Befehlshaber warnt: AggressivitÀt in der Ostsee nimmt zu
18.06.2026 - 16:59:58 | dpa.de"Eine Gegend, wo sich die sicherheitspolitische Lage spĂŒrbar verdichtet hat, wo ein potenzieller Gegner ziemlich potent unterwegs ist und zunehmend aggressiver auftritt", sagte der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Axel Deertz, am Rande einer Konferenz in Kiel. Dort beraten fĂŒhrende Offiziere aus Deutschland, den USA und anderen Nato-Staaten darĂŒber, wie Europas Nordflanke geschĂŒtzt werden kann.
In den vergangenen Tagen hatten rund 6.000 Soldaten aus 15 Nationen auf 20 Schiffen beim Nato-Manöver Baltops in der Ostsee trainiert. Das 55. Baltops-Manöver wurde erneut von der US Navy angefĂŒhrt. Die Sicherheit der Ostsee sei entscheidend fĂŒr die Sicherheit Europas und damit auch der Vereinigten Staaten, sagte Vizeadmiral Jeffrey T. Anderson, der Befehlshaber der 6. US-Flotte.
Deertz verwies auf die Zusammenarbeit nicht nur zwischen den MilitĂ€rs, sondern auch mit der KĂŒstenwache, der Fischerei oder dem Zoll. Das ergebe ein abgestimmtes Lagebild, auf das schneller reagiert werden könne. Mit Blick auf die Schattenflotte, mit der Russland Sanktionen von westlichen UnterstĂŒtzern der Ukraine umgehen will, sprach der Befehlshaber von einem "gegenseitigen Hochstacheln". "Es ist durchaus in unserem Interesse, dass sie mit ihren Marineeinheiten mehr auf ihre Handelsschiffe gucken mĂŒssen."
AggressivitÀt
Graduell nehme die AggressivitĂ€t zu, sagte Deertz. "Wir haben aus dem Kalten Krieg Regeln, die wir von beiden Seiten nach wie vor beherzigen. Wir wissen, dass es ja nichts bringt, aufeinander zuzufahren, also halten wir AbstĂ€nde voneinander." Ziel sei es, MissverstĂ€ndnisse zu vermeiden. Es sei unredlich zu sagen, dass das Risiko eines militĂ€rischen Zwischenfalls bei null liege. "Es muss sich jetzt keiner Sorgen machen, dass er morgen angegriffen wird. Aber wir mĂŒssen die Augen eben aufhalten."
Schwerpunkt des GroĂmanövers war die Sicherung des freien Seeverkehrs in der Ostsee. AuĂerdem ging es nach Marineangaben um robuste Abschreckung. Die Ostsee gilt auch angesichts des andauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine als strategisch wichtiges Meer. Russland ist als einziger der neun Ostseeanrainerstaaten kein Nato-Mitglied.
