Ergebnisse, Produktion/Absatz

Lufthansa muss trotz Super-Sommer sparen - Aktie sackt ab

29.10.2024 - 15:50:26 | dpa.de

Die Lufthansa DE0008232125 hat im Sommer trotz starker Ticketnachfrage und Rekordumsatz weniger verdient als ein Jahr zuvor.

Auch deshalb greift Vorstandschef Carsten Spohr bei der Kernmarke Lufthansa Airlines durch: Ein Sparprogramm soll den operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) des Bereichs bis 2026 um brutto 1,5 Milliarden Euro verbessern. Das ist etwa so viel, wie der gesamte Konzern im laufenden Jahr erwirtschaften will. An der Börse kamen die Neuigkeiten schlecht an.

Die Lufthansa-Aktie verlor am Dienstag im Handelsverlauf zeitweise 5,6 Prozent an Wert. Am Nachmittag lag sie noch mit 4,7 Prozent im Minus bei 6,54 Euro und gehörte zu den schwĂ€chsten Titeln im MDax DE0008467416, dem Index der mittelgroßen Werte. Im Vergleich zum Jahreswechsel hat das Papier damit fast 19 Prozent verloren.

Lufthansa-Passagiere mĂŒssen kĂŒnftig auf Kurz- und MittelstreckenflĂŒgen hĂ€ufiger damit rechnen, mit unbekannteren Konzerngesellschaften oder in angemieteten Flugzeugen unterwegs zu sein. ZusĂ€tzliche Jets will Spohr bei der lettischen Air Baltic anmieten, die bereits im laufenden Jahr auch mit Crews ausgeholfen hat. Zudem soll der Aufbau der neu gegrĂŒndeten Flugbetriebe Discover und City Airlines weitergehen, die ZubringerflĂŒge zu den Drehkreuzen wie auch FernflĂŒge kĂŒnftig kostengĂŒnstiger anbieten sollen.

Global wachse die Nachfrage nach Flugreisen so stark, dass die Branche immer hĂ€ufiger an der Grenze der KapazitĂ€t arbeiten mĂŒsse, sagte Spohr. GrundsĂ€tzlich seien die Menschen bereit, einen höheren Anteil ihres Einkommens fĂŒrs Reisen auszugeben. Bei anhaltend hoher Nachfrage und knappem Angebot rechne er mit stabilen bis leicht steigenden Ticketpreisen. Diese verteuerten sich in Deutschland noch durch die hohen staatlich regulierten Steuern und GebĂŒhren. Inzwischen erziele der Konzern nur noch rund ein Viertel seiner Erlöse am deutschen Markt.

Im starken dritten Quartal haben die Konzern-Airlines wie Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels, Eurowings und Discover gut 40 Millionen Passagiere befördert und damit sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung der Maschinen kletterte im August auf die Rekordmarke von 88 Prozent. Der Umsatz legte im dritten Quartal um fĂŒnf Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zu - und war damit so hoch wie noch nie in einem Jahresviertel in der Unternehmensgeschichte.

Allerdings zehrten zunĂ€chst rĂŒcklĂ€ufige Ticketpreise, teure Erstattungen, gestiegene Personalkosten und GebĂŒhren am Ergebnis: Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) im Sommerquartal ging um neun Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurĂŒck. Mit den Ergebnissen aus dem ersten Halbjahr ergibt sich nach neun Monaten unter dem Strich ein nahezu halbierter bereinigter operativer Gewinn von 830 Millionen Euro (2023: 1,6 Mrd Euro).

Vor allem in Richtung Asien standen die Preise unter Druck. Nach Streichung der Verbindung zwischen Frankfurt und Peking sollen keine weiteren China-FlĂŒge aus dem Programm genommen werden. Besonders starke RĂŒckgĂ€nge muss die Kernmarke Lufthansa verkraften: Im dritten Quartal verdiente die Kranich-Linie im TagesgeschĂ€ft 37 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Nach neun Monaten steht daher ein bereinigter operativer Verlust von 20 Millionen Euro zu Buche - auch wegen mehrerer Streiks im ersten Quartal.

Die LieferengpĂ€sse der Flugzeugbauer Boeing US0970231058 und Airbus NL0000235190 zwingen die Lufthansa, Ă€ltere und spritdurstigere Maschinen lĂ€nger zu betreiben als ursprĂŒnglich geplant. Laut Spohr fehlen derzeit allein 41 Boeing-Langstreckenjets, die lĂ€ngst ihren Dienst tun sollten. In der Not hat der Konzern gerade den sechsten von acht Riesenjets vom Typ Airbus A380 in den Betrieb zurĂŒckgeholt, nachdem er das Modell eigentlich schon in Rente geschickt hatte.

Letztlich hat die Lufthansa-Gruppe ihr Flugangebot im Sommer aber nicht so stark ausgebaut wie zuletzt geplant. Das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Pandemie ist nach wie vor nicht erreicht. So lag die angebotene KapazitÀt im dritten Quartal bei 94 Prozent des Jahres 2019. Im Juli hatte der Vorstand noch 96 Prozent angepeilt. Im Gesamtjahr sollen es statt 92 Prozent jetzt nur noch 91 Prozent werden.

Mit Blick auf die Gewinnentwicklung hat Spohr die Erwartungen bereits im Sommer eingedampft - zum zweiten Mal in diesem Jahr. Jetzt hĂ€lt er an dieser gesenkten Prognose fest: Er rechnet fĂŒr 2024 konzernweit weiterhin mit einem bereinigten operativen Gewinn von 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 hatte die Lufthansa im TagesgeschĂ€ft fast 2,7 Milliarden Euro verdient.

So schÀtzen die Börsenprofis Ergebnisse Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Ergebnisse Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
DE0008232125 | ERGEBNISSE | boerse | 66010782 |