Die Getlink-Aktie profitiert von steigenden Verkehrszahlen und soliden Margen
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 06:38 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Der Infrastrukturbetreiber Getlink SE (ISIN FR0010533075) erzielte im GeschĂ€ftsjahr 2023 einen Umsatz von rund 1,74 Milliarden Euro und unterstreicht damit die Bedeutung des Eurotunnels fĂŒr den Verkehr zwischen GroĂbritannien und Kontinentaleuropa, wie aus den veröffentlichten Jahreszahlen hervorgeht.
Umsatzwachstum und Ergebnisentwicklung
Laut den Finanzberichten von Getlink fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2023 stieg der Konzernumsatz gegenĂŒber dem Vorjahr deutlich auf etwa 1,74 Milliarden Euro, nachdem 2022 noch rund 1,61 Milliarden Euro erzielt worden waren. Damit erhöhte sich der Umsatz um etwa 8 Prozent im Jahresvergleich.
Der operative Gewinn (EBITDA) verbesserte sich im gleichen Zeitraum ebenfalls spĂŒrbar. Getlink berichtete fĂŒr 2023 ein EBITDA von annĂ€hernd 900 Millionen Euro, wĂ€hrend im Jahr 2022 ein Wert im Bereich von knapp 880 Millionen Euro erzielt worden war. Diese Steigerung zeigt, dass der Konzern nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei der ProfitabilitĂ€t zulegen konnte.
Beim Nettoergebnis blieb die Entwicklung stabil positiv. FĂŒr 2023 wies Getlink einen Nettogewinn im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich aus, nachdem das Unternehmen in den Jahren nach der Pandemie den Fokus klar auf Schuldenreduktion und Cashflow gelegt hatte. Die Marge profitierte von einer hohen Auslastung des Tunnels, sowohl im Personen- als auch im GĂŒterverkehr.
Verkehrszahlen im Eurotunnel als Treiber
Ein zentraler Treiber der GeschĂ€ftsentwicklung sind die Verkehrszahlen im Eurotunnel. Getlink betreibt sowohl Shuttle-Verbindungen fĂŒr PKW und LKW als auch die Infrastruktur fĂŒr durchfahrende ZĂŒge. Die gemeldeten Kennzahlen fĂŒr 2023 zeigen ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen als in den Jahren unmittelbar nach der Pandemie.
Nach Unternehmensangaben stieg die Zahl der beförderten LKW-Shuttles im Jahr 2023 gegenĂŒber 2022 um einen mittleren einstelligen Prozentbereich, wobei das Frachtsegment vom stabilen Handel zwischen GroĂbritannien und der EuropĂ€ischen Union profitierte. Diese Entwicklung stĂŒtzt den Umsatz in der Logistiksparte und wirkt als wichtiger StabilitĂ€tsfaktor im Konzern.
Auch der Personenverkehr entwickelte sich positiv. Die Zahl der beförderten Pkw und Reisebusse ĂŒber die Shuttle-Verbindungen lag 2023 wieder deutlich ĂŒber dem Niveau von 2021 und nĂ€herte sich den vorpandemischen Werten an. Damit gewann das Segment Reiseverkehr an Bedeutung fĂŒr die GesamtumsĂ€tze von Getlink und trug zu der insgesamt robusten Entwicklung bei.
Finanzstruktur und Cashflow
Die Bilanzstruktur von Getlink ist traditionell durch die hohe Anfangsinvestition in den Eurotunnel geprÀgt. Entsprechend spielt die Verschuldung eine wichtige Rolle in der Bewertung des Unternehmens. Die Finanzberichte zeigen, dass die Nettofinanzverschuldung in den vergangenen Jahren sukzessive reduziert wurde, wÀhrend der operative Cashflow kontinuierlich zulegte.
FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2023 meldete das Unternehmen einen freien Cashflow im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, was dem Konzern zusĂ€tzliche FlexibilitĂ€t fĂŒr Investitionen und Schuldentilgung gibt. Im Vergleich zu 2022 konnte der freie Cashflow leicht gesteigert werden, was die solide operative Basis von Getlink unterstreicht.
Die Zinsaufwendungen bleiben angesichts der nach wie vor hohen Verschuldung ein relevanter Faktor, doch die Kombination aus stabilem Cashflow und planbarer Nachfrage im InfrastrukturgeschĂ€ft sorgt dafĂŒr, dass die Finanzierungsstruktur tragfĂ€hig bleibt. FĂŒr Anleger ist insbesondere die Entwicklung des Free Cashflow pro Aktie ein wichtiger Indikator, da sie den Spielraum fĂŒr Dividenden und Investitionen verdeutlicht.
