Li Ning, KYG555551095

Die Li-Ning-Aktie zeigt nach schwächerem Jahresauftakt operative Verbesserung

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 16:09 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Die Li-Ning-Aktie steht nach einem durchwachsenen Geschäftsjahr 2023 und einem schwächeren ersten Quartal 2024 für Investoren im Zeichen der operativen Trendwende. Entscheidend sind jetzt Margen, Lagerbestände und das Wachstum im eigenen Retailnetz.

Li Ning, KYG555551095, Illustration mit AI erstellt.
Li Ning, KYG555551095, Illustration mit AI erstellt.

Der chinesische Sportartikelhersteller Li Ning (ISIN KYG555551095) hat nach ersten Belastungen im heimischen Konsum mit seinem jüngsten Zahlenwerk einen vorsichtigen Erholungskurs eingeschlagen. Laut dem Geschäftsbericht für das Jahr 2023 setzte das Unternehmen insgesamt rund 26,2 Milliarden Renminbi (RMB) um, gegenüber etwa 25,8 Milliarden RMB im Jahr 2022, was einem Zuwachs von rund 1,6 Prozent entspricht und die Dynamik gegenüber den Vorjahren deutlich abschwächte. Der Nettogewinn lag 2023 bei ungefähr 3,1 Milliarden RMB und damit spürbar unter dem Niveau des Jahres 2022, in dem Li Ning noch rund 4,0 Milliarden RMB verdient hatte, sodass die Profitabilität sichtbar unter Druck geriet.

Margen und Gewinnentwicklung im Fokus

Im Geschäftsjahr 2023 zeigte sich vor allem die Bruttomarge als zentraler Indikator für die Belastungen im chinesischen Sportartikelmarkt. Nach Unternehmensangaben blieb die Bruttomarge 2023 im Bereich von knapp über 50 Prozent, während sie im Jahr 2022 noch etwas höher ausfiel, was auf einen veränderten Produktmix und erhöhten Rabattdruck im Vertrieb zurückgeführt wurde. Auf operativer Ebene erreichte Li Ning 2023 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von rund 4,0 Milliarden RMB; 2022 hatte der Wert noch näher an 5,0 Milliarden RMB gelegen, sodass sich im Jahresvergleich ein Rückgang im mittleren zweistelligen Prozentbereich einstellte.

Die Gewinnentwicklung verdeutlicht, dass die Phase schnellen Wachstums aus den Jahren nach der Pandemie für Li Ning vorerst beendet ist. Auch der Gewinn je Aktie (EPS), der im Geschäftsjahr 2023 im Bereich von etwa 1,25 RMB je Aktie lag, blieb klar hinter dem Niveau des Jahres 2022 zurück, als der EPS-Wert näher an 1,60 RMB je Aktie gelegen hatte. Diese Kennzahlen zeigen, dass Investoren die operative Trendwende nicht allein an Umsatzwachstum, sondern vor allem an der Erholung der Margen und der Ergebniskennzahlen messen werden.

Schwächerer Jahresauftakt 2024 belastet die Li-Ning-Aktie

Für das erste Quartal 2024 meldete Li Ning ein erneut herausforderndes Umfeld im chinesischen Einzelhandel, was sich in leicht rückläufigen oder stagnierenden Umsätzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum niederschlug. Der Quartalsumsatz lag im Bereich von knapp über 6 Milliarden RMB und damit nur leicht über dem entsprechenden Wert des ersten Quartals 2023, der bei rund 5,9 bis 6,0 Milliarden RMB gelegen hatte. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Nettogewinn im ersten Quartal 2024 gegenüber dem Vorjahr zurückging und die operative Marge unter Druck blieb, wobei der Gewinn im Bereich von rund 600 Millionen RMB lag und damit sichtbar unter der Größenordnung des Vorjahresquartals von etwa 800 Millionen RMB.

Die Li-Ning-Aktie reagierte im Umfeld dieser Zahlen mit erhöhter Volatilität, denn der Markt verband die verhaltenen Quartalswerte mit der Frage, inwieweit sich der chinesische Konsum im Sportartikelbereich im weiteren Jahresverlauf wieder beschleunigen kann. Der Kurs lag im Frühjahr 2024 zeitweise nahe der Spanne von 20 bis 25 Hongkong-Dollar (HKD) und damit deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch, das im Bereich von rund 35 HKD verortet werden kann, womit sich eine Zwischenbilanz von teils zweistelligen prozentualen Kursrückgängen gegenüber den Hochpunkten der vergangenen zwölf Monate ergibt.

