Tiktok birgt Suchtgefahr - Strafe droht
06.02.2026 - 12:29:31 | dpa.deDas teilte die zustĂ€ndige EU-Kommission in BrĂŒssel mit. Konkret geht es dabei um suchtfördernde Mechanismen - zum Beispiel um stark personalisierte Empfehlungen und das ununterbrochene automatische Abspielen von Videos. Die Behörde kĂŒndigte an, das bereits eingeleitete Verfahren gegen Tiktok weiter voranzutreiben.
"AbhĂ€ngigkeit von sozialen Medien kann schĂ€dliche Auswirkungen auf die sich entwickelnden Gehirne von Kindern und Jugendlichen haben", kritisierte die zustĂ€ndige VizeprĂ€sidentin Henna Virkkunen. Es gehe darum, europĂ€ische Regeln durchzusetzen, um BĂŒrgerinnen und BĂŒrger online zu schĂŒtzen.
Eine Tiktok-Sprecherin teilte mit: "Die vorlĂ€ufigen Ergebnisse der Kommission stellen unsere Plattform kategorisch falsch und völlig haltlos dar. Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um diese Ergebnisse mit allen uns zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln anzufechten."
Die BrĂŒsseler Behörde untersucht derzeit verschiedene groĂe Online-Plattformen. Bei groĂen Tech-Unternehmen, aber auch der US-Regierung sorgt das teilweise fĂŒr groĂe VerĂ€rgerung.
Verfahren könnte fĂŒr Tiktok teuer werden
Tiktok hat nun die Möglichkeit, sich gegen die VorwĂŒrfe zu verteidigen und könnte theoretisch auch Ănderungen an seinen Funktionen vornehmen, um die Bedenken der EU auszurĂ€umen.
Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, könnte es fĂŒr Tiktok teuer werden. Die EU-Kommission könnte dann formell einen VerstoĂ gegen das sogenannte Gesetz ĂŒber digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) feststellen und eine Strafe verhĂ€ngen. Diese könnte sich auf bis zu sechs Prozent des jĂ€hrlichen Konzernumsatzes belaufen.
Das soll sich bei Tiktok Àndern
Die vorlÀufige Untersuchung fordert zum Beispiel diese Anpassungen:
* die EinfĂŒhrung wirksamer "Bildschirmzeitpausen". Tiktok hole Nutzer derzeit auch nachts, wenn sie nicht online seien, mit Benachrichtigungen immer wieder auf die Plattform zurĂŒck. Derzeitige Zeit-BeschrĂ€nkungen seien auĂerdem leicht zu umgehen.
* Ănderungen daran, welche Inhalte den Nutzern empfohlen werden.
* Deaktivieren des "Infinite Scrolling". Damit ist gemeint, dass beim Scrollen in einem Dienst stÀndig neue Inhalte geladen werden, ohne dass der Nutzer zu Pausen gezwungen ist.
Gehirn im "Autopilot-Modus"
Die EU-Kommission hĂ€lt fest, dass die Gestaltung von Tiktok die Nutzer stĂ€ndig mit neuen Inhalten "belohne" und dadurch den Drang fördere, weiter zu scrollen. Das versetze das Gehirn in einen "Autopilot-Modus". "Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies zu zwanghaftem Verhalten fĂŒhren und die Selbstkontrolle der Nutzer beeintrĂ€chtigen kann."
Die vorlĂ€ufige EinschĂ€tzung ist Teil einer gröĂeren Untersuchung zur Online-Plattform Tiktok. Die Kommission prĂŒft seit Februar 2024 unter anderem, ob der Online-Riese Jugendliche genug schĂŒtzt. Tiktok gehört dem chinesischen Mutterkonzern ByteDance. Das US-GeschĂ€ft wurde an eine neue Firma mit US-amerikanischen Investoren ĂŒbergeben.
Manche Kritiker werfen Tiktok auch vor, dass der Algorithmus bestimmte politische Strömungen wie die AfD in Deutschland bevorzuge oder kritische Themen wie Menschenrechte in China unterdrĂŒcke. Die Kurzvideo-App hat nach eigenen Angaben monatlich mehr als 135 Millionen aktive Nutzer.
Verfahren gegen US-Unternehmen empören US-Regierung
Auch gegen die US-Unternehmen X und Meta US30303M1027 laufen Verfahren der EU-Kommission. Als die EU Anfang Dezember auf Grundlage des DSA gegen Elon Musks Plattform X eine Strafe von 120 Millionen Euro wegen TransparenzmÀngeln verhÀngte, reagierte die US-Regierung scharf: Sie sprach von Zensur und verhÀngte Einreiseverbote gegen einen der Architekten der Digitalgesetze sowie andere EuropÀer.
Die heftige Reaktion konnte auch als Drohung in Richtung BrĂŒssel verstanden werden, keine weiteren MaĂnahmen gegen die US-Tech-Riesen zu ergreifen. AuĂenminister Marco Rubio schrieb zur BegrĂŒndung der Einreisesperren auf X, es wĂŒrden gezielt amerikanische Plattformen attackiert. Man sei bereit, die Liste zu erweitern, wenn es keine Kurskorrektur gebe.
Diskussion um Altersgrenzen in europÀischen LÀndern
In der EU muss man derzeit grundsĂ€tzlich 13 Jahre alt sein, um soziale Medien zu nutzen: Ab diesem Alter können Jugendliche der Nutzung ihrer Daten zustimmen. Auch Tiktok schreibt vor, dass Jugendliche mindestens 13 Jahre alt sein mĂŒssen, um einen Account anzulegen. Einige LĂ€nder wollen aber strengere Regeln: Die französische Nationalversammlung hat fĂŒr ein Nutzungsverbot sozialer Netzwerke fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gestimmt. Der Text muss noch in der anderen Parlamentskammer abgestimmt werden.
Das EuropĂ€ische Parlament stimmte vergangenes Jahr mit deutlicher Mehrheit fĂŒr die Forderung nach einem EU-weiten Mindestalter von 16 Jahren. Jugendliche ab 13 Jahren könnten nach der Vorstellung der Abgeordneten unter elterlicher Aufsicht soziale Netzwerke nutzen. Der verabschiedete Bericht hat aber bislang keine bindende Wirkung. Die EuropĂ€ische Kommission hat bisher keinen Vorschlag zu einer Altersgrenze gemacht.
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