Dividendenpolitik und AktionÀrsrendite
Getlink verfolgt eine kontinuierliche Dividendenpolitik, die an die Entwicklung von Gewinn und Cashflow gekoppelt ist. FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2023 schlug der Vorstand eine Dividende auf dem Niveau des Vorjahres vor, nachdem das Unternehmen in der Corona-Pandemie die AusschĂŒttungen zeitweise angepasst hatte.
Die Dividende je Aktie liegt im unteren einstelligen Eurobereich und soll aus dem freien Cashflow finanziert werden. Anleger erhalten damit eine laufende AusschĂŒttung, wĂ€hrend das Unternehmen gleichzeitig in die Modernisierung des Tunnels und in neue KapazitĂ€ten investieren kann.
Im Vergleich zu anderen europÀischen Infrastrukturwerten positioniert sich Getlink mit einer Kombination aus Dividende und potenziellen Kurschancen. Die StabilitÀt des GeschÀftsmodells und die planbare Nachfrage sind dabei zentrale Argumente, die in der Analystenberichterstattung hÀufig hervorgehoben werden.
Investitionen in KapazitÀt und Digitalisierung
Um den Eurotunnel langfristig leistungsfĂ€hig zu halten, investiert Getlink kontinuierlich in Modernisierung und KapazitĂ€tserweiterungen. Dazu gehört sowohl die technische Infrastruktur des Tunnels als auch digitale Systeme zur Steuerung und Ăberwachung des Verkehrs.
Das Unternehmen arbeitet an Projekten zur Optimierung der Abfertigung von Fahrzeugen, um die DurchsatzkapazitÀt zu erhöhen und Wartezeiten zu reduzieren. Durch besser abgestimmte Prozesse kann die Anzahl der tÀglich beförderten Fahrzeuge steigen, was sich direkt in höheren UmsÀtzen niederschlÀgt.
Zugleich werden Sicherheits- und WartungsmaĂnahmen laufend weiterentwickelt. FĂŒr ein Infrastrukturunternehmen wie Getlink spielen ZuverlĂ€ssigkeit und Sicherheit eine zentrale Rolle fĂŒr die Akzeptanz des Eurotunnels bei Spediteuren und Reisenden. Investitionen in diese Bereiche sollen langfristig die AttraktivitĂ€t des Verkehrsweges sichern.
Regulatorisches Umfeld und Brexit-Folgen
Der Eurotunnel ist auch politisch bedeutsam, denn er verbindet zwei Volkswirtschaften mit unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen. Die Folgen des Brexit sind fĂŒr Getlink nach wie vor spĂŒrbar, insbesondere in Form verĂ€nderter Zoll- und Grenzprozesse.
Das Unternehmen hat seine AblĂ€ufe an die neuen Anforderungen angepasst, etwa durch zusĂ€tzliche KontrollkapazitĂ€ten und digitale Voranmeldesysteme. Diese MaĂnahmen sind mit Kosten verbunden, sichern aber einen möglichst reibungslosen Warenfluss.
Mittelfristig hĂ€ngt ein Teil der Nachfrage im Eurotunnel von der wirtschaftlichen Entwicklung in GroĂbritannien und in der EuropĂ€ischen Union ab. Konjunkturschwankungen können sich auf die Verkehrsvolumina auswirken, was wiederum bei der Prognose von Umsatz und Gewinn berĂŒcksichtigt werden muss.
Wettbewerbsumfeld und alternative Routen
Getlink steht als Betreiber des Eurotunnels im Wettbewerb mit FĂ€hrverbindungen ĂŒber den Ărmelkanal. Diese alternativen Routen bieten Spediteuren und Reisenden unterschiedliche Vorteile, etwa bei FlexibilitĂ€t oder bei Kosten. Dennoch bleibt der Tunnel durch seine Schnelligkeit und WitterungsunabhĂ€ngigkeit ein bevorzugter Weg fĂŒr viele Nutzer.
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass der Eurotunnel insbesondere fĂŒr zeitkritische Transporte und fĂŒr regelmĂ€Ăige Logistikströme eine zentrale Rolle spielt. Der Vergleich mit FĂ€hranbietern verdeutlicht, dass Getlink mit seiner Kombination aus Infrastruktur und Service eine starke Marktposition hĂ€lt.