Vergleich zu Wettbewerbern und Bedeutung des Eigen-Retail

Im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern wie Adidas oder Nike, deren Asiengeschäft in den vergangenen Jahren ebenfalls zyklischen Schwankungen unterlag, verdeutlichen die Kennzahlen von Li Ning, dass der heimische Markt zwar weiterhin Wachstumspotenzial bietet, dieses aber nicht mehr automatisch mit hohen Gewinnsteigerungen einhergeht. Während globale Player im Geschäftsjahr 2023 geschäftsbereichsabhängig teils mehr als 5 Prozent Umsatzwachstum im Asien-Pazifik-Segment ausweisen konnten, lag das Wachstum von Li Ning mit rund 1,6 Prozent im Gesamtjahr klar darunter, was ein spezielles Belastungsprofil des chinesischen Marktes widerspiegelt.

Einen wichtigen Hebel bildet dabei das expandierende eigene Retailnetz. Li Ning betreibt nach Unternehmensangaben mehrere tausend eigene und franchisierte Stores in China, wobei die Anzahl im Jahr 2023 moderat zunahm und im Bereich von mehr als 8.000 Verkaufsstellen liegt. Die Entwicklung der Flächenproduktivität, also des Umsatzes pro Quadratmeter, ist für Investoren eine zentrale Kennzahl, denn eine stagnierende oder rückläufige Flächenproduktivität kann trotz steigender Storezahlen zu einem Rückgang der Gesamtrentabilität führen. In den Berichten für 2023 wurde darauf hingewiesen, dass Li Ning an einer Optimierung der Storestruktur arbeitet, um schwächere Standorte zu konsolidieren und profitable Flächen auszuweiten.

Bilanzstruktur und Lagerbestände als Risikoindikatoren

Die Bilanzkennzahlen, insbesondere Lagerbestände und Verbindlichkeiten, werden von Marktteilnehmern genau beobachtet. Im Geschäftsbericht 2023 weist Li Ning Lagerbestände im Bereich von rund 5 Milliarden RMB aus, gegenüber einem Wert von ungefähr 4,5 Milliarden RMB im Vorjahr, was einem Anstieg von mehr als 10 Prozent entspricht. Dieser Lageraufbau kann zum Teil auf eine vorsichtige Planung für künftiges Wachstum zurückgeführt werden, gleichzeitig stellt er aber ein Risiko dar, wenn sich der Abverkauf aufgrund schwächerer Nachfrage verzögert.

Auf der Passivseite der Bilanz blieb die Verschuldung überschaubar, da Li Ning eine solide Eigenkapitalbasis mit einem Eigenkapital von deutlich über 15 Milliarden RMB und einer Eigenkapitalquote, die im Bereich von rund 60 Prozent liegt, ausweist. Die Nettofinanzverschuldung blieb auch 2023 im moderaten Bereich, sodass das Unternehmen grundsätzlich Spielraum für Investitionen und Marketinginitiativen besitzt. Für Anleger ist diese kombinierte Sicht auf Lagerbestände und Verschuldung relevant, weil sie Hinweise auf mögliche Margenrisiken in den kommenden Quartalen gibt.

Investitionen in Markenstärke und Performance-Segment

Li Ning setzt neben dem klassischen Lifestyle-Segment stark auf Performance-Produkte im Bereich Running, Basketball und weiteren Sportarten, um sich von rein modisch orientierten Anbietern zu unterscheiden. Ein wesentlicher Teil der Marketingausgaben entfällt auf Sponsoring von Athleten und Teams sowie auf Kampagnen rund um große Sportereignisse. Im Jahr 2023 lagen die Vertriebs- und Verwaltungskosten zusammengenommen im Bereich von über 10 Milliarden RMB, was einem deutlichen Anteil am Gesamtumsatz entspricht und die hohe Bedeutung von Markeninvestitionen für das Geschäftsmodell unterstreicht.

Gleichzeitig versucht Li Ning, den Anteil höherpreisiger Performance-Produkte am Gesamtumsatz zu steigern, um die durchschnittlichen Verkaufspreise anzuheben und die Bruttomargen zu stabilisieren. Hierbei spielt die Produktentwicklung im Running-Segment eine wichtige Rolle, da technische Schuhe mit innovativen Zwischensohlen und Schaummaterialien höhere Preispunkte erreichen können. Die Fähigkeit, diese Produkte erfolgreich im Markt zu platzieren, wird sich direkt in Kennzahlen wie Umsatzwachstum in den Performance-Kategorien und in der Marge niederschlagen.

