisschock wĂ€chst die Sorge vor einem starken Anziehen der Inflation.
Teuerung dĂŒrfte auch in Deutschland anziehen
Deutschland dĂŒrfte nicht verschont bleiben. Das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet, dass die Inflation in der ersten JahreshĂ€lfte von zuletzt knapp zwei Prozent "merklich ĂŒber 2,5 Prozent" steigen wird.
EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane warnte bereits vor den Folgen eines lÀnger andauernden Krieges im Nahen Osten. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen: "Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten ist eines der wichtigsten Risikoszenarien, die von der EZB beobachtet werden."
Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg
Die Notenbank will verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spÀt reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschÀtzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben.
Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland rasant, die Inflation kletterte im Jahresschnitt 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023 immer noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und die EZB GlaubwĂŒrdigkeit.
Der Iran-Krieg hat mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas lĂ€ngst Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg ĂŒber Monate hin, wĂŒrde der Ălpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone "schĂ€tzungsweise auf mindestens 3 Prozent", sagt Commerzbank DE000CBK1001-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer.
Einige Experten vermuten bereits, dass die Notenbank im Sommer die Zinsen anheben wird. Im Fall der FĂ€lle dĂŒrfte die EZB dieses Mal schneller agieren als 2022, meint Ulrike Kastens, Ăkonomin bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS DE000DWS1007: "Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch."
Sparzinsen steigen - aber Gefahr durch Inflation
FĂŒr Sparer bedeutet die Inflationsgefahr Chancen und Risiken zugleich. Zwar beobachtet der Geldratgeber Finanztip bei Tagesgeld steigende Aktionszinsen fĂŒr Neukunden: Immer mehr oft zeitlich begrenzte Tagesgeld-Angebote lĂ€gen ĂŒber drei Prozent. "Banken nutzen die aktuelle Phase, um sich mit befristeten Angeboten neue Einlagen zu sichern." Grund sei, dass Banken immer weniger an baldige Zinssenkungen der EZB glaubten.
Auch dem Vergleichsportal Verivox zufolge nimmt der Konkurrenzkampf der Banken Fahrt auf. Aktuell böten 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins von 3 Prozent oder mehr. Im Schnitt wĂŒrden bundesweit verfĂŒgbare Festgelder mit zwei Jahren Laufzeit mit 2,09 Prozent verzinst und Tagesgelder mit 1,3 Prozent.
Wegen des Iran-Kriegs "könnten die Realzinsen allerdings schnell wieder ins Minus fallen", warnt Verivox. "Die moderaten Zinsanstiege der letzten Wochen dĂŒrften den kriegsbedingten Anstieg der Verbraucherpreise bei Weitem nicht ausgleichen." Erst Leitzinserhöhungen der EZB könnten dann wieder zu steigenden Sparzinsen fĂŒhren.
EZB vor schwieriger AbwÀgung
Eine Zinsanhebung der EZB wĂŒrde allerdings die Wirtschaft im Euroraum bremsen, die Prognosen zufolge in diesem Jahr ohnehin nur leicht wachsen dĂŒrfte und nun auch noch von den Folgen des Iran-Kriegs getroffen wird.
Selbst wenn die Energiepreise lĂ€ngerfristig erhöht bleiben, wĂ€re es fĂŒr die EZB schwierig, ihre Geldpolitik zu straffen, sagt Berenberg-Ăkonom Felix Schmidt. "Denn in diesem Szenario wĂŒrde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen."
Dann wĂŒrde das gefĂŒrchtete Szenario einer Stagflation RealitĂ€t: steigende Preise bei zugleich stagnierender Wirtschaft - ein Alptraum fĂŒr Notenbanken. Sie hĂ€tte dann kaum Optionen zum Gegensteuern.
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