FĂŒr Anleger ist relevant, dass die Nutzung des Tunnels eine weitgehend planbare Einnahmequelle darstellt. Langfristige VertrĂ€ge mit Logistikunternehmen und die regelmĂ€Ăigen Pendlerströme sichern eine gewisse Grundauslastung, wĂ€hrend konjunkturelle Spitzen zu zusĂ€tzlichem Wachstum fĂŒhren können.
Segmentstruktur und Erlösquellen
Das GeschĂ€ftsmodell von Getlink ist in verschiedene Segmente gegliedert, die unterschiedliche Erlösquellen erschlieĂen. Neben den Shuttle-Verbindungen fĂŒr PKW und LKW zĂ€hlt dazu auch der Bereich Schieneninfrastruktur, in dem Trassenentgelte fĂŒr durchfahrende ZĂŒge vereinnahmt werden.
Ein weiterer Bereich ist die Energiedurchleitung, bei der KapazitĂ€ten zur Ăbertragung elektrischer Energie zwischen GroĂbritannien und dem europĂ€ischen Festland genutzt werden. Diese Sparte ist in den vergangenen Jahren gewachsen und trĂ€gt zur Diversifikation der Einnahmen bei.
Die Segmentberichte des Unternehmens zeigen, dass der gröĂte Umsatzanteil weiterhin aus dem TransportgeschĂ€ft stammt, wĂ€hrend die Infrastruktur- und EnergietĂ€tigkeiten ergĂ€nzende Einnahmequellen bieten. Diese Struktur macht Getlink weniger anfĂ€llig fĂŒr Schwankungen in einem einzelnen Segment.
Strategische Ziele und mittelfristiger Ausblick
Strategisch setzt Getlink darauf, die Rolle des Eurotunnels als zentralen Verkehrskorridor zu stĂ€rken. Dazu gehören Investitionen in KapazitĂ€t, Digitalisierung und Sicherheit sowie eine aktive Vermarktung der Vorteile des Tunnels gegenĂŒber alternativen Routen.
Der mittelfristige Ausblick des Unternehmens basiert auf der Annahme stabiler Verkehrsströme im GĂŒterverkehr und einer weiteren Erholung des Reiseverkehrs. Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa und GroĂbritannien positiv entwickeln, könnte dies zusĂ€tzliche Impulse fĂŒr das Wachstum von Getlink bedeuten.
Gleichzeitig bleibt das Umfeld von Themen wie Energiepreisen, Regulierung und Konjunktur geprĂ€gt, die sich auf Kostenstruktur und Nachfrage auswirken können. Das Management hat daher mehrfach betont, dass FlexibilitĂ€t und Effizienz zentrale StoĂrichtungen der Unternehmensstrategie sind.
Produktfokus: Shuttle-Verbindungen durch den Eurotunnel
Ein reprĂ€sentatives Produkt von Getlink sind die Shuttle-Verbindungen fĂŒr Fahrzeuge durch den Eurotunnel. Autofahrer und Spediteure können ihre Fahrzeuge auf spezielle ZĂŒge verladen und die Strecke zwischen Calais und Folkestone in deutlich kĂŒrzerer Zeit als mit klassischen FĂ€hrverbindungen zurĂŒcklegen.
Die KapazitĂ€t der Shuttle-ZĂŒge ist auf hohe Fahrzeugzahlen ausgelegt, und die Abfahrten erfolgen in kurzen Intervallen. Dies ermöglicht eine effiziente Nutzung des Tunnels und trĂ€gt maĂgeblich zu den Verkehrs- und Umsatzkennzahlen von Getlink bei.
Getlink-Aktie und Marktkapitalisierung
Die Getlink-Aktie ist in Paris gelistet und spiegelt die Ertragskraft des InfrastrukturgeschĂ€fts sowie die Erwartungen an den Verkehr zwischen GroĂbritannien und der EuropĂ€ischen Union wider. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens lag zuletzt im Milliarden-Euro-Bereich, was die Bedeutung des Konzerns im europĂ€ischen Verkehrs- und Infrastruktursektor unterstreicht.
Steckbrief Getlink-Aktie
- Unternehmen: Getlink SE
- ISIN: FR0010533075
- Ticker: GET
- Handelsplatz: Euronext Paris
- Sektor / Branche: Transportinfrastruktur
- Indexzugehörigkeit: SBF 120
- NĂ€chstes Earnings-Datum: nicht offiziell terminiert
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