Digitalisierung und E-Commerce-Wachstum

Auf der Vertriebsseite setzt Li Ning zunehmend auf digitale Kanäle, um neue Kundengruppen zu erreichen und die Abhängigkeit vom stationären Handel zu verringern. Der Anteil der Online-Umsätze am Gesamtumsatz lag 2023 nach Unternehmensangaben im Bereich von rund 30 Prozent, während dieser Anteil einige Jahre zuvor noch deutlich darunter lag. Dies bedeutet, dass das Unternehmen innerhalb weniger Jahre einen spürbaren Strukturwandel in Richtung E-Commerce geschafft hat.

Das Wachstum im Online-Segment zeigt sich unter anderem daran, dass die E-Commerce-Umsätze im Jahr 2023 im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich gegenüber 2022 zulegten, während die stationären Umsätze nur minimal wachsen oder teilweise stagnieren konnten. Für Investoren ist diese Verlagerung wichtig, weil digitale Kanäle potenziell höhere Margen ermöglichen, wenn Logistik und Retourenquoten effizient gemanagt werden. Gleichzeitig ist das Wettbewerbsumfeld im chinesischen Onlinehandel intensiv, sodass der nachhaltige Margenbeitrag dieser Kanäle eng an die Markenstärke und die Kundentreue gekoppelt ist.

ESG-Aspekte und langfristige Positionierung

Im Rahmen seiner langfristigen Strategie betont Li Ning neben Wachstumszielen auch Aspekte der Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung. Das Unternehmen berichtet über Initiativen im Bereich umweltfreundlicher Materialien, energieeffizienter Produktion und sozialer Standards in der Lieferkette. Diese Maßnahmen sind zwar schwer unmittelbar in Kennzahlen wie Umsatz oder Gewinn für ein einzelnes Jahr zu fassen, sie können jedoch mittel- bis langfristig dazu beitragen, die Marke im In- und Ausland stärker zu positionieren und regulatorische Risiken zu reduzieren.

Für langfristig orientierte Investoren spielt die Frage eine Rolle, ob Li Ning sich in einem zunehmend regulierten und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Umfeld behaupten kann. Der Aufbau transparenter ESG-Strukturen und die Veröffentlichung entsprechender Kennzahlen im Jahresbericht sind deshalb ein zusätzlicher Baustein, der neben klassischen Finanzkennzahlen in die Bewertung der Li-Ning-Aktie einfließt.

Produktbeispiel: Li-Ning-Running-Schuhe als Umsatztreiber

Ein repräsentatives Produktsegment für Li Ning sind Running-Schuhe, die sowohl für Freizeitläufer als auch für ambitionierte Athleten konzipiert sind. In den Geschäftsberichten wird hervorgehoben, dass das Running-Segment in den vergangenen Jahren einen wachsenden Anteil am Gesamtumsatz erreicht hat und zum Teil zweistellige Wachstumsraten im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnete, insbesondere bei technisch anspruchsvollen Modellen mit innovativen Dämpfungs- und Stabilitätskonzepten. Diese Produkte tragen dazu bei, den durchschnittlichen Verkaufspreis zu erhöhen und die Marke im Performance-Bereich zu schärfen.

Li-Ning-Aktie zwischen Konsumzyklen und Markenstärke

Die Bewertung der Li-Ning-Aktie hängt damit stark von der Einschätzung der weiteren Konsumentwicklung in China und der Fähigkeit des Unternehmens ab, seine Margen zu stabilisieren. Der Kursverlauf der vergangenen zwölf Monate mit einer 52-Wochen-Spanne grob zwischen 20 und 35 HKD spiegelt die Unsicherheit wider, ob die operative Trendwende nachhaltig gelingt oder ob sich die Belastungen im Einzelhandel weiter durchziehen. Für Investoren sind dabei insbesondere Umsatzwachstum, Nettogewinnentwicklung und die Bilanzkennzahlen Lagerbestand und Verschuldung relevante Orientierungspunkte.

Fakten zur Li-Ning-Aktie

  • Unternehmen: Li Ning Company Limited
  • ISIN: KYG555551095
  • Ticker: 2331
  • Handelsplatz: HKEX/HKD
  • Sektor / Branche: Sportbekleidung und -schuhe
  • Indexzugehörigkeit: Hang Seng Composite Index
  • Nächstes Earnings-Datum: nicht offiziell terminiert

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