ROUNDUP, Redcare

Redcare enttÀuscht auf ganzer Linie - Aktie im Sinkflug

04.03.2026 - 10:30:18 | dpa.de

Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy (Shop Apotheke) NL0012044747 hat im vergangenen Jahr operativ etwas weniger verdient als gedacht.

Auch die Erwartungen des Managements um Unternehmenschef Olaf Heinrich an 2026 sind nicht gerade ĂŒberschwĂ€nglich: So dĂŒrfte das Wachstum sein Tempo in diesem Jahr deutlich verlangsamen. Zudem wurde das mittelfristige Margenziel gesenkt. An der Börse sorgten zur Wochenmitte die Zahlen und die Prognosen fĂŒr lange Gesichter.

Die im MDax DE0008467416 notierte Aktie fiel im frĂŒhen Handel auf den tiefsten Stand seit Anfang 2023 zurĂŒck, zuletzt betrug das Minus gut 15 Prozent auf 50,50 Euro. Der bisherige Jahresverlust vergrĂ¶ĂŸerte sich damit auf mehr als ein FĂŒnftel. Tendenziell ist der Kurs schon seit einem Zwischenhoch im November 2024 bei gut 171 Euro im Abstiegsmodus. Seitdem hat die Aktie rund 70 Prozent an Wert eingebĂŒĂŸt.

Auf noch grĂ¶ĂŸeren Verlusten sitzen Anleger, die in der Corona-Hochphase Anfang 2021 zum Rekord bei 249 Euro eingestiegen sind. Der Börsenwert der Online-Apotheke lag zuletzt nur noch bei rund einer Milliarde Euro und damit gut vier Milliarden weniger als vor gut fĂŒnf Jahren.

Die neuen Ziele fĂŒr 2026 enttĂ€uschten ĂŒber alle Kennziffern hinweg und lĂ€gen um fast ein FĂŒnftel unter dem Marktkonsens, bemĂ€ngelte Jefferies-Analyst Martin Comtesse. Zudem sei im Schlussquartal 2025 offenbar das starke Wachstum bei den verschreibungsfreien Produkten zulasten der Margen gegangen - damit habe der DocMorris-Konkurrent CH0042615283 fĂŒr das Jahr lediglich das untere Ende seiner eigenen ProfitabilitĂ€tsziele erreicht.

Laut Baader-Experte Volker Bosse sei vor allem der Umsatzausblick fĂŒr das Deutschland-GeschĂ€ft mit rezeptpflichtigen Medikamenten schwach. Hier habe er sich 2026 einen doppelt so starkes Wachstum erhofft, als der Konzern nun prognostiziere.

Seine Ziele fĂŒr 2026 hatte das Unternehmen bereits am Dienstagabend prĂ€sentiert. Sowohl beim Wachstum als auch der ProfitabilitĂ€t liegen sie unter der bisherigen Durchschnittsprognose der bei Bloomberg erfassten Experten. "Wir bauen Jahr fĂŒr Jahr die Basis fĂŒr ein wachstumsstarkes und profitableres GeschĂ€ft weiter aus", sagte Redcare-Lenker Heinrich laut Mitteilung vom Mittwoch in Sevenum. "Mit unseren Investitionen in Automatisierung und KapazitĂ€tserweiterung werden wir unsere Wettbewerbsposition weiter stĂ€rken."

Laut Redcare dĂŒrfte der Erlös in diesem Jahr weitaus weniger wachsen als 2025. So rechnet die Online-Apotheke mit einem Umsatzplus von 13 bis 15 Prozent, das ergibt rechnerisch einen Umsatz von maximal knapp 3,4 Milliarden Euro. Getragen werde dieses Wachstum vor allem von einer weiteren Expansion im GeschĂ€ft mit verschreibungspflichtigen Produkten, hieß es. Dagegen dĂŒrften sich die rezeptfreien Produkte auf einem im Vergleich geringeren Wachstumsniveau von "ĂŒber 8 Prozent" stabilisieren.

Die ProfitabilitĂ€t soll aber Ă€hnlich stark ansteigen wie 2025: Der Vorstand peilt fĂŒr 2026 eine bereinigte operative Gewinnmarge (bereinigte Ebitda-Marge) von mindestens 2,5 Prozent, nachdem diese im vergangenen Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent angezogen war. Mittelfristig traut sich der Konzern allerdings nur noch eine bereinigte Marge von 5 Prozent zu, statt wie bisher 8 Prozent.

Im vergangenen Jahr hatte Redcare erneut insbesondere vom anziehenden GeschĂ€ft mit elektronischen Rezepten in Deutschland profitiert. Sein Ergebnis konnte der Konzern dabei deutlich verbessern, Skaleneffekte und ein genauer Blick auf die Kosten halfen - die Kostenquoten fĂŒr Vertrieb und Verwaltung verbesserten sich.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 72 Prozent auf etwas mehr als 57 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Von Bloomberg befragte Experten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet.

Der Umsatz kletterte - wie bereits seit Januar bekannt - um rund ein Viertel auf 2,94 Milliarden Euro, wobei das GeschĂ€ft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten sich nach damaligen Angaben in einigen MĂ€rkten "verhalten" entwickelt hatte. Die Erlöse mit rezeptpflichtigen Medikamenten stiegen hingegen erstmals ĂŒber 1 Milliarde Euro.

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