Kassen warnen: Höhere BeitrÀge trotz Sparpakets
02.11.2025 - 17:13:34Die vorgelegten Eingriffe reichten "absehbar nicht aus, Zusatzbeitragserhöhungen im Jahr 2026 zu verhindern", schreibt die Techniker Krankenkasse in einer Stellungnahme fĂŒr eine Anhörung zu den GesetzesplĂ€nen am Montag im Bundestag. Der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) erklĂ€rt, wegen des nötigen AuffĂŒllens von RĂŒcklagen wĂŒrden "etliche Kassen auch im kommenden Jahr Beitragssatzanpassungen vornehmen mĂŒssen".
Das Kabinett hat ein Sparpaket von zwei Milliarden Euro auf den Weg gebracht, das den Druck fĂŒr neue Erhöhungen zum 1. Januar 2026 auflösen soll. Die PlĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken sehen Ausgabenbremsen vor allem bei den Kliniken vor. Die CDU-Politikerin hatte in Aussicht gestellt, zur Routine gewordene Erhöhungen damit zu durchbrechen und die Orientierungsmarke fĂŒr den durchschnittlichen Zusatzbeitrag auf dem jetzigen Niveau von 2,9 Prozent zu stabilisieren. Der Bundestag soll das Gesetz am Donnerstag beschlieĂen.
ZusatzbeitrĂ€ge ĂŒber drei Prozent?
Der GKV-Spitzenverband nannte das Paket einen "ersten richtigen Schritt", der fĂŒr stabile BeitrĂ€ge aber keinesfalls ausreiche. "Es ist davon auszugehen, dass fĂŒr die weitere AuffĂŒllung der Reserven ein zusĂ€tzlicher Finanzbedarf von mindestens 0,1 Beitragssatzpunkten besteht", heiĂt es in der Stellungnahme fĂŒr die Anhörung im Gesundheitsausschuss. "Insgesamt ist davon auszugehen, dass die tatsĂ€chlich erhobenen ZusatzbeitragssĂ€tze der Krankenkassen zu Jahresbeginn 2026 im Durchschnitt 3 Prozent ĂŒberschreiten werden."
Verbandschef Oliver Blatt sagte der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung", die Politik habe noch bis Jahresende Zeit, um mit einem "ambitionierteren groĂen Sparpaket den Ausgabenanstieg so weit zu senken, dass die BeitrĂ€ge im Durchschnitt auch wirklich stabil bleiben können". Dazu mĂŒssten alle groĂen Gruppen ihren Beitrag leisten. "Deshalb wĂ€re es notwendig und angemessen, auch der Pharmaindustrie und der niedergelassenen Ărzteschaft einen ernsthaften Sparbeitrag abzuverlangen", sagte Blatt.
Die Kassen und die Arbeitgeber warnen auch, dass bei den Kliniken weniger Einsparungen zusammenkommen dĂŒrften als erwartet. Warken will eine Klausel aussetzen, die zu höheren VergĂŒtungen fĂŒhren wĂŒrde, als es einem Wert fĂŒr die tatsĂ€chlichen Kostensteigerungen entspricht. Es gibt aber auch eine Regelung, wonach Erhöhungen bei der Tarifbezahlung voll von den Kassen zu tragen sind.
"Sie konterkariert den geplanten Einspareffekt", erklĂ€rt die Bundesvereinigung Deutscher ArbeitgeberverbĂ€nde. Statt veranschlagter 1,8 Milliarden Euro wĂŒrden so nach SchĂ€tzungen im Ergebnis nur 1,3 Milliarden Euro eingespart, erlĂ€utern die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) in ihrer Stellungnahme.
Kliniken und Verdi protestieren
Die Klinikbranche und die Gewerkschaft Verdi kritisieren die SparplĂ€ne scharf. "Sie gefĂ€hrden die Gesundheitsversorgung und verschĂ€rfen die wirtschaftliche Notlage der KrankenhĂ€user", warnt Verdi. Plötzliche Kostensteigerungen bei Energie und Sachausgaben wĂŒrden nicht ausgeglichen. Zudem werde mit den massiven Einsparungen riskiert, dass Kostensteigerungen durch Personalabbau kompensiert werden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft nannte die PlĂ€ne "absolut unangebracht und inakzeptabel" und forderte höhere VergĂŒtungen.
Orientierungswert fĂŒr Zusatzbeitrag steht noch aus
Direkt stabile BeitrĂ€ge bei jeder einzelnen Kasse festlegen kann die Politik nicht. Sie setzt aber eine Orientierungsmarke fest, was sich nun wie schon im Vorjahr leicht verzögert. Laut Gesetz gibt das Gesundheitsministerium bis 1. November einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag fĂŒr das Folgejahr bekannt. Dies soll jetzt nach Abschluss des parlamentarischen Verfahrens zum Sparpaket erfolgen. Ein zustĂ€ndiger SchĂ€tzerkreis hatte ermittelt, dass sich fĂŒr 2026 rechnerisch ein Wert von 2,9 Prozent ergibt. Nicht berĂŒcksichtigt in der Prognose ist aber, wenn Kassen Reserven auf vorgeschriebene Mindestwerte auffĂŒllen mĂŒssen.
Kassen mĂŒssen ZusatzbeitrĂ€ge bald festlegen
Ăber die konkreten ZusatzbeitrĂ€ge fĂŒr 2026 fĂŒr ihre Versicherten entscheiden die Kassen je nach ihrer Finanzlage in den kommenden Wochen selbst. Der gesamte Beitrag, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen, umfasst daneben den allgemeinen Satz von einheitlich 14,6 Prozent des Bruttolohns. Bei Anhebungen des Zusatzbeitrags haben Mitglieder ein SonderkĂŒndigungsrecht. Erst Anfang 2025 hatte es eine Welle krĂ€ftiger Erhöhungen gegeben.
Der Sozialverband Deutschland warnt sowohl vor Beitragserhöhungen als auch vor KĂŒrzungen und fordert "Reformen, die die flĂ€chendeckende, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung in Deutschland sichern". Zur Finanzierung schlĂ€gt er einen "verlĂ€sslichen und dynamisierten Bundeszuschuss" und eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent vor.

