US-Abschiebepolitik, New

Ärger ĂŒber US-Abschiebepolitik entlĂ€dt sich in New Jersey

30.05.2026 - 10:19:28 | dpa.de

Die großen Kontroversen um die Politik der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump finden manchmal an kleinen, fast unscheinbaren Orten eine BĂŒhne - in diesem Fall in einem Industriegebiet in der Stadt Newark im US-Bundesstaat New Jersey.

Auf dem Parkplatz vor einem Abschiebezentrum namens Delaney Hall demonstrieren seit einer Woche Gegner des Migrationskurses von Trump und treffen auf die Gegenwehr der Einwanderungsbehörde ICE.

Nach den viel kritisierten Ausschreitungen bei ICE-EinsĂ€tzen zu Beginn des Jahres in Minnesota, bei denen zwei US-BĂŒrger durch SchĂŒsse von Bundesbeamten getötet wurden, droht nun ein neuer Konflikt, der die Debatte ĂŒber Trumps Migrationskurs vor den wichtigen Zwischenwahlen im Herbst erneut anheizt.

Der umstrittene Flachbau des Abschiebezentrums liegt an einer vielbefahrenen Straße zwischen einem Highway und einem Fluss, von dem ein modriger Geruch herĂŒberweht. Einer Reihe maskierter und in Tarnfarben gekleideter ICE-Beamter vor dem mit hohem Zaun abgeschirmten GebĂ€ude steht ein bunter Pulk gegenĂŒber. Die mit Atemmasken und Schildern ausgestatteten Demonstrierenden protestieren wahlweise mit Gesang, Schlachtrufen oder Beleidigungen in Richtung der Beamten.

Immer dann, wenn sich ein Fahrzeug auf oder von dem GelĂ€nde bewegt, kommt es zu Rangeleien. Über ein Megafon versucht eine Demonstrierende, sich an die Insassen zu wenden und ruft auf Spanisch: "Wir sind alle hier fĂŒr euch."

Immer wieder kam es in den vergangenen Tagen auch zu gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen, wie Augenzeugen berichten. EinsatzkrĂ€fte sollen auch Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt haben. Auf dem Account des Heimatschutzministeriums auf der Plattform X war zu sehen, wie inzwischen Betonbarrikaden vor dem Abschiebezentrum errichtet werden.

"Sie behandeln sie wie Tiere"

Aktivisten, Anwaltsgruppen und demokratische Politiker fordern die Schließung der Abschiebeeinrichtung und sprechen von menschenunwĂŒrdigen Bedingungen im Inneren. Die Rede ist von verwurmtem Essen und schlechter Gesundheitsversorgung.

Die Darstellung dessen, was im Inneren der Abschiebeeinrichtung ablĂ€uft, ist zu einem Kampf um Wahrheit geworden. AnwĂ€lte, Aktivisten und Angehörige berichten ĂŒber einen Hungerstreik von Insassen. Das Heimatschutzministerium bezeichnete das auf X als Falschbehauptung. US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin erklĂ€rte im Weißen Haus, das AbschiebegefĂ€ngnis sei nun einmal kein "Holiday Inn". Trump unterstellte den Protestierenden, bezahlt zu werden.

Zwei demokratische Kongressabgeordnete aus New Jersey besichtigten die Einrichtung am Samstag. Sie hĂ€tten verdreckte Badezimmer, missbrĂ€uchliche WĂ€rter und eine unzureichende medizinische Versorgung festgestellt. "Sie behandeln sie wie Tiere", sagte eine Angehörige eines Inhaftierten. Die Einrichtung wird von dem privaten Unternehmen Geo Group betrieben. Eine dpa-Anfrage mit der Bitte um Stellungnahme zu den VorwĂŒrfen blieb vorerst unbeantwortet.

"Brutale und unmenschlichen Bedingungen"

Die Einrichtung sei seit ihrer Eröffnung von MissstĂ€nden geplagt, teilte die BĂŒrgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) in New Jersey mit. "Die in Delaney Hall Inhaftierten sind brutalen und unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt." Schon im Juni 2025 hatte es Unruhen in dem AbschiebegefĂ€ngnis wegen der desolaten ZustĂ€nde gegeben. Vier MĂ€nner entkamen damals aus der Einrichtung.

Delaney Hall als Symbol fĂŒr harte Einwanderungspolitik

Laut ACLU stirbt alle sechs Tage ein Mensch in ICE-Gewahrsam. Die letzten offiziellen Zahlen zu den Insassen in Delaney Hall von Ende August 2025 gaben rund 890 Insassen an. 1.000 PlĂ€tze stehen zur VerfĂŒgung. Medien berichten im Kontext des Hungerstreiks von aktuell 300 Insassen.

Trump machte das Thema Migration zu einem zentralen Thema seiner zweiten PrĂ€sidentschaft. AuslĂ€nder ohne Aufenthaltserlaubnis nennt der PrĂ€sident eine "Bedrohung fĂŒr die nationale Sicherheit". Laut Daten der Migrationsbehörde waren Ende MĂ€rz rund 62.000 Menschen in den Abschiebezentren inhaftiert. In den Monat vor Trumps Amtsantritt bewegte sich die Zahl zwischen 30.000 und 40.000.

Das hĂ€rtere Vorgehen der Beamten wird auch in Zahlen aus dem neben New Jersey gelegenen New York City deutlich. Die Festnahmen durch Bundesbeamte wegen mutmaßlicher VerstĂ¶ĂŸe gegen Einwanderungsbestimmungen sind seit Trumps zweiter Amtszeit um 70 Prozent gestiegen, wie ein von BĂŒrgermeister Zohran Mamdani in Auftrag gegebener Bericht ergab. Zwischen dem 20. Januar 2025 und dem 10. MĂ€rz 2026 seien das 5.567 Personen gewesen. Viele der Festgenommenen landen in Delaney Hall in New Jersey, heißt es.

Drohende Verluste bei Zwischenwahlen

ICE-Razzien gegen Migranten fĂŒhren regelmĂ€ĂŸig in vielen demokratisch regierten StĂ€dten zu Protesten. Die gewaltsamen Abschieberazzien vor allem in Minnesota hatten zu Beginn des Jahres landesweit fĂŒr Aufsehen gesorgt. An seinem Kurs aber hĂ€lt Trump weitgehend fest. Er will noch zusĂ€tzliche Fördermittel fĂŒr die Einwanderungsbehörde ICE und die Grenzschutzbehörde CBP auf den Weg bringen. Die PlĂ€ne stecken derzeit im Senat fest.

Die versprochene HĂ€rte beim Thema Migration hat Trump 2024 zum Wahlsieg verholfen. Doch Bilder und Berichte von aggressiven Razzien, dokumentierte Festnahmen von Personen ohne Vorstrafen und Bilder von Protesten werden zunehmend zur Belastung fĂŒr den PrĂ€sidenten, der im November die Kongresswahlen gewinnen will.

Neben Gouverneursposten auf Bundesstaatenebene geht es dabei vor allem um sÀmtliche Sitze im ReprÀsentantenhaus sowie um etwa ein Drittel der Sitze des Senats. Verliert Trump auch nur die Mehrheit in einer der Parlamentskammern, kann er seine PlÀne im Kongress kaum noch durchbringen